Rainer Maria Rilke: Überfließende Himmel

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Die Leere wird durchleuchtet vom Schein des Herzens des Himmels

Ohne Entstehen, ohne Vergehen,
Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft.
Ein Lichtschein umgibt die Welt des Geistes.
Man vergißt einander, still und rein, ganz mächtig und leer.
Die Leere wird durchleuchtet vom Schein des Herzens des Himmels.
Das Meerwasser ist glatt und spiegelt auf seiner Fläche den Mond.
Die Wolken schwinden im blauen Raum.
Die Berge leuchten klar. Bewusstsein löst sich in Schauen auf.
Die Mondscheibe einsam ruht.

Liu Hua Yang: Das Buch von Bewusstsein und Leben

Wenn ein Gott dich berührt, wirst du zu flammender Glut

Wurzelnd ruhet der Berg, tief mit der Erde verwachsen,
Aber sein Scheitel ragt zu den Gestirnen empor.

Du bist beiden verwandt, mein Geist, dem Zeus wie dem Hades,
Und doch von beiden getrennt. Mahnend ertönt dir der Ruf:
Wahre dein Recht auf des Weltalls Höhn! Nicht haftend am Niedern
Sinke vom Staube beschwert dumpf in des Acheron Flut!
Nein, vielmehr zum Himmel empor! Dort suche die Heimat!
Denn wenn ein Gott dich berührt, wirst du zu flammender Glut.

Giordano Bruno (1548 – 1600)

Sich der Welt recht erfreuen

Niemals
wirst du dich der Welt
recht erfreuen,
ehe nicht die See selbst
in deinen Adern fließt,
dich der Himmel umhüllt
und die Sterne dich krönen.

Und betrachte dich
als den einzigen Erben
der ganzen Welt –
und mehr als das,
denn Menschen sind in ihr,
von denen jeder einzelne
einziger Erbe ist, genau wie du.

Thomas Traherne (1636 – 1674) in seinen “Centuries of Meditations”