Nach dem Sauerteig der Religion verlangen

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Es gibt viele, deren Herz wieder nach dem Sauerteig der Religion zu verlangen beginnt. Wenn sie sich dann an die wenden, die die Religion verwalten, hören sie die guten alten Worte, aber es kommt ihnen vor, als hätten diese ihren goldenen Klang eingebüßt. Sie sind abgegriffen. Das göttliche Gepräge ist kaum noch zu erkennen. Sie sind durch die Hände zu vieler unachtsamer Menschen gegangen. Sowohl außerhalb wie auch innerhalb der Kirchen bemüht man sich um die Wahrheit.

Aus einem Vortrag von Johannes Anker-Larsen in der Tonhalle Zürich 1925

Der vollständige Vortrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Materialien zum Jakob-Böhme-Bund

Heft 6, Juni 2021

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Du bist wie ein kostbarer Edelstein

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Ein Bruder fragte den Altvater Poimen: „Es ist eine Verwirrung über mich gekommen: ich möchte diesen Platz verlassen.” Der Greis antwortete: „Aus welchem Grund?” Und jener sagte: „Weil ich von einem Bruder Reden hören muß, die mich nicht erbauen.” Und der Greis fragte: „Ist das wahr, was du gehört hast?” Er sagte ihm: „Ja, Vater, es ist wahr, denn der Bruder, von dem ich es vernahm, ist verläßlich.” Er entgegnete ihm: „Nein, er ist nicht verläßlich, der dir das sagte; denn wenn er verläßlich wäre, dann hätte er dir nie so etwas gesagt. Auch Gott glaubte nicht, als er das Geschrei der Sodomiter hörte, sondern stieg herab und sah mit seinen eigenen Augen” (Gen 18, 20). Darauf sagte jener: „Auch ich habe mich augenscheinlich überzeugt.”

Als der Greis das hörte, blickte er auf den Boden, nahm einen kleinen Splitter und fragte ihn: „Was ist das?” Jener antwortete: „Ein Splitter!” Darauf blickte der Greis an die Decke der Zelle und fragte ihn: „Was ist das?” Jener antwortete: „Es ist ein Balken, der das Dach trägt!” Da sagte der Alte: „Bewahre in deinem Herzen, daß deine Sünden so sind, wie dieser Balken; die Sünden jenes Bruders aber, von dem du sprachst, sind wie dieser kleine Splitter.” Als der Altvater Sisoes das hörte, ward er verwundert und sprach: „Wie kann ich dich genug selig preisen, Abbas Poimen? Wahrlich, du bist wie ein kostbarer Edelstein, so voller Gnade und Herrlichkeit sind deine Worte.”

Aus den Apophthegmata Patrum – Weisung der Väter. Übersetzung von Bonifaz Miller, Trier 1986

Wie nun Gott in der Welt wohnet…

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Wie nun Gott in der Welt wohnet und alles erfüllet und doch nichts besitzet, und das Feuer im Wasser wohnet und das nicht besitzt, und wie das Licht in der Finsternis wohnet und die Finsternis doch nicht besitzet, der Tag in der Nacht und die Nacht im Tage, die Zeit in der Ewigkeit und die Ewigkeit in der Zeit also auch ist der Mensch geschaffen. Er ist nach der äußern Menschheit die Zeit und in der Zeit, und die Zeit ist die äußere Welt. Das ist auch der äußere Mensch. Und der innere Mensch ist die Ewigkeit und die geistliche Zeit und Welt, welche auch steht in Licht und Finsternis, nämlich in Gottes Liebe nach dem ewigen Licht, und in Gottes Zorn nach der ewigen Finsternis. Welches in ihm offenbar ist, darinnen wohnet sein Geist, entweder in der Finsternis oder im Lichte. Es ist beides in ihm, das Licht und die Finsternis. Ein jedes wohnet in sich selber; keines besitzet das andere.

Jakob Böhme (1621) in: De Regeneratione oder Von der neuen Wiedergeburt

Texte aus der Langen Nacht über Jacob Böhme sind hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Die erste Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes

Heft 5, Mai 2021

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Lernen die Liebesbriefe zu lesen

Foto: Marlies Schwochow +

Jeden Tag untersuchen die Priester
das Gesetz auf genaueste Weise
und singen endlos die kompliziertesten Sutras.
Doch bevor sie das tun,
sollten sie lernen,
wie man die Liebesbriefe liest,
die uns Wind und Regen,
Schnee und Mond senden.

