Unergründliche Tiefe des Lebens

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Hast du je in einem flüchtigen Moment der Zeit eine herrliche Ewigkeit wahrgenommen? Hast du je in der kleinsten Stelle eines Gegenstands eine strahlende Unendlichkeit gesehen? Dann weißt du, was der Spirit ist – die Turmspitze, zu der alle Dinge harmonisch aufsteigen und in der sie zusammenkommen und zufrieden in einer unergründlichen Tiefe des Lebens sitzen.

Peter Sterry (1613 – 1672)

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Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Conrad Ferdinand Meyer (1825 – 1898)

Klarheit erlangen

Gib dich der äußersten Leere hin, versenke dich inbrünstig in Stille. Die zehntausend Dinge nehmen Gestalt an, und steigen zur Tätigkeit auf. Doch gleichzeitig sehe ich ihre Nicht-Aktion, ihr Zurückkehren zur Ruhe. Wie Pflanzen, die üppig sprießen, aber zur Wurzel und Erde zurückkehren, der sie entsprossen sind. Zurückkehren zur Wurzel ist Stille. Zurückkehren zur Wurzel heißt, das Unwandelbare, Formlose zu schauen. Dies zu schauen bedeutet, sich zur Ewigkeit zu wenden und die ewigen Gesetzmäßigkeiten zu verstehen. Das ewige Gesetz erkennen heißt Klarheit erlangen.

Lao-Tse im Tao Te King

Dein Erwachen bejubeln

Möchtest du aus deinem Traum erwachen oder lieber weiterträumen? Wie lange werden die Traumbilder Bestand haben? Sei nicht träge, schüttle deinen Schlaf ab und wach auf! Du bist ja Zeuge deiner mentalen Bilder, warum hältst du dann noch an ihnen fest? Das ist doch sinnlos. Finde heraus, wer es ist, der diese Traumbilder sieht. Täusche dich nicht, du bist nicht diese Bilderfolge, die in dir aufsteigt und wieder absinkt; wach auf! Im selben Augenblick, in dem du erwachst, wirst du erkennen, dass Wachsein besser ist als Träumen. Stehe auf! ICH-BIN-BRAHMAN wartet darauf, dein Erwachen zu bejubeln als Universelles ICH.

Aus “Ellam Ondre”

Streben nach Weisheit

Woher steigt dieses „Ich“ auf? Suchen Sie im Inneren danach, dann verschwindet es. Dies ist das Streben nach Weisheit. Wenn der Geist unaufhörlich nach seiner eigenen Natur forscht, stellt sich heraus, dass es so etwas wie den Geist gar nicht gibt.
Dies ist der direkte Weg für alle. Der Geist besteht nur aus Gedanken, und der Gedanke „Ich“ ist die Wurzel aller anderen Gedanken. Deshalb ist der Geist nichts als der Ichgedanke.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)