Erfahrung, dass alles heilig ist

Foto: © wak

Eine Fokussierung auf die Wahrheit der Mystik bedeutet somit keine Infragestellung von Religion, vielmehr ermöglicht sie eine Neubelebung religiöser Weltdeutung. Die Aufhebung der Grenzen zwischen Mensch und Gott, Kosmos und Transzendenz, muss keineswegs Säkularisierung bedeuten; Sie kann im Gegenteil zu der Erfahrung führen, dass alles heilig ist — eine Erfahrung, die glücklicherweise nicht legendären Gestalten wie etwa dem indischen Mystiker Ramakrishna vorbehalten ist, sondern heute von zahlreichen Menschen gemacht wird.

Joseph Campbell (1904 – 1987) in: Reflections on the Art of Living

Den Kosmos als Manifestation Gottes erkennen

Foto: © wak

Gott inkarniert sich im Kosmos. Er und seine Inkarnationen sind unlösbar miteinander verbunden. Er ist nicht in seiner Inkarnation, sondern er manifestiert sich als Inkarnation. Er offenbart sich im Baum als Baum, im Tier als Tier, im Menschen als Mensch und im Engel als Engel. Es sind dies also nicht Wesen, neben denen es dann noch einen Gott gäbe, der gleichsam in sie hineinschlüpfte, sondern er ist jedes einzelne dieser Wesen – und ist es auch wieder nicht, da er sich nie in einem von ihnen erschöpft, sondern immer auch alle anderen ist. Eben diese Erfahrung macht der Mystiker. Er erkennt den Kosmos als sinnvolle Manifestation Gottes, während sich manche Menschen dem Kosmos gegenüber verhalten wie Analphabeten gegenüber einem Gedicht: Sie zählen die einzelnen Zeichen und Worte, aber sie sind nicht imstande den Sinn zu verstehen, der dem ganzen Gedicht seine Gestalt gibt.

Willigis Jäger (* 1925)

Im mystischen Abbild der Welt die Sterne kreisen sehen

Foto: © wak

Hermann Hesse ( 1877- 1962) über Jakob Böhme
Zitiert in Andreas Gauger, Jakob Böhme und das Wesen seiner Mystik, Berlin 2000, S. 9

Kosmischer Christus

kosmischerchristusmellatzFoto: © wak

 

Christen haben das Kreuz als zentrales Kennzeichen. Es wurde immer als Lebensbaum und als Zeichen des Heiles gedeutet.

Das Kreuzzeichen selbst deutet nur auf den Tod hin. Christen glauben aber an einen Gott der Auferstehung und des Lebens.

Es ist also die Frage, wie Tod und Leben, Kreuz und Auferstehung in einem möglichst einfachen Symbol miteinander verbunden werden können.

Eine überraschende Entdeckung:

1. Eines der zentralen Symbolzeichen der alten Ägypter ist das “Anch”, eine Hieroglyphe, das Zeichen für Leben.

2. Dieses vorchristliche Zeichen des Lebens ging in die Symbolsprache der frühen ägyptischen Kirche ein. Die Christen übernahmen es, formten aber das Oval zu einem vollen doppelten Ring. Die Sonne des Ostermorgens steht über dem Kreuz.

3. Die Christen machten aus diesem “Anch-Kreuz”, das auch als Henkel- oder Lebenskreuz bekannt war, das Zeichen für den kosmischen Christus, indem sie drei Ringe um das Kreuz legten.

Leicht veränderter Text zu einem Bild im Tagungshaus Mellatz der Comboni-Missionare.

Siehe auch hier:

http://www.mymaze.de/anch.htm