Pfingsten

Bild: Archiv


Zum Fest der Feuerzungen
wollen wir uns kehren,
Das Fest des Allerinnersten
in ihm zu ehren! –

Zu feiern, wie der Geist sich selbst
die Sprache schafft
Aus seiner eignen, feuergleichen Kraft,
wie er sich selbst im Innern spricht,
Als Flamme Zeugnis zeugend
aus dem reinsten Licht! –

Die Flammenzungen können aber
nicht in jedem singen;
Doch jedem können sie
im Wort erklingen,
Wenn er nur ihre Hymnen
dort erhören mag,
Wo sie sich auch ihm formen,
sucht er sie in seinem Tag! –

Bô Yin Râ, Pfingstvornacht 1940

Mehr von und über Bô Yin Râ hier:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Die erste Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes

Heft 5, Mai 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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Heilsame Theologie

Foto: (c) wak

Wenn Ihr Lust habt, eine lautere und der alten ganz gleiche Gottesgelahrtheit zu lesen, die in deutscher Sprache geschrieben, so könnt Ihr euch die Predigten Johann Tauler’s, des Prediger Ordens schaffen. Ich habe weder in der lateinischen noch deutschen Sprache eine heilsamere Theologie gesehen, die mit dem Evangelio besser übereinkäme.

Martin Luther (1483 – 1546) über Johannes Tauler, zitiert in der Einleitung zu Heinrich Seuse, Das Büchlein von der ewigen Weisheit durch Heinrich Suso. Leipzig 1872

Es ist Schweigen

Foto: © wak

 

Das ewige Urprinzip
kann weder ausgesagt
noch begreiflich gemacht werden.

Die Worte versagen,
um Sein Wesen zu beschreiben.
Niemand kann das Unendliche
in der Sprache des Endlichen ausdrücken.

Es ist Schweigen.

Ramakrishna (1836 – 1886)

Wachstum eines Gedankens in die Tiefe des geistigen Raums

Foto: © wak

 

… ein FILM ist nicht nur der Ablauf eines Geschehens in der Zeit. Er ist zugleich auch das Wachstum eines Gedankens in die Tiefe des geistigen Raums. Und nach Auffassung der Poetologie ist er vor allem das. Der Ablauf der Geschehnisse in der Zeit ist dabei nur ein weiteres Hilfsmittel.

Der Ablauf der Geschehnisse in der Zeit ermöglicht es, den Zuschauer in der Zeit festzuhalten, in jener Zeit, die gebraucht wird, um die Tiefendimension des geistigen Raums sich entfalten zu lassen. Die Erzeugung einer solchen geistigen Tiefenentwicklung ist nach Auffassung der Poetologie der eigentliche Sinn des Geschichtenerzählens und der Grund für das, was wir als spezifisches Filmvergnügen kennen: der Zuschauer erfährt sich im Ausnahmezustand der Filmrezeption als geistiges Wesen. Er erfährt sich als Mensch auf eine Art und Weise und in einer Größenordnung, wie ihm das in seinem alltäglichen Leben niemals möglich ist. Dafür lieben wir FILME!

Die Bestandteile eines Films sind: Bewegte Bilder, stehende Bilder, Schrift, Sprache, Geräusche, Musik….

Aus: Wolf Otto Pfeiffer, Bigger than Life, Grundzüge einer Poetologie des Films, aus: Organisation zur Umwandlung des Kinos, Texte zum Geistigen im Film, S. 80-88, Ronnenberg, 2017

Der ganze Beitrag „Der geistige Raum und die Heldenreise des Zuschauers“ von Wolf Otto Pfeiffer ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CII. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 1 | Januar 2021
TITELTHEMA: FILM

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Erlebte und gelebte Religion

Otto Engelhardt-Kyffhäuser, Portrait von Joseph Schneiderfranken

… Die Lehre aber, die uns Bô Yin Râ, wie ehedem Laotse und Jesus, wiederum gibt, ist nicht eine Philosophie oder eine Mythologie oder eine Religion, sondern sie ist Religion an sich. Sie meint etwas artlich anderes, etwas, das nicht erlernt werden kann, sondern erlebt und gelebt wird, in jedem Individualfall volllständig verschieden und neu, also etwas letztlich Unsagbares. Wenn die menschliche Sprache hier, wie immer von den Meistern in der Fülle der Zeiten gebraucht wird, so vermag sie dennoch nur das Erlebnis zu umgrenzen, zu umringen, ahnen zu machen; wie der Kraterrand das Wesen, das Abgründige, die Leere, die Gewalt des Vulkans nur umschreibt und das einzig wesentliche dazwischen nur nach außen hin abgrenzt. …

Rudolf Schott (1891-1977) , Bô Yin Râ: Ein Lebenswerk und sein Meister.  Vortragsmanuskript für die „Theosophische Gesellschaft“, zitiert nach Werner Erni, der für den Kober-Verlag tätig war. Dort sind die Werke von Bô Yin Râ (1876 – 1943) erschienen.

 Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

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Böhmes geistige Leistung kann man kurz so bezeichnen…

Foto: © wak

Böhmes geistige Leistung kann man kurz so bezeichnen: er ist der erste und größte religiöse deutsche Denker des Barock. Die erschütternde geistige Bewegung Europas im 17. Jahrhundert, die von Spanien bis weit nach Russland hinein eine tiefe geistige Wandlung hervorruft, hat keinen gleich großen schöpferischen Deuter und Künder gefunden wie ihn. Bis zu Leibniz ist er nach der Reformation der erste und einzige Deutsche gewesen, der über den Bereich deutscher Sprache hinaus europäisch gewirkt hat.

Paul Hankamer (1891 – 1945) in der „Einführung zu ‚Das Böhme-Lesebuch‘“

Der vollständige Text ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

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Teilhabe am göttlichen Leben ermöglichen

Gedenktafel für Meister Eckhart (um 1260 – 1328) am Erfurter Predigerkloster | Foto: © wak

Das Schaffen Meister Eckharts gehört in den Kontext von Geistesentwicklungen, die mit folgenden Stichworten gekennzeichnet werden können:

– Frauenmystik, Beginentum
– Armutsstreit
– erwachende bürgerliche Frömmigkeit
– Spannung zwischen Kaiser und Papst, z.B. Ludwig der Bayer und Papst Johannes XXII in Avignon.

Eckhart als bedeutender Philosoph steht in der Tradition der arabischen Philosophie und ihrer Rezeption in der Hochscholastik. Eckhart als bedeutender Theologe schließt sich häufig an Augustinus an, ist aber auch von Dionysius Areopagita (6. Jh.) beeinflusst. Seine zentralen Themen sind die Schöpfung im Ursprung und die Gottesgeburt, sowie eine besondere Bildtheologie. Eckhart als spiritueller „Lebemeister“ erreicht es, auch „Ungelehrte“ in der Volkssprache zuinteressieren… Es gelingt ihm mit einer Sprache, die voller Bilder ist, andere, falsche Bilder abzulösen, auch mit der starken Wahrheitsergriffenheit des Predigers, und schließlich damit, dass in der Predigt ein besonderer Austausch entstand, der die Teilhabe am göttlichen Leben ermöglichte.

Leicht gekürzter Hinweis auf Meister Eckhart unter „Biographisches“ auf der Seite der Erfurter Predigergemeinde. Der vollständige Text findet sich hier: https://www.meister-eckhart-erfurt.de/biographisches/

Herz und Dhamma

Foto: privat

Lust und Leid wohnen im Herzen. Die Handlungen, welche Lust und Leid erschaffen, werden im Herzen ersonnen. Das Herz kennt die Folgen, welche als Lust und Leid erscheinen; das Herz trägt die Bürde der Ergebnisse seiner eigenen Gedanken. Daher passen das Herz und der Dhamma* so perfekt zueinander. Gleich welche Sprache oder Nationalität, wir können alle den Dhamma verstehen, weil das Herz und der Dhamma ein natürliches Paar sind.

Ajaan Maha Boowa (1913 – 2011)

*Dhamma bzw. Dharma. Die wörtliche Bedeutung ist: „das, was trägt, stützt“. Das Wort wird überwiegend für die Lehre von Buddha in Wort und Schrift verwandt

Schweigen: Ort der Leere und Erfüllung

Foto: © wak

Das Schweigen wird der Mystik ebenso sehr zum Ort der Leere wie der Erfüllung. Die Einübung in das Schweigen ist nicht das bloße Heraustreten aus dem öffentlichen Gespräch, sondern auch ein Leerwerden, ein Freiwerden vom inneren Reden, vom Lärm des Denkens, der das Wort, das uns gegeben ist, nicht hören lässt. In gesteigerter Form kann die, Unsagbarkeit, sogar, jenseits der Grenze des Sagenkönnens, auf eines verweisen, wo sich das Sprechen verbietet: auf eines, das unantastbar ist, das nicht gesagt, vor der Sprache geschützt werden soll.

Emil Angehrn (*1946)

Tat tvam asi

Cover des Wörterbuches von Fritz Mauthner


Auch der abgründigste Satz der buddhistischen Mystik ist kaum noch Sprache, ist kaum noch grammatisch faßbar. Tat tvam asi. Das du bist. Man könnte auch sagen: Ich ist Du. Das heilige Wort, das Brahma (der Brahmane ist nur der Kenner des Brahma), war schon vor Buddha unerforschlich: der Âtman, der spiritus, das Ich (atta). Als einer einen Brahmanen nach dem Wesen des Brahma fragte, antwortete er nicht; der zweiten Frage entgegnete er: »Ich lehre es dich ja, aber du verstehst es nicht. Dieser Âtman ist Stille.

Stichwort Mystik in: Fritz Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. Leipzig 21923, Band 2, S. 362-388