Es gibt keine Lehre für dich…

Foto: (c) wak

Es gibt keine Lehre für dich, um daran zu kauen oder sich darüber zu hocken. Wenn du nicht an dich selbst glaubst, nimmst du dein Bündel und machst die Runde vor anderer Leute Häuser, nach Zen und Tao zu suchen. Du suchst nach Mysterien, nach Wundern, nach Buddhas, nach Zenmeistern und Lehrern. Du meinst, das sei Suchen nach dem Höchsten, und du machst es zu deiner Religion, aber das gleicht einem Rennen nach Osten, um etwas zu bekommen, was im Westen liegt.

Meister Youansou (14. Jahrhundert)

Innere Geschichte der Weltreligionen

Foto: (c) wak

Wenn man die innere Geschichte der meisten Weltreligionen näher betrachtet, wird man herausfinden, dass jede von ihnen sich schnell in einen linken und rechten Flügel aufspaltete, das heißt, in die „Gipfler“, die Mystiker, die Transzendenten oder privat religiösen Menschen auf der einen Seite und auf der anderen in diejenigen, die kleine Holzstücke anbeten anstelle dessen, für das sie stehen, die Texte wörtlich nehmen und vergessen, wofür die Worte ursprünglich stehen und die, was vielleicht am bedeutsamsten ist, die Organisation, die Kirche als wichtigstes nehmen, wichtiger als den Propheten und seine ursprüngliche Offenbarung.

Abraham H. Maslow: Jeder Mensch ist ein Mystiker. Wuppertal 2014, S. 76

Jetztheit für eine erleuchtete Gesellschaft

Foto: (c) wak

Das Prinzip der Jetztheit ist auch für das Streben nach einer erleuchteten Gesellschaft sehr wichtig. Wer der Gesellschaft helfen möchte, wird sich fragen, wie man das wohl am besten macht und woher man die Sicherheit nehmen soll, dass das, was man tut, aufrichtig und gut ist. Die einzige Antwort ist Jetztheit. Jetzt, das ist der einzig wichtige Gesichtspunkt. Wenn du unfähig bist, das Jetzt zu erfahren, bist du mit jeder Unternehmung von vornherein auf dem Holzweg, weil du nach einem anderen Jetzt Ausschau hältst, und das ist nicht nur logisch ein Widerspruch, sondern funktioniert einfach nicht. Solange du das versuchst, gibt es nur Vergangenheit und Zukunft.

Chögyam Trungpa (1940 -1987) in: Das Buch vom meditativen Leben, Reinbek 1991, S. 107

Die Reise nimmt nie ein Ende

Photo by Pixabay on Pexels.com

Der Ursprung des Daseins ist die Bewegung. Folglich kann es darin keine Bewegungslosigkeit geben, denn wäre das Dasein bewegungslos, so würde es zu seinem Ursprung zurückkehren, und der ist das Nichts. Deshalb nimmt das Reisen nie ein Ende, nicht in der höheren und auch nicht in der niederen Welt.

Ibn Al Arabi (1165-1240)

Steter Fleiß im geistigen Wachstum

Foto: (c) wak

Der Mensch soll niemals ein Werk so wohlberaten und rechtgetan glauben, um nicht so unbekümmert und selbstsicher in seinem Tun zu werden, daß seine Vernunft etwa müßig werden oder einschlafen könnte. Er soll sich stets mit den zwei Kräften, der Vernunft und dem Willen, erheben und sein Bestes in ihrer höchsten Auswirkung suchen und wider allen Schaden, außen und innen, weise sich sichern. So vernachlässigt er niemals etwas in irgendwelchen Dingen, sondern er nimmt mächtig zu ohne Unterlaß.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seinen „Reden der Unterweisung“

Gottes Sein in ihm erhöht

Foto: (c) wak

Wenn ich aber gesagt habe,
Gott sei kein Sein
und über dem Sein,
so habe ich nicht
das Sein abgesprochen,
vielmehr habe ich es
in ihm erhöht.

Nehme ich Kupfer im Golde,
so ist es dort (vorhanden )
und ist da in einer höheren Weise,
als es in sich selbst ist.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in: Predigt 9, Deutsche Werke I, S. 107

Jakob Boehme, Tieck und Novalis

Heidelberg, 1904

Ein Gleichniss nimm an dir selber! Deine Seele in dir gibt dir 1. Vernunft, dass du kannst sinnen, das bedeutet Gott den Vater; 2. das Licht, so in deiner Seele scheinet, dass du die Kraft erkennest und dich leitest, bedeutet Gott den Sohn oder Herz, die ewige Kraft. Und 3. das Gemüte, welches ist des Lichtes Kraft und der Ausgang vom Lichte, damit du den Leib regierest, das bedeutet Gott den heiligen Geist.

Edgar Ederheimer zitiert diesen Text von Jakob Böhme in seinem Buch „Jakob Boehme und die Romantiker. Jakob Boehmes Einfluss auf Tieck und Novalis“. Heidelberg 1904, S. 19 – 20

Heilig ist Gott der Vater des Alls…

Photo by Pixabay on Pexels.com

Heilig ist Gott, der Vater des Alls.
Heilig ist Gott, dessen Wille durch seine eigenen Kräfte erfüllt wird.
Heilig ist Gott, der erkannt werden will und von den Seinen erkannt wird.
Heilig bist du, der du durch das Wort das Seiende hast entstehen lassen.

Heilig bist du, dessen Abbild die gesamte Natur ist.
Heilig bist du, dem nicht die Natur seine Gestalt gegeben hat.
Heilig bist du, der du jeder Kraft überlegen bist.
Heilig bist du, der du erhabener als alles Erhabene bist.
Heilig bist du, der du alles Lob übersteigst.

Nimm in heiligen Worten dargebrachte Opfer an
von meiner Seele und meinem Herzen, das sich dir zuwendet.
Du Unaussprechlicher, Unsagbarer, in Schweigen Angerufener.

Aus dem Corpus Hermeticum (2. – 3. Jh. u.Z.) / A. Hermes Trismegistos: Poimandres

Zum Wesen der Dinge durchdringen

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. / Bild: Archiv

Wir sind gewohnt, wenn wir das Wesen der Dinge verstehen wollen, zu denken und sie auseinander zu nehmen sowie nach Gründen zu suchen. Dadurch kann man auch teilsweise zum Wesen der Dingen kommen und verstehen, was das eigentlich ist.
Aber nicht die Begriffe und Wörter abschaffen, sondern durch Begriffe und Wörter hindurch zum Wesen der Dinge durchdringen.
Durch Meditation kann man das lernen, aber es braucht viel Zeit.

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. (1898 – 1990)