Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

„Der Schwebende“ von Ernst Barlach in der Kölner Antoniterkirche / Foto: (c) wak

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

 

Verfasser unbekannt. Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html /

Im Stall von Bethlehem ist Platz für alle

Foto: (c) wak

Dieses Geheimnis duldet keine Kompromisse! Es verträgt keine Retusche! Ich kann es nur aus seiner letzten Transzendenz verstehen und verkünden! Aber aus seiner Fülle kann ich an alle sprechen! Funkspruch an alle Welt! Im Stalle von Bethlehem ist Platz für alle. Deren Auge sucht! Deren Herz hämmert! Deren Geist aufklingt! Die „guten Willens“ sind! Denen der Egoismus, die Brutalität, die Gemeinheit nicht Letztes ist. Bei Dostojewski bricht die Wirtshausszene in die Einladung des  Erlösers aus: „Kommet alle zu mir“! Platz für alle! An der Krippe des „Kyrios“! So sollen die Geistigen der Erde, wohin sie an Konfession, wohin sie an Partei, wohin sie an Lebensstil sich stellen mögen, in die „Arbeitsgemeinschaft“ des Nazareners treten! Sie sollen hier vor Anker gehen! Über diesen Leuchtturm ragt kein anderer lichtgewaltig! Kein Strom riß je in die Geschichte tieferes Bett! Keine Symphonie ließ je, wie diese, die Sphären erbeben! Wie immer die Menschen, die heutigen, die zukünftigen, die Offenbarung zum Problem gestaltend, vor Weihnachten stehen mögen, sie sollen ganz in die Nähe, ganz in den Radius, ganz in die Dynamik des Tages treten!

Carl Sonnenschein (1876 – 1929) in „Notizen“, Band 8, S. 73 ff. vom 25. Dezember 1927

Zitiert habe ich diese Passage in meinem Buch „Den Menschen Recht verschaffen. Carl Sonnenschein – Person und Werk“. EchterVerlag, Würzburg 1996, S. 110

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen Leserinnen und Lesern meines Blogs „Mystik aktuell“ gute Weihnachtstage.

Werner A. Krebber

Nichts anderes als wir selbst

Foto: (c) wak

Mögen wir offen sein
für ein tieferes Verstehen,
und aufrichtige Liebe und Fürsorglichkeit
für die Vielzahl der Gesichter,
die nichts anderes sind
als wir selbst.

Wendy Egyoku Nakao | Zen-Priesterin und leitende Lehrerin des Zen Centers of Los Angeles, dem sie zuvor viele Jahre als Äbtissin vorstand

Suche in dir selbst

Bô Yin Râ

Der mir befreundete Leiter des Magnum-Opus Verlag in Freiburg, Herr Möbus, der … schickte mir mit anderen Schriften auch „Das Buch vom lebendigen Gott“ eines mir unbekannten Verfassers mit Namen Bô Yin Râ. …

Eine einfache, klare Lehre sprach in schlichten aber mächtigen Worten zu mir. Sie lautet ungefähr: „Willst du suchen, so suche in dir selbst; dort findest du alles, was du suchst, wenn du recht verstehst, es zu suchen.“

Felix Weingartner, Lebenserinnerungen, Zweiter Band, S. 330 f. und S. 347 f., Orellfüssli Verlag, Zürich und Leipzig

Ausführlicher sind die Lebenserinnerungen von Felix Weingartner hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VII
CII. Jahrgang Oktober 2021 Heft 10, Thema: DIE MUSIKALISCHE DIMENSION DES JAKOB-BÖHME-BUNDES

Mehr hier:

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Innen / Außen

Foto: (c) wak

Jesus sprach: „Warum wascht ihr das äußere des Bechers?
Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat,
auch der ist, der das äußere gemacht hat?“

Logion 89 in „Das Evangelium nach Thomas“

Geheimnisvoll schweigendes Verstehen

Alles Denken muss zum Irrtum führen.
Es gibt nur die eine Wirklichkeit,
die nicht zu erfahren
und nicht zu erlangen ist.
Es gibt eben nur ein
geheimnisvoll schweigendes Verstehen
und nichts anderes.

Huang Po / Huangbo Xiyun ( + 850)

Zum Wesen der Dinge durchdringen

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. / Bild: Archiv

Wir sind gewohnt, wenn wir das Wesen der Dinge verstehen wollen, zu denken und sie auseinander zu nehmen sowie nach Gründen zu suchen. Dadurch kann man auch teilsweise zum Wesen der Dingen kommen und verstehen, was das eigentlich ist.
Aber nicht die Begriffe und Wörter abschaffen, sondern durch Begriffe und Wörter hindurch zum Wesen der Dinge durchdringen.
Durch Meditation kann man das lernen, aber es braucht viel Zeit.

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. (1898 – 1990)

Glaube, Hoffnung, Liebe

Skizze des Johannes vom Kreuz | Archiv

Die Seele vereinigt sich mit Gott in diesem Leben
nicht durch Verstehen,
noch durch Genießen,
noch durch Vorstellungen,
noch durch irgendetwas Sinnenhaftes,
sondern nur verstandesmäßig durch den Glauben,
gedächtnismäßig durch die Hoffnung
und willensmäßig durch die Liebe.

Johannes vom Kreuz / Juan de la Cruz (1542 – 1591)

Der Mensch bleibt derselbe mit Gleichmut und Gelassenheit

Foto: (c) wak

Der Mensch bleibt in allem derselbe mit Gleichmut und Gelassenheit. Es ist entscheidend, diese Vision des Einen zu verstehen. Sie ist der Schlüssel zu allem. Dieses eine Selbst zu erfahren, das in der ganzen Schöpfung und in jedem Menschenwesen manifestiert ist, ist das Ziel des Lebens. Wenn wir es erlangen, dann erfahren wir uns selbst in Gott und Gott in uns.

BHAGAVAD GITA. Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths. Aus dem Sanskrit übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück. München 1993, S. 148