Alles liegt an der Liebe

Alles liegt an der Liebe. Hat jemand Böses getan, so bleibt es ihm; das Gute wird der Liebe zugeschrieben. … Die Liebe zieht auch alles Gute an sich, das im Himmel in den Engeln und den Heiligen ist und in aller Märtyrer Leiden; und ferner all das Gute, das die Geschöpfe Himmels und der Erden in sich haben und wovon ein so großer Teil verlorengeht oder doch verloren scheint. Die Liebe lässt es nicht verlorengehen. Die Lehrmeister und die Heiligen sagen, dass im ewigen Leben eine gar große Liebe herrsche; wenn (dort) eine Seele erkenne, dass eine andere mehr Liebe besitze als sie selbst, so freue sich diese Seele darüber so sehr, als ob sie diese Liebe selbst besitze. Und je mehr ein Mensch (auf Erden in seiner Haltung) jener Seele gleicht, umso herrlicher wird sein Glück im ewigen Leben sein.

Johannes Tauler (1300 – 1361) in seiner Predigt „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Luk. 6, 36 f.)

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Wahrheit und Schönheit

Simone Weil (1909 – 1943) / Foto: Archiv

Ein neuer Typus der Heiligkeit, das ist wie der Ausbruch eines innersten Quells, das ist eine Erfindung. Es ist beinahe so etwas wie eine neue Offenbarung des Weltalls und der menschlichen Bestimmung. Es ist die Freilegung eines weiten Bereiches von Wahrheit und Schönheit, der bis dahin unter einer dicken Staubschicht verborgen war. Hierzu bedarf es eines größeren Genies, als Archimedes es brauchte, um die Mechanik und die Physik zu erfinden. Eine neue Heiligkeit ist eine sehr viel wunderbarere Erfindung.

Simone Weil, Brief an Pater Perrin, 26.5.1942

Gefunden habe ich dieses Zitat hier: BUCH DER FREUNDE XXV  https://nootheater.de/menu.html

Eigenschaften des einsamen Vogels

Photo by Flo Maderebner on Pexels.com

Der einsame Vogel hat fünf Eigenschaften:
die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er keine Gesellschaft erträgt,
auch wenn sie von seiner Art ist;
die dritte, dass den Schnabel in den Wind hält;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Johannes vom Kreuz (1541-1591) in „Worte von Licht und Liebe“

Die Frucht liegt im Akt des Begreifens

Umschlag eines Kataloges der Galerie Boisserée, Köln

„Die Frucht
liegt nicht
in der Erkenntnis,
sie liegt
im Akt des Begreifens.“

Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)

Ja, das ist ein Satz,
der mich sehr beeindruckt hat.

Pierre Soulages (1919 – 2022)

Hier der Link zum Katalog der Ausstellung: https://www.pierre-soulages.com/wp-content/uploads/2015/04/DOC_CAT_Boisseree_Malereu_und_grafik_2009.pdf

Vom Geist geführt

Foto: (c) wak

Vom Geist geführt sind alle Dinge,
von Geist beherrscht, schnell wie der Geist;
sprichst oder handelst du
mit einem sehr verdorbenen Geist,
dann folgt das Leid dir auf dem Fuß,
so wie das Rad dem Wagenlenker.

In: Die Aussprüche des Buddha / Udanavarga

Du selbst bist es, der in mir ist

Foto: (c) wak

Umklammert habe ich
mit meinem ganzen Wesen
Deine ganze Liebe,
Du Heiligkeit!
Du hast Dich
in mir geoffenbart,
so sehr,
dass es mir scheinen will,
Du selbst bist es,
der in mir ist.

Al-Halladsch (858 – 922)

Den edlen Grund bereit finden

Holzschnitt des Titelblattes von Hans Holbein zu den Predigten von Johannes Tauler, die 1522 in Basel gedruckt worden waren

„Steh auf, Jerusalem, und werde Licht!“ Gott begehrt und bedarf in aller Welt nur eines Dinges; das begehrt er aber so sehr, als ob er seinen ganzen Fleiß darauf verwendete, dies einzige nämlich, dass er den edlen Grund, den er in dem edlen Geist des Menschen gelegt hat, ledig und bereit finde, sein göttliches Werk darin zu vollbringen; …

Was soll nun der Mensch dazutun, dass Gott diesen lieblichen Grund erleuchten und darin wirken könne? Er soll aufstehen; „Surge“, sagt das Wort, „steh auf“; dies lautet, als ob der Mensch dabei mitwirken solle; der Mensch muss aufstehen von allem, was nicht Gott ist, von sich selber und von allen Geschöpfen; von diesem Aufstehen entsteht in dem Grund ein ungestümes Begehren nach Entblößung und Befreiung von allem, was den Menschen von Gott fernhält, und je mehr das abgelegt wird, um so mehr wächst jenes Begehren, geht über sich selbst hinaus und dringt gar oft bei Berührung des bloßen Grundes durch Fleisch und Blut und Mark.

Aus der 5. Predigt: „Surge et illuminare, Jerusalem“ von Johannes Tauler (1300 – 1361)

Die ganze Predigt von Johannes Tauler kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VIII
CII. JAHRGANG WINTER 2021/2022

November 2021: Mystiker, die B.Y.R. empfohlen hat

Mehr auch hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift-magische-bl%C3%A4tter

Bestellungen: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Stille ist die machtvollste Art des Wirkens

Ramana Maharshi / Bild: Archiv

Stille ist die machtvollste Art des Wirkens. Wie gewaltig und eindringlich die Schriften auch sein mögen, sie sind wirkungslos. Der Guru ist still, und in allen herrscht Friede. Seine Stille ist gewaltiger und eindringlicher als alle Schriften zusammen. Diese Fragen tauchen auf, weil man spürt, dass man schon so lange hier ist, so viel gehört, sich so sehr angestrengt und dennoch nichts erlangt hat. Das Wirken, das innerlich vor sich geht, ist nicht sichtbar. Tatsächlich ist der Guru immer in dir.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Wahrheit sein

Inayat Khan  / Foto: Archiv

Es gibt zweierlei: Wissen und Sein.
Es ist leicht, die Wahrheit zu wissen,
aber sehr schwer, Wahrheit zu sein.
Nicht im Wissen der Wahrheit
erfüllt sich der Zweck des Lebens;
er erfüllt sich dadurch,
dass man Wahrheit ist.

Inayat Khan (1882 – 1927)