Schweigen und Arbeiten

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Was erforderlich ist (wenn überhaupt etwas), ist nicht Schreiben oder Reden – daran besteht für gewöhnlich gar kein Mangel –, sondern Schweigen und Arbeiten; denn Reden stört, Schweigen und Arbeiten dagegen sammeln die Gedanken und festigen den Geist. Sobald dann ein Mensch das begriffen hat, was ihm zu seinem Nutzen gesagt worden ist, besteht für ihn keine Notwendigkeit mehr, etwas zu hören oder zu erörtern. Er muß sich vielmehr eifrig daran machen, das in Demut, Barmherzigkeit und Selbstverachtung in die Praxis umzusetzen, was er schweigend und aufmerksam gelernt hat.

Johannes vom Kreuz / Juan de la Cruz (1542  1591)

Entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen

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Das am ehesten Wahre sagt man über Gott,
wenn man von allem sagt,
er sei dieses nicht.
Denn es ist angemessener,
alles über ihn zu verneinen,
als irgendetwas von ihm zu behaupten.
Das ist es, was wir sagen können,
wenn man uns fragt, wie man vom Unsagbaren reden könne.
Nichts lässt sich von ihm in angemessener Weise sagen.
Wir müssen entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen.

Isaak von Stella (um 1100 – 1178)

Wo wohnt Gott?

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„Wo wohnt Gott?“ Mit dieser Frage überraschte der Rabbi einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: „Was redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“

Martin Buber (1878 – 1965) in: Das verborgene Licht, S.19

Reden aus dem geformten Wort Gottes

 

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Denn dass der Mensch redet und verstehet, das kommt nicht aus den Sternen und Elementen, sonst könntens andere Creaturen auch: Es kommt dem Menschen aus dem eingeleibten, geformten Worte Gottes her.

Jacob Böhme (1575 – 1624) in: Mysterium Magnum, 36, 85, 1623

Gefunden habe ich diesen Gedanken von Böhme hier: https://www.nootheater.de/menu.html

Vor Weisheitsfülle schweigen – Fritz Mauthners Meister Eckhart-Zitat zu Skepsis und Mystik

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Hier aber, wo ich notgedrungen von dem Verhältnisse zwischen Sprachkritik und dem Begriffe Religion reden muß, möchte ich einige Sätze des edlen Meisters Eckart voraufschicken.

„Einer unserer ältesten Meister, der die Wahrheit schon lange und lange vor Gottes Geburt gefunden hat, den dünkte es, dass alles, was er von den Dingen sprechen könnte, etwas Fremdes und Unwahres in sich trüge; darum wollte er schweigen. Er wollte nicht sagen: Gebt mir Brot, oder gebt mir zu trinken. Aus dem Grunde wollte er nicht von den Dingen sprechen, weil er von ihnen nicht so rein sprechen könnte, wie sie aus der ersten Ursache entsprungen wären; darum wollte er lieber schweigen, und seine Notdurft zeigte er mit Zeichen der Finger. Da nun er nicht einmal von den Dingen reden konnte, so schickt es sich für uns noch mehr, dass wir allzumal schweigen müssen von dem, der da ein Ursprung aller Dinge ist.“ Und wieder: „Das Schönste, was der Mensch von Gott sprechen kann, das ist, dass er vor Weisheitsfülle schweigen kann.“ Und wieder: „Die Seele ist eine Kreatur, die alle genannten Dinge empfangen kann; und ungenannte Dinge kann sie nur empfangen, wenn sie so tief in Gott empfangen wird, dass sie selbst namenlos wird.“

Ich meine es kaum viel anders; nur die Sprache ist etwas verschieden, weil sechs Jahrhunderte dazwischen liegen.

Fritz Mauthner (1849-1923) in: Sprache und Logik. Beiträge zu einer Kritik der Sprache.Dritter Band (1913)
Der vollständige Text ist hier zu finden: https://www.textlog.de/mauthner-logik-skepsis-mystik.html

Besser ist ein Wort voll tiefen Sinnes

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Besser als in tausend Reden
Worte ohne Sinn verschwendet,
Ist ein Wort voll tiefen Sinnes,
das dem Hörer Frieden spendet.

