Tanz: Brücke zwischen Himmel und Erde

Foto: © wak

Die Magie des heiligen oder sakralen Tanzes baut eine Brücke zwischen Himmel und Erde. Wenn man sie sich in einem Flammenkreis vorstellt, versinnbildlicht sie das Dasein, das, wenn aufgehoben, im Leben mündet.
So führt zum Beispiel der Tanz der Derwische in kreisartiger Bewegung von der Peripherie zum Zentrum, also zum Wesen des spirituellen Daseins, in einem Wort: zur Brücke.
Der Tanz überträgt auf seine Weise die geheimnisvollen Werte der Religionen, weshalb man behauptete, er sei göttlichen Ursprungs. Er ist die Sprache des Unbewussten und drückt Werte aus die sich im tiefsten Grunde des Wesens verbergen.
Durch den Tanz offenbart sich die Poesie des Rhythmus, denn die Poesie ist eine Gabe des Lebens. Kriegerisch, kraftvoll, erotisch, mystisch versucht der Tanz auszudrücken, dass Energien auf allen Ebenen des Universums schwingen. Er übermittelt eine Boschaft, die erhebt, weil sie Botschaft der Harmonie ist.

Frédéric Lionel (1908 – 1999)

 

Werbeanzeigen

Ein Punkt reiner Wahrheit in uns

Foto: © wak

 

Im Zentrum unseres Seins ist ein Punkt des Nichtseins, der unberührt von Sünde und Illusion ist, ein Punkt reiner Wahrheit, ein Punkt oder Funke, der nur Gott gehört, über den wir nie Verfügung haben, von dem aus Gott über unser Leben verfügt, der unzugänglich ist für die Phantasien unseres Geistes oder die Brutalitäten unseres Willens.

Dieser kleine Punkt des Nichtseins und der absoluten Armut ist die reine Herrlichkeit Gottes, eingeschrieben in uns als unsere Armut, als unsere Bedürftigkeit, als unsere Sohnschaft. Er
ist wie ein reiner, hell im unsichtbaren Licht des Himmels strahlender Diamant. Er ist in jedem von uns, und wenn wir ihn nur sehen könnten, würden wir diese Milliarden Lichtpunkte im Antlitz und Glanz einer Sonne zusammenkommen sehen, die alle Dunkelheit und Grausamkeit des Lebens vollständig verschwinden ließe.

Thomas Merton (1915 – 1968) in seinem Essay „Ein Mitglied des Menschengeschlechts“

Zitiert in Llewellyn Vaughan-Lee: Das Herzensgebet. Der direkte Weg ins göttliche Mysterium, Freiburg/Br. 2013, S. 12-13

… als seiest Du unter Engeln

Foto: © wak

Deine Freude an der Welt ist niemals echt, ehe du nicht allmorgendlich im Himmel erwachst, dich im Palast deines Vaters fühlst, den Himmel, die Erde, die Luft empfindest als paradiesische Freuden und ein solches Hochgefühl von allem hast, als seiest du unter Engeln.

Thomas Trahernes (1636 – 1674) in „Centuries of Meditations“

Aus der Tiefe stieg er zur Höhe empor

Foto: © wak

Ein Tropfen, der aus einer Regenwolke fiel,
Erschrak vor der Weite der See:
Wer bin ich in der Unermesslichkeit des Ozeans?
Wenn ER ist, dann bin ich in Wahrheit nicht!
Während er sich mit den Augen der Verachtung betrachtete,
Nährte ihn eine Muschel in ihrem Schoß.

Der Himmel lenkte die Geschicke so,
Dass eine berühmte, eine königliche Perle heranwuchs:
Aus der Tiefe stieg er zur Höhe empor
Und klopfte an die Tür des Nichts:
Bis das Sein heraustrat.

Idries Shah (1924-1996)

 

Eine Minute Stille für den Weltfrieden

Foto: © wak

Von der Stille der Meditation geht eine ungeheure Kraft aus. In einer interreligiösen Gruppe, die der UN Vorschläge unterbreiten sollte, regte ich an, dass alle Mitglieder der Gruppe dem Weltfrieden jeden Mittag eine Minute der Stille widmen sollten. Können Sie sich vorstellen, dass die ganze Welt eine Minute lang innehält? Würde die ganze Welt regelmäßig jeden Tag eine Minute lang in Stille verweilen, so hätte dies wahrscheinlich eine positivere Auswirkung auf den Weltfrieden als zehn Jahre intensiver Friedensverhandlungen.

Die Stille der Meditation schafft Raum, eine besondere Art schöpferischer Leere. Diese Leere, die durch die Meditation entsteht, ist kein Mangel und auch kein Fehlen von irgend etwas, sondern ein Zustand der Offenheit, durch den Dinge überhaupt erst möglich werden. Sie gleicht dem leeren Raum in einer Tasse oder an der Nabe eines Rades. Eine volle Tasse kann nichts mehr aufnehmen, doch eine leere Tasse kann man mit verschiedenen Dingen füllen. Und ein Rad ohne Nabe für die Achse kann sich nicht drehen.
Dieser „leere“ Raum ist vollkommen wach und lebendig. Alle Formen und Energien der Welt gehen aus ihm hervor, so wie die Wolken im klaren blauen Himmel erscheinen.

Bernard Glassman (1939 – 2018) in: Anweisungen für den Koch. Lebensentwurf eines Zen-Meisters. 1999, S. 51

Ein Sitzkissen unter leerem Himmel, das Gewicht einer Flamme

Foto: © wak

Mit ganzer Energie von Körper und Geist, beide vollständig in den strahlenden Lichtschatz fallen lassen, ohne zurück zu schauen. Ohne die Erleuchtung zu suchen. Ohne die Illusionen vertreiben zu wollen. Die aufkommenden Gedanken weder hassen noch lieben, und sie vor allem nicht unterhalten. Auf jeden Fall, was immer auch sei, das große Sitzen üben, hier und jetzt. Wenn ihr das Denken nicht unterhaltet, kehren die Gedanken in den Ursprung zurück. Wenn ihr euch in der Ausatmung aufgebt und euch von der Einatmung füllen lasst – in einem harmonischen Kommen und Gehen – bleibt nichts mehr als ein Sitzkissen unter leerem Himmel, das Gewicht einer Flamme.

Ejo Koun (1198-1282)