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Meisterworte

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Ein Tor in unserer Wesensmitte…

Foto: © wak

 

„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“ (Römer 11,33)

Ein Tor in unserer Wesensmitte tut sich auf und wir scheinen durch dieses Tor in unermessliche Tiefen zu fallen, die zwar grenzenlos, aber dennoch uns ganz zugänglich sind. In dieser einen stillen und atemlosen Berührung scheint die ganze Ewigkeit unser geworden zu sein.

Gott berührt uns und diese Berührung ist Leere und macht uns ganz leer. Er bewegt uns mit einer Einfachheit, die uns einfach macht. Alle Vielfalt, alle Kompliziertheit, alles Paradoxe, alle Vielzahl hören auf. Unser Geist schwebt in der Luft eines Verstehens, einer Wirklichkeit, die dunkel und heiter ist und in sich alles enthält.

Thomas Merton (1915 – 1968)

 

Mystische Zunge

Foto: © wak

 

Sie haben dich, heiliger Hafis,
Die mystische Zunge genannt
Und haben, die Wortgelehrten,
Den Wert des Worts nicht erkannt.

Mystisch heißest du ihnen,
Weil sie Närrisches bei dir denken
Und ihren unlautern Wein
In deinem Namen verschenken.

Du aber bist mystisch rein,
Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), West-oestlicher Divan

Leere Rollen und spirituelle Wahrheit

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in: Der Liebesbund. Psychologische und spirituelle Aspekte des mystischen Wegs. Interlaken 1993, S. 25

 

Gott ist namenlos

Foto: © wak

Gott ist namenlos. Von ihm kann niemand etwas sprechen noch verstehen. Wir können von Gott nur sprechen nach unserer Verständnisweise, und es ist ein Unterschied zwischen Gottes Sein und unserem Verstehen.
Von Gott kann man nicht einmal eigentlich sagen, dass er ist. Das kommt vom Überschwang seines lauteren Wesens. Und sage ich: Gott ist gut, so ist das nichts eigentlich; ich bin gut, Gott ist es nicht. Sage ich: Gut, besser, bestes – er ist über alles hinaus.

Meister Eckhart (1260-1328)

In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren

Der Holzschnittt soll Meister Eckhart bei einer Predigt zeigen…

In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren, und ich war Ursache meiner selbst und aller Dinge, und wollte ich, so wäre ich nicht noch alle Dinge, und wäre ich nicht, so wäre Gott nicht.
Es ist nicht nötig, dies zu verstehen.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seiner Predigt „Von der Armut“

 

In diesem Sinne allen Leserinnen und Lesern gute Weihnachtstage!

Werner A. Krebber

 

Wir gehören alle Gott an

Hazrat Inayat Khan – Foto wikimedia / gemeinfrei

Jegliche Disharmonie in der Welt, die durch religiöse Unterschiede hervorgerufen wird, ist ein Resultat des menschlichen Unvermögens, zu verstehen, dass in Wirklichkeit alle Religionen eins, die Wahrheit eins, Gott eins sind. Jenseits der engen Grenzen von Rasse und Religionszugehörigkeit können wir alle in Eintracht leben, denn wir gehören alle Gott an.“

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927), der den Sufismus als „Religion des Herzens“ bezeichnet hat.

Das Zitat fand ich in dem Beitrag „Spiritualität und Isalam: Sufismus für alle“ von Tanja Mancinelli, der in dem Tagungsband „Spiritualität der Zukunft“ erschienen ist. Dazu später mehr.