Allen Krankheiten und Leiden ein Ende setzen

Fotos: © wak

Als nun, Manjushri, dieser Meister des Heilens, dieser Tathagata im Lapislazuli-Glanz, Erleuchtung erreichte, war er aufgrund der Kraft seiner grundlegenden Gelübde fähig, alle Geschöpfe zu sehen und über sie zu wachen. Einige dieser Geschöpfe litten an Krankheiten, sie waren ausgezehrt, hatten hohes Fieber, Gelbsucht usw. Andere waren den verderblichen Giften von Dämonen ausgeliefert; noch andere würden ein kurzes Leben haben oder befanden sich an der Schwelle des vorzeitigen Todes. Als er dies sah, hatte er den Wunsch, all diesen Krankheiten und Leiden ein Ende zu setzen und den Wünschen der Geschöpfe zur Erfüllung zu verhelfen. Zu dieser Zeit ging der Erhabene in den Samadhi ein, „der die Leiden aller Wesen vertreibt“. Als er in diesem Samadhi weilte, ging ein strahlendes Licht von der Urna zwischen seinen Augenbrauen aus, und aus ihrer Mitte ertönte der Klang der großen Dharani:

Namo bhagavate bhaisajyaguru-vaidurya prabha-rajaya tathagataya arhate samyak-sambuddhaya tadyatha. Om bhaisajye bhaisajye bhaisajya-samudgate svaha.

Als der Klang dieser Dharani inmitten des strahlenden Lichts verklungen war, hörte man ein lautes Dröhnen, die Erde erbebte, und ein großer Lichtschein wurde sichtbar. Alle Wesen waren von ihren Leiden und Krankheiten frei und gelangten zu Frieden und Glück.

Der vollständige Text des Medizin-Buddha-Sutra findet sich hier: http://www.phathue.de/buddhismus/dharma/medizin-buddha-sutra/

Der Urquell

Foto: © wak

Wohl kenne ich den Quell, der rinnt und fließet,
obgleich’s bei Nacht ist.

Verborgen ist dem Blick die ewge Quelle,
doch weiß ich wohl zu finden ihre Stelle,
obgleich’s bei Nacht ist.

Ich weiß, nicht Ursprung hat sie je genommen,
doch aller Ursprung ist aus ihr gekommen,
obgleich’s bei Nacht ist.

Ich weiß, dass keine Schönheit ihrer gleiche,
sie tränkt die Erde und die Himmelreiche,
obgleich’s bei Nacht ist.

Ins Bodenlose, weiß ich, würde gleiten,
wer sie beträte, um sie zu durchschreiten,
obgleich’s bei Nacht ist.

Niemals hat ihre Klarheit sich verdunkelt,
und alles Licht weiß ich aus ihr entfunkelt,
obgleich’s bei Nacht ist.

Gewaltig weiß ich ihre Ströme eilen
durch Höllen, Himmel und wo Menschen weilen,
obgleich’s bei Nacht ist.

Den Wassern, die aus dieser Quelle steigen,
wohl weiß ich ihnen alle Macht zu eigen,
obgleich’s bei Nacht ist.

Den Strom, zu dem zwei Ströme sich verbinden,
weiß ich mit beiden nur zugleich zu finden,
obgleich’s bei Nacht ist.

Verborgen rinnt der Quell, auf dass wir leben,
in dem lebend’gen Brot, das uns gegeben,
obgleich’s bei Nacht ist.

Hier ruft er die Geschöpfe, dass sie kommen,
zu stillen sich, von Dunkelheit umschwommen,
obgleich’s bei Nacht ist.

Ersehnter Quell, dich such‘ ich nicht vergebens,
ich schaue dich in diesem Brot des Lebens,
Weil es bei Nacht ist.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)

Allein im Hier und Jetzt

Foto: Marlies Schwochow +

Wer sein Herz öffnet, darf nichts auf der Welt ausschließen. Befreiung und Erleuchtung werden allein im Hier und Jetzt gefunden. Wenn wir Gott lieben wollen, müssen wir auch alle seine Geschöpfe lieben lernen – uns selbst mit all unseren Fehlern und Komplexen eingeschlossen. Diese geistige Umarmung bildet ein Mandala oder einen Erwachenskreis, in dem sich uns alle Aspekte des gegenwärtigen Lebens erschließen.

