Mit der Quelle verbinden / Ramana Maharshi und Doing Nothing am 7. Juli 2019

 

Ramana Maharshi / Foto: wikimedia gemeinfrei

Wasser steigt vom Meer auf, wird zu Wolken und kommt als Regentropfen wieder herab. Es kann nicht zur Ruhe kommen, bis es, allen Hindernissen zum Trotz, wieder seine Heimat, das Meer erreicht hat. Die verkörperte Seele, die aus Dir kommt, mag eine Zeitlang ziellos umherwandern, wie es ihr beliebt, aber sie kann nicht rasten, bevor sie sich wieder mit Dir, ihrer Quelle, verbindet. Ein Vogel mag hierhin und dorthin in die Luft fliegen, kann aber nicht dort oben bleiben, sondern muss schließlich zurückkehren, um auf der Erde seinen Ruheplatz zu finden. So muss auch die Seele zu Dir zurückkehren, o Aruna-Berg, und sich wieder mit Dir allein vereinen, Du Meer der Seligkeit.

Ramana Maharshi in den acht Versen zu Ehren des Arunachala

 

Mehr zum Mystiksonntag am 7. Juli hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/06/07/ramana-maharshi-und-doing-nothing-mystikkreis-am-7-juli-2019/

Organisatorisches:

Damit wir besser planen können, bitten wir um frühzeitige Anmeldung bei
Rani Kaluza: Tel: 0221 2406997/ eMail: weissefeder@netcologne.de

Vielen Dank!

Wir treffen uns etwa ein Mal im Monat im Kölner Stadtteil Sülz.
An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch. Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag für den ganzen Tag: 15,– Euro (+ ein freiwilliger Obolus für den Mittagstisch). Kostenbeitrag nur für den Nachmittag: 10,– Euro.

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani und Werner

Informationen und Anmeldung auch hier: https://www.facebook.com/events/2342174475825305/

Wie ein dem Käfig entkommener Vogel

Laß ab von all deinen früheren Einbildungen, Meinungen, Deutungen und weltlichen Erkenntnissen, von Verstandesdünkel, Selbstsucht und Überlegenheitsstreben. Werde wie ein abgestorbener Baum, wie kalte Asche. Wenn du den Punkt erreichst, wo Gefühle aufgehört haben, Anschauungen sich verflüchtigt haben und dein Geist rein und bloß ist, öffnest du dich der Zen-Verwirklichung.

Danach kommt es darauf an, Beständigkeit zu entwickeln, den Geist stets von allen Verfälschungen freizuhalten. Ist da auch nur das geringste Schwanken, so besteht keine Hoffnung, die Welt zu überwinden.

Bleib in jeder Lage entschlossen und fest, dann wirst du Frieden haben. Wenn man dich keiner Stufe zuordnen kann, weder der des Weisen noch der der gewöhnlichen Menschen, dann bist du wie ein dem Käfig entkommener Vogel.

Yuan-wu K`o-ch`in (1063 – 1135)

Bedingungen eines einsamen Vogels

Foto: © wak

Der einsame Vogel hat fünf Eigenschaften:
die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er  keine Gesellschaft erträgt, auch wenn sie von seiner Art ist;
die dritte, dass den Schnabel in den Wind hält;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Johannes vom Kreuz (1541-1591) in „Worte von Licht und Liebe“

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens…

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
aber wie klein auch, noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du’s?
Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann
und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewußtseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. – Aber
ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens….

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)  Aus dem Nachlaß / 1906 bis 1926 / Vollendetes

Ungeborgen auf den Bergen des Herzens

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
aber wie klein auch, noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du’s?
Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann
und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewusstseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. – Aber
ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens… .

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Den eigenen Platz einnnehmen

Hätte sich aber ein Fisch vorgenommen,
zuerst über die Grenzen des Wassers hinauszugelangen
und dann ins Wasser zu gehen,
und ein Vogel erst dann in den Himmel zu fliegen,
wenn er über die Grenzen des Himmels hinausgelangt wäre,
dann könnten der Fisch und der Vogel
niemals ihren Weg und ihren Ort
im Wasser oder im Himmel finden.

Kigen Dogen (1199-1253)

Du bist alles geworden

Kümmere dich nicht um die Welt. Glaube nicht, dass du Frieden in diese Welt bringen musst. Es gibt eine größere Kraft, die den Weg kennt, die für die Welt und das ganze Universum sorgt. Und die braucht keine Hilfe von dir. Die einzige Art, wie du der Welt helfen kannst, ist durch dein Aufwachen, deine Erleuchtung.
Wie hilfst du der Welt durch deine Erleuchtung? Wenn du erleuchtet bist, bist du nicht mehr der Körper. Du bist Allumfassendes Bewusstsein, Absolute Realität. Du bist Grenzenloser Raum. Du bist die Bäume, die Berge, die Flüsse, die Tiere, die Insekten, die Vögel. Du bist alles geworden. Du bist das Selbst. Das unvergängliche, unveränderliche Selbst.

Wenn du das nicht sehen kannst, handelst du wie ein abhängiger Agent. Du denkst, du kannst diese Welt zu einer Besseren machen. Du kämpfst für deine Rechte. Du versuchst die Meinungen der Leute zu beeinflussen, protestierst gegen dies und das. Ich gestehe ein, dass solche Dinge in dieser Welt notwendig sind, aber das ist alles Maya. Maya ist eine herrliche Illusion. Es lässt dich glauben, dass du etwas tun kannst, um die Dinge in der Welt zu verändern. Aber ich kann dir versichern, nichts wird sich je verändern. Es wird sich für eine Weile scheinbar ändern. Dinge werden für eine Weile scheinbar besser sein und scheinbar schlechter. Es wird Katastrophen geben, Zerstörungen. Alle möglichen Dinge werden passieren. Das ist die Natur dieser Welt. Es hat absolut nichts mit dir zu tun. Und doch, gleichzeitig bist du die Welt.

Ich widerspreche mir ständig selbst, das ist die Lehre. Totaler Widerspruch. Aber die letztendliche Wirklichkeit ist: Lasse alles gehen. Erkenne dich selbst als allumfassend, und du wirst totale Glückseligkeit sein, totale Freiheit.

Robert Adams (1928-1997)