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Alles gemeinsam, Gott und Mensch

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Inkonsequent

Foto: © wak

Frag hundert Katholiken
was das Wichtigste ist
in der Kirche.
Sie werden antworten:
Die Messe.

Frag hundert Katholiken
was das Wichtigste ist
in der Messe.
Sie werden antworten:
Die Wandlung.

Sag hundert Katholiken
dass das Wichtigste in der
in der Kirche die Wandlung ist.
Sie werden empört sein:
Nein, alles soll bleiben,
wie es ist!

Lothar Zenetti (* 1926)

Die Wahrheit in sich selbst erblicken

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Die Stille bedeutet mehr
Als tausend Leben,
und diese Freiheit ist mehr wert
als alle Reiche der Welt.
Die Wahrheit in sich selbst erblicken,
für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles, was es gibt.

Dschelaleddin Rumi (1207 – 1273)

Positive Geisteshaltung pflegen

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Wenn die Absicht gut ist,
werden Pfad und Frucht gut sein.
Wenn die Absicht schlecht ist,
werden Pfad und Frucht schlecht sein.
Da also alles
von der guten Absicht abhängig ist,
strebe stets danach,
eine positive Geisteshaltung zu pflegen.

Jigme Lingpa (1729–1798)

 

 

In das reine Wesen des Geistes versetzt

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Wenn ich alles hinauswerfe,
was selbstisch an mir ist,
dann kann ich
in das reine Wesen des Geistes
hineinversetzt werden.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

In Meister Eckhart: Vom Wunder der Seele. Stuttgart 1963, S. 67

Spiritualität ist eine Lesekunst

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Spiritualität ist eine Lesekunst. Es ist die Fähigkeit, das zweite Gesicht der Dinge wahrzunehmen: die Augen Christi in den Augen des Kindes; das Augenzwinkern Gottes im Glanz der Dinge. Nicht Entrissenheit, sondern Anwesenheit und Aufmerksamkeit ist ihre Eigenart. Sie ist keine ungestörte Entweltlichung und Einübung in Leidenschaftslosigkeit. Sie ist lumpig und erotisch, weil sie auf die Straße geht und sieht, was dem Leben geschenkt ist und was ihm angetan wird. Es gibt also einen Vorhof der ausdrücklich religiösen Spiritualität, es ist die Aufmerksamkeit im alltäglichen Leben. Bin ich fähig, wahrzunehmen und zu empfinden. Wie lese ich die Schmerzen der Menschen und wie lasse ich mich von ihnen berühren? Wie gehe ich mit den Dingen des alltäglichen Lebens um? Bin ich fähig, sie als Gaben zu ehren oder bin ich ausschließlich Benutzer und Verfüger der Welt? Ehre ich das Wasser, die Stille, die Nacht, die Tiere, die Luft zum Atmen, oder wähne ich alles für mich und meinen Nutzen? Spiritualität ist gebildete Aufmerksamkeit.

Fulbert Steffensky (*1933)