Jack Kornfield (* 1945)

Gelobt seist du mit allen deinen Geschöpfen

Foto: © wak

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Aus dem „Sonnengesang“ des  Franz von Assisi (* 1181 oder 1182 – 1226)

Der vollständige Text des Sonnengesangs ist hier nachzulesen:
https://www.franziskanerbrueder.de/de/spiritualitaet/sonnengesang/sonnengesang/

Nicht getrennt

Foto: © wak

Alle Menschen sind im Grunde Buddhas, gleich wie Wasser und Eis: Es gibt kein Eis getrennt vom Wasser, gesondert von den Geschöpfen keine Buddhas. Nicht wissend wie nahe ihnen die Wahrheit, suchen die Geschöpfe sie in der Ferne – welch Jammer! Sie gleichen denen, die im Wasser nach Wasser schrein vor Durst.

Hakuin Zenji, auch Hakuin Ekaku (1686-1769)

Geistige Umarmung

Foto: © wak

Wer sein Herz öffnet, darf nichts auf der Welt ausschließen. Befreiung und Erleuchtung werden allein im Hier und Jetzt gefunden. Wenn wir Gott lieben wollen, müssen wir auch alle seine Geschöpfe lieben lernen – uns selbst mit all unseren Fehlern und Komplexen eingeschlossen.
Diese geistige Umarmung bildet ein Mandala oder einen Erwachenskreis, in dem sich uns alle Aspekte des gegenwärtigen Lebens erschließen.

Jack Kornfield (* 1945) in: Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen. Wie spirituelle Erfahrung das Leben verändert. München 2010, S. 198

Mitten im Weltenbau steht der Mensch

Aus einem Codex der Hildegard von Bingen   wikimedia/gemeinfrei

Mitten im Weltenbau steht der Mensch, denn er ist bedeutender als alle übrigen Geschöpfe. An Statur ist er zwar klein, an Kraft seiner Seele jedoch gewaltig. Sein Haupt nach oben gerichtet, die Füße auf festem Grund, vermag er alles in Bewegung zu setzen. Was er mit seinem Werk bewirkt, das durchdringt das All. Wie nämlich der Leib des Menschen das Herz an Größe übertrifft, so sind auch die Kräfte der Seele gewaltiger als die des Körpers, und wie das Herz des Menschen im Körper verborgen ruht, so ist auch der Körper von den Kräften der Seele umgeben, da diese sich über den gesamten Erdkreis erstrecken. So hat der gläubige Mensch sein Dasein im Wissen aus Gott und strebt in seinen geistlichen wie weltlichen Bedürfnissen zu Gott. Immer richtet sich sein Trachten auf Gott, dem er in Ehrfurcht entgegentritt. Denn wie der Mensch mit den leiblichen Augen allenthalben die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben überall den Herrn. Gott ist es, den der Mensch in jedem Geschöpf erkennt. Weiß er doch, daß Er der Schöpfer aller Welt ist.

Hildegard von Bingen (um 1098 – 1179)

Allen Geschöpfen untertan

Gedenktafel im Kloster Helfta an die vier großen Mystikerinnen  Foto: © wak

 

Komm, meine Liebe, singe!
Lass mich hören,
wie du dein Lied singst
zur Freude und Erbauung,
denn ich, dein Schöpfer,
bin in Wahrheit allen Geschöpfen untertan.

Mechthild von Magdeburg (um 1207 – 1282)

Ewig Gott in Gott

Heinrich Seuse | Bild gemeinfrei

Alle Geschöpfe haben ewig im göttlichen Sein als in ihrem Urbild existiert. In ihrer Übereinstimmung mit dem göttlichen Urbild waren alle Wesen vor ihrer Schöpfung eins mit dem Sein Gottes. Alle Geschöpfe sind ewig Gott in Gott. Sofern sie in Gott sind, sind sie das gleiche Leben, das gleiche Sein, die gleiche Macht, das gleiche Eine, und nicht weniger als das.

Heinrich Seuse (1295 oder 1297 – 1366)