Ikkyu Sojun (1394 – 1481) ~Er gab sich selbst den Namen „Verrückte Wolke“

Einfache tiefe Sehnsucht nach Gott

Willst du also beten, vergiss alles, was du getan hast oder vorhast zu tun. Weise alle Gedanken ab, gleich ob gute oder böse. Gebrauche beim Beten keine Worte, es sei denn, du fühlst dich innerlich dazu gedrängt. Betest du aber doch mit Worten, so kümmere dich nicht darum, ob es viele oder wenige sind. Beachte sie nicht, denke nicht daran, was sie bedeuten. Mache dir auch keine Gedanken um die Art des Gebetes. Es ist völlig gleich, ob es offizielle liturgische Gebete sind wie Psalmen, Hymnen, Wechselgesänge oder Fürbitten, und auch, ob du nur in Gedanken betest oder vernehmlich.
Nur eines habe im Sinn: in deinem Herzen eine einfache, tiefe Sehnsucht nach Gott zu hegen. Denke nicht darüber nach, wer oder was er ist oder wie er sich in seinen Werken offenbart. Ruhe in dem einfachen Bewusstsein, dass er „ist”. Ich bitte dich, laß ihn so, wie er ist. Versuche nicht, ihn genauer zu erfassen und tiefer einzudringen, sondern bleibe in schlichtem Vertrauen verwurzelt in Gottes Sein wie in festem Grund.
Diese von allen Gedanken freie Aufmerksamkeit, die im Vertrauen wurzelt und gründet, wird dich von allem Denken und Wahrnehmen frei machen und dir nur das reine Bewusstsein und das dunkle Innesein deines eigenen Daseins lassen. Dein ganzes Empfinden aber ist erfüllt mit lauterer Sehnsucht nach Gott, die spricht:

„Mein Sein bringe ich dir, Herr,
ohne nach einer deiner Eigenschaften zu fragen.
Ich schaue nur darauf: Du bist.
Nur das habe ich im Sinn, sonst nichts.

Das Herz des absoluten ewigen Seins erreichen

Foto: © wak

Das wirkliche „Gebet“ verbindet alles Seelische, das den Geistesfunken in sich trägt, im sichtbaren wie im unsichtbaren Kosmos, und bringt Kraftströme zur Wirksamkeit, die, auf dem Wege über die ihnen gesetzten Stationen, in Wahrheit zuletzt das Herz des absoluten ewigen Seins erreichen um von dort aus mit „Gnade“ gleichsam „geladen“ zurückzufluten auf den Betenden und alles, worauf sein „Gebet“ gerichtet ist.

Aus: Bô Yin Râ: Das Gebet

 

Den vollständigen Text von Bô Yin Râ über das Gebet finden Sie  hier:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

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Klarheit und leuchtenden Glanz empfangen

Gedenktafel im Kloster Helfta | Foto: © wak

Der Fisch kann im Wasser nicht ertrinken,
der Vogel in den Lüften nicht versinken,
das Gold ist im Feuer nie vergangen,
denn es wird dort Klarheit und leuchtenden Glanz empfangen.
Gott hat allen Kreaturen das gegeben,
dass sie ihrer Natur gemäß leben.
Wie könnte ich denn meiner Natur widerstehn?

Mechthild von Magdeburg (ca. 1207/1208 – 1282)

Llewellyn Vaughan-Lee zitiert sie in seinem Artikel „Rückkehr zur Liebe: ein paar einfache Worte für Mystiker*innen und Liebende“ vom Juni 2020 https://goldensufi.org/de/rueckkehr-zur-liebe-ein-paar-einfache-worte-fuer-mystikerinnen-und-liebende/

Der Sinn des Lebens…

Es wird mir immer deutlicher, geradezu erschütternd klar: Der Sinn des Lebens ist einzig und allein das Leben. Sogar der Sinn des Todes ist das Leben, denn er schafft Platz für endlos neues Leben. – Nichts weiter! Da gibt es keine weiteren Verzierungen anzubringen, alle weiteren Sinnbeladungen bleiben ganz unnütz. So banal ist es, so tautologisch ist es – wie es eben ist. Amen.

Aus: Hochhohenloher Exerzitien von Thomas Kapielski

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

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Die Gnade des Gurus ist immer da

Ramana Maharshi / Bild: Archiv

Die Gnade des Gurus ist immer da. Du stellst dir vor, sie sei irgendwo anders hoch in den Himmeln, und sie müsse zu dir herabsteigen. In Wahrheit ist sie in deinem Herzen. Im selben Moment, in dem du durch irgendeine Methode das Eingehen in oder Verschmelzen des Gemüts mit seiner Quelle erreicht hast, schwillt die Gnade an und setzt sich wie ein Springbrunnen innerhalb von dir fort.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)