Besser als in tausend Liedern
Worte ohne Sinn verschwendet,
Ist ein Wort voll tiefen Sinnes,
das dem Hörer Frieden spendet.

Ob ein Sänger hundert Lieder
sinnlos in die Lüfte sendet,
Besser ist ein Wort der Wahrheit
das dem Hörer Frieden spendet.

Magst du in der Schlacht besiegen
tausendmal zehntausend Krieger –
Wer das eigne Ich bezwungen,
Ist der größte Held und Sieger.

Aus dem Dhammapada (4. – 3. Jh.v.u.Z.)

 

 

Im Herzen der Glaubenden sieben Burgen

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Du sollst wissen, dass Gott – erhaben sei er – im Herzen des Glaubenden sieben Burgen mit Wehranlagen und Ringmauern geschaffen hat. Er wies den Glaubenden an, sich innerhalb dieser Burgen aufzuhalten, während er Satan erlaubte, außerhalb zu bleiben, von wo aus er es wie der Hund angeht und anbellt. Die erste umringte Burg ist aus Korund, und das ist die mystische Erkenntnis Gottes – erhaben sei er –; und um sie herum liegt eine Burg aus Gold, was der Glaube an Gott ist – erhaben sei er –; und um sie herum liegt eine Burg aus Silber, was die Reinheit der Absicht beim Reden und Tun ist; und um sie herum liegt eine Burg aus Eisen, was die Übereinstimmung mit dem göttlichen Ratschluss ist; und um sie herum liegt eine Burg aus Bronze, was die Ausführung der Vorschriften Gottes ist – erhaben sei er –; und um sie herum liegt eine Burg aus Alaunstein, was die Erfüllung der positiven und negativen Gebote Gottes ist; und um sie herum liegt eine Burg aus Ton, was die Erziehung der sensitiven Seele bei allem Tun ist.

 Abu al-Hussain alNuri, Persischer Sufi-Mystiker (+907/908)

Aus der Einleitung der von Ulrich Dobhan OCD und Elisabeth Peeters OCD herausgegebenen Werkausgabe von Teresa von Ávila, hier den „Wohnungen der Inneren Burg“

 

Der Sufismus oder die Mystik

Der Sufismus oder die Mystik

  1. ist die Essenz alles Wissens.
  2. Er ist die Reinigung des Herzens und der Seele.
  3. Er ist das Vereintwerden mit Gott.
  4. Er ist das Wegnehmen der Schleier zwischen Mensch und Gott.
  5. Er ist die Bemeisterung der Gegenwart und die Sicherung der Zukunft.
  6. Er ist die Aufopferung der Ichheit.
  7. Er ist der Verzicht auf die Güter beider Welten.
  8. Er ist das innere Sichfinden, das innere Lauschen und das innere Entzücken.
  9. Er ist die Einweihung im Tempel der Wahrheit.
  10. Er ist die Entzündung des Gottesfunkens im Herzen.
  11. Er ist das Verzichten auf die Selbstüberhebung und Selbstanbetung.
  12. Er ist der Führer zur Einheit.
  13. Er ist das Schließen der Augen für alles außer Gott.
  14. Er ist das Nichtsein in sich und das Da-Sein in Gott,
  15. Er ist das Aufheben des Vorhanges der Geheimnisse Gottes.
  16. Er ist das Erlöstsein vom Ich und das Vereintsein mit dem Du.
  17. Er ist das Nichtsein, das alles Dasein umschließt.
  18. Er ist das Sichselbstbeschauen der Seele im Spiegel der göttlichen Liebe.
  19. Er ist das Schweigen der Vergänglichkeit und das Reden der Ewigkeit im Menschen.
  20. Er ist das Sterben, welches das ewige Leben in sich trägt.
  21. Er ist das Empfinden des Erlöstseins vom Dasein und vom Nichtdasein.

Iranschähr, Hossein Kazemzadeh (1884 -1962): Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams,, Berlin 1934, S. 11-12

 

 

Im Schweigen redet es…

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Im Schweigen redet es,
Im Reden schweigt es.
Das große Tor der wahren Liebe steht offen;
Es kennt keine Hindernisse.
Fragt jemand: „Welche Wahrheit hast du erkannt?“,
Sag ich: „Die Macht der transzendenten Weisheit.“

Yoka Daishi (665 – 713) im „Shodoka“