Vom Nutzen des Lassens

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Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten.

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Werke sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir alle unsere Werke, es sei Essen, Schlafen, Wachen oder was immer es sei. Die nicht großen Seins sind, welche Werke die auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, dass man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Grund der Werke sei.

Meister Eckhart (1260 – 328) in den „Reden der Unterweisung“

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Essenz der Meditationspraxis

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Die meisten Menschen kennen immer noch nicht die Essenz der Meditationspraxis. Sie halten Geh-Meditation, Meditation im Sitzen und das Anhören von Dhamma-Vorträgen für die Praxis. Das stimmt auch, aber diese sind nur die äußeren Formen der Praxis. Die wirkliche Praxis findet statt, wenn der Geist einem Sinnesobjekt begegnet. Das ist genau die Stelle, an der man praktiziert, nämlich dort, wo Sinneskontakt auftritt. Wenn die Leute Dinge sagen, die wir nicht mögen, dann ärgern wir uns; Sagen sie hingegen Dinge, die wir mögen, dann finden wir das angenehm. Genau dort ist unser Ort der Praxis. Auf welche Weise praktizieren wir nun mit diesen Dingen? Das ist der entscheidende Punkt. Wenn wir nur herumrennen, um das Glück zu jagen und uns ständig vom Leiden abzuwenden, dann können wir bis an unser Lebensende praktizieren, und wir werden niemals Dhamma sehen.

Ajahn Chah (1918 – 1992)

Es ist in dir

Der Jünger sprach zum Meister:
Wie mag ich kommen zu dem übersinnlichen Leben,
dass ich Gott sehe und höre reden?

Der Meister sprach:
Wenn du dich magst einen Augenblick in das
schwingen, da keine Kreatur wohnet,
so hörest du, was Gott redet.

Der Jünger sprach:
Ist das nahe oder ferne?

Der Meister sprach:
Es ist in dir, und so du magst eine Stunde schweigen
von allem deinem Wollen und Sinnen,
so wirst du unaussprechliche Worte Gottes hören.

Jakob Böhme (1575 – 1624)

In dein Herz einkehren

Weisheit ist, Weisheit zu kennen.
Kennst du dich selbst nicht,
wie ist da Weisheit möglich.

Hodscha, wenn du magst,
geh’ 100 mal auf Pilgerfahrt.
Besser ist es, einzukehren in dein Herz.

Yunus Emre (um 1240 – um 1321)

Herz und Geist dem Dharma zuwenden

Mögen Herz und Geist sich dem Dharma zuwenden;

Möge das Dharma erblühen im Gehen des Weges;

Möge der Weg die Verwirrung auflösen;

Möge die Verwirrung aufscheinen als Weisheit.

 

Die Vier Dharmas von Gampopa Sönam Rinchen / Dagpo Rinpoche (1079 – 1153)