In seinem Grund ergriffen

Foto: © wak

Das Wort „Gott“
ist nicht irgendein Wort,
sondern das Wort,
in dem die Sprache,
das heißt das sich aussagende Beisichsein
von Welt und Dasein in einem,
sich selber
in ihrem Grund ergreift.

Karl Rahner S.J. (1904 – 1984), Meditation über das Wort „Gott“, in: Hans Jürgen Schultz (Hrsg.): Wer ist das eigentlich – Gott?, Stuttgart/München 1969

Darauf aufmerksam wurde ich hier: http://seelengrund.wordpress.com/2011/12/10/das-wort-gott/

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Seine Sprache ist wie ein Bergquell – Johannes Tauler im Mystikkreis am 6. Januar 2019

Wir haben es vielleicht noch im Ohr, das Lied „Es kommt ein Schiff geladen“, das in der Adventszeit häufig gespielt wird. Es soll von Johannes Tauler stammen, jenem Dominkaner aus Straßburg, der um 1300 in Straßburg geboren wurde und Schüler von Meister Eckhart war. Durch seine Predigten, dem Massenmedium des Mittelalters, blieb er in katholischen Kreisen ebenso präsent, wie er es in der protestantischen Kirche wurde. „Tauler hat die Menschen ungeheuer beeindruckt — auch Martin Luther. Der Tauler-Hype ging teilweise soweit, dass Predigten, die für gut befunden wurden, aber gar nicht von ihm waren, trotzdem ihm zugeschrieben wurden. Es entstand so etwas wie eine Marke Tauler.“ So ein Fachmann für geistliche Literatur. Wie Martin Luther hatte Tauler den Menschen „aufs Maul geschaut“ und sich in ihrer Sprache ihnen zugewandt.  Als Schüler des „Lesemeisters“, wie man Meister Eckhart nannte, war er der „Lebemeister“, der viele Gedanken Eckharts heruntergebrochen hat auf die nicht akademische (oder ungelehrt scheinende) Sprache und Empfindungswelt der Menschen.

„Seine Sprache ist wie ein Bergquell, der aus harten Felsen hervorbricht, wunderbar geschwängert von unbekanntem Kräuterduft und geheimnisvollen Steinkräften.“ Wohl kaum unverfänglicher als Heinrich Heine könnte jemand über Johannes Tauler sprechen und eine Brücke in die Gegenwart bauen. Doch was wollte Johannes Tauler? Ihm geht es in seinen Predigten nicht um intellektuelle Anregungen, sondern er gibt praktische Anweisungen. Er mahnt seine Zuhörerinnen und Zuhörer immer wieder, ihres Selbst gewahr zu werden, aufmerksam zu werden, sich zu beachten und zu beobachten, um in diesem Prozess ihres Selbst gewahr zu sein.

Um uns genauer anzusehen, wie aktuell die Predigten Taulers heute noch sind, werden wir uns am 6. Januar damit ausführlicher beschäftigen.

 

Organisatorisches:

Damit wir besser planen können, bitten wir um die Anmeldung bis zum 2. Januar. Vielen Dank!

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag: 15,– Euro

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani Kaluza http://doingnothing.de/
Werner A. Krebber https://mystikaktuell.wordpress.com/

Informationen und Anmeldung auch hier:  https://www.facebook.com/events/1606240616144407/

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Bitte schon mal vormerken:  Am ersten Sonntag im Februar (3.2.) wird es einen Doing Nothing-Sonntag geben…

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Bisherige Themen im Kölner Mystikkreis:

– Mystik aktuell? – Texte aus Tradition und Gegenwart christlicher Mystik
– Meister Eckhart: Leben – Wirken – Aktualität
– Die Wolke des Nichtwissens
– Thomas Merton: Mönch – Poet – Rebell
– Beginen: Die Strahlkraft der Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Hadewijch von Antwerpen, Marguerite Porète
– Die Katharer: (Un)Glaube im Widerspruch

 

Schweigen spricht immer

Die Karte ist ein Siebdruck aus Arunachala    Foto: © wak

Schweigen spricht immer. Es ist ein ewiger Fluss von Mitteilung, der durch das Sprechen unterbrochen wird. Die Worte, die ich jetzt ausspreche, überdecken diese schweigende Sprache. Da fließt zum Beispiel Strom durch einen Draht; trifft er auf einen Widerstand, glüht er auf in einer Glühbirne oder bewegt er sich in einem Ventilator. Im Draht aber bleibt er bloße elektrische Energie. Genauso ist Schweigen der ewige Fluss der Sprache, der durch Worte unterbrochen wird. Was man durch jahrelanges Gerede nicht erfasst, kann im Schweigen oder im Angesicht des Schweigens sofort begriffen werden.

Ramana Maharshi (1879-1950)

Wir kennen Eckhart und kennen ihn nicht

heer_me_coverCover des 1956 erschienenen Taschenbuches

„Mit Meister Eckhart nennen wir einen großen Namen, aber der Name bedeutet eine große Frage. Wir kennen Eckhart und kennen ihn nicht.“ So zitiert  der linkskatholische Publizist Friedrich Heer den Kirchengeschichtler Albert Hauck. Um ihn kennenzulernen hat er vor gut 60 Jahren eine  Sammlung von Texten Eckharts publiziert:

Meister Eckhart
Predigten und Schriften

Ausgewählt und eingeleitet von Friedrich Heer
Fischer Bücherei Frankfurt/M – Hamburg, November 1956

 

Die Einleitung von Friedrich Heer gibt es online zu lesen:

I. Die dunkle Zeit
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=2

II. Der große Tröster
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=6

III. Der Seelsorger
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=9

IV. Im Rausch der Sprache
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=12

V. Die Predigt-Spekulation: der Eine und das Eine
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=15

VI. Der große Intellektualist
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=18

VII. Platoniker und Mönch: die Versuchung der Reinheit
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=21

VIII. „lch bin der Sohn“ – „Wir sind der Sohn“
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=25

IX. Eckharts Erbe und die Erben
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=27

 

Biographische Angaben zu Friedrich Heer finden sich u.a. hier:

http://www.friedrichheer.com/biographie.html

 

Die Predigten im Überblick:

me_predigten_I

me_predigten_IIInteressant sind auch seine Anmerkungen zur Auswahl der vorliegenden Texte (S. 222-223)

Die Welt der Beziehung errichten

Martin Buber-Denkmal in Heppenheim | Foto: © wak

Drei sind die Sphären, in denen sich die Welt der Beziehung errichtet.

Die erste: das Leben mit der Natur. Da ist die Beziehung im Dunkel schwingend und untersprachlich. Die Kreaturen regen sich uns gegenüber, aber sie vermögen nicht zu uns zukommen, und unser Du-Sagen zu ihnen haftet an der Schwelle der Sprache.

Die zweite: das Leben mit den Menschen. Da ist die Beziehung offenbar und sprachgestaltig. Wir können das Du geben und empfangen.

Die dritte: das Leben mit den geistigen Wesenheiten. Da ist die Beziehung in Wolke gehüllt, aber sich offenbarend, sprachlos, aber sprachzeugend. Wir vernehmen kein Du und fühlen uns doch angerufen, wir antworten – bildend, denkend, handelnd: wir sprechen mit unserm Wesen das Grundwort, ohne mit unserm Munde Du sagen zu können.

Martin Buber  (1878 – 1965)  in „Ich und Du“