Um Seiner ewigen Schönheit willen

Darstellung von Rabia in einer persischen Miniatur / Bildquelle: wikimedia/gemeinfrei

Ich will Wasser in die Hölle gießen
und Feuer ans Paradies legen,
damit diese beiden Schleier verschwinden
nd niemand mehr Gott
aus Furcht vor der Hölle
oder in Hoffnung aufs Paradies anbete,
sondern nur noch
um Seiner ewigen Schönheit willen.

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaisiyya / Rabia Basri / Rabia von Basra (714, 717 oder 718 i –  801)

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Wenn es auch Nacht ist…

Johannes vom Kreuz  / Bildquelle: wikimedia – gemeinfrei

Wohl kenne ich den Quell, der rinnt und fließet,
wenn es auch Nacht ist.

Verborgen ist dem Blick die ewge Quelle,
doch weiß ich wohl zu finden ihre Stelle,
wenn es auch Nacht ist.

Ich weiß, nicht Ursprung hat sie je genommen,
doch aller Ursprung ist aus ihr gekommen,
wenn es auch Nacht ist.

Ich weiß, dass keine Schönheit ihrer gleiche,
sie tränkt die Erde und die Himmelreiche,
wenn es auch Nacht ist.

Ins Bodenlose, weiß ich, würde gleiten,
wer sie beträte, um sie zu durchschreiten,
wenn es auch Nacht ist.

Niemals hat ihre Klarheit sich verdunkelt,
und alles Licht weiß ich aus ihr entfunkelt,
wenn es auch Nacht ist.

Gewaltig weiß ich ihre Ströme eilen
durch Höllen, Himmel und wo Menschen weilen,
wenn es auch Nacht ist.

Den Wassern, die aus dieser Quelle steigen,
wohl weiß ich ihnen alle Macht zu eigen,
wenn es auch Nacht ist.

Den Strom, zu dem zwei Ströme sich verbinden,
weiß ich mit beiden nur zugleich zu finden,
wenn es auch Nacht ist.

Verborgen rinnt der Quell, auf dass wir leben,
in dem lebend’gen Brot, das uns gegeben,
wenn es auch Nacht ist.

Hier ruft er die Geschöpfe, dass sie kommen,
zu stillen sich, von Dunkelheit umschwommen,
weil’s in der Nacht ist.

Ersehnter Quell, dich such‘ ich nicht vergebens,
ich schaue dich in diesem Brot des Lebens,
auch wenn es Nacht ist.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)

 

Ich sah in beiden Welten Eines

Was soll ich tun, o ihr Muslime? Denn ich kenn‘ mich selber nicht:
Weder Christ noch bin ich Jude, und auch Pars‘  und Muslim nicht:
Nicht von Osten, nicht von Westen, nicht vom Festland, nicht vom Meer,
nicht stamm‘ ich vom Schoß der Erde und nicht aus Himmels Licht.
Nicht aus Staube, nicht aus Wasser, nicht aus Feuer, nicht aus Wind,
nicht vom Throne, nicht von der Gosse und auch aus Seien und Werden nicht.
Nicht vom Diesseits, nicht vom Jenseits, nicht von Eden, nicht von der Hölle
nicht von Adam, nicht von Eva, auch vom Engel stamm‘  ich nicht.
Mein Raum ist raumlos, mein Zeichen die Zeichenlosigkeit,
ist weder Körper noch Seele,  ich bin nur ein Teil von Seinem Licht.
Die Zweiheit habe ich verworfen, ich sah in beiden Welten Eines
Einen such‘  ich, Einen ruf‘ ich, einen kenn‘ ich, Einen nenn‘  ich.
Wenn in meinem Leben nur ein Hauche ohne Dich vergeht,
Ab diesem Tag und dieser Stunde, für dieses Leben schäm‘ ich mich.

Dschelaluddin Rumi / Mevlana (1207-1273)

Mehr dazu hier:

http://www.deutschlandfunk.de/der-persische-mystiker-rumi-in-harmonie-mit-sich-selbst-und.2540.de.html?dram:article_id=333134

Dich aus Liebe zu Dir selbst lieben

O Herr, wenn ich Dich aus Angst vor der Hölle liebe,
verbrenne mich dort,
und wenn ich Dich in der Hoffnung auf das Paradies liebe,
schließe mich dort aus,
doch wenn ich Dich aus Liebe zu Dir selbst liebe,
entziehe mir nicht Deine göttliche Schönheit.

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaysiyya (ca. 715 – 801)

Entziehe mir nicht Deine göttliche Schönheit

O Herr,
wenn ich Dich aus Angst vor der Hölle liebe
verbrenne mich dort,
und wenn ich Dich in der Hoffnung auf das Paradies liebe
schließe mich dort aus,
doch wenn ich Dich aus Liebe zu Dir selbst liebe,
entziehe mir nicht Deine göttliche Schönheit.

Rabia von Basra (+801)

Göttliche Schönheit

O Herr,
wenn ich Dich aus Angst vor der Hölle liebe
verbrenne mich dort,
und wenn ich Dich in der Hoffnung auf das Paradies liebe
schließe mich dort aus,
doch wenn ich Dich aus Liebe zu Dir selbst liebe,
entziehe mir nicht Deine göttliche Schönheit.

Rabia von Basra (+801)

Lieber in der Hölle und Gott haben

Ein hoher Lesemeister erzählte in einer Predigt in einer hohen Versammlung diese Geschichte:

Es war einmal ein Mann, von dem liest man in den Schriften der Heiligen, der begehrte wohl acht Jahre, Gott möge ihm einen Menschen zeigen, der ihm den Weg zur Wahrheit weisen könnte. Und als er in einem starken Begehren war, da kam eine Stimme von Gott und sprach zu ihm: „Geh vor die Kirche, da findest du einen Menschen, der dir den Weg zur Wahrheit weisen soll.“ Und er ging und fand einen armen Mann, dem waren seine Füsse aufgerissen und voll Kot und alle seine Kleider waren kaum drei Pfennig wert. Er grüsste ihn und sprach: „Gott gebe direinen guten Morgen“ und jener erwiderte: „Ich hatte nie einen bösen Morgen!“ Er sprach: „Gott gebe dir Glück! wie antwortest du mir so?“ Und er erwiderte: „Ich hatte nie Unglück.“ Er sprach wieder: „Bei deiner Seligkeit! wie antwortest du mir so?“ Er erwiderte: „Ich war nie unselig.“ Da sprach er: „Gebe dir Gott Heil! Kläre mich auf, denn ich kann es nicht verstehn.“

Er erwiderte: „Das will ich tun. Du sprachst zu mir, Gott möge mir einen guten Morgen geben, da sagte ich: ich hatte nie einen bösen Morgen. Hungert mich, so lobe ich Gott; bin ich elend und in Schande, so lobe ich Gott: und daher hafte ich nie einen bösen Morgen. Als du sprachst, Gott möge mir Glück geben, sagte ich, ich hatte nie Unglück. Denn was mir Gott gab oder über mich verhängte, es sei Freude oder Leid, sauer oder süss, das nahm ich alles von Gott für das Beste: deshalb hatte ich nie Unglück. Du sprachst, bei meiner Seligkeit, da sagte ich: ich war nie unselig, denn ich habe meinen Willen so gänzlich in Gottes Willen gegeben: was Gott will, das will auch ich, darum war ich nie unselig, denn ich wollte allein Gottes Willen.“ „Ach, lieber Mensch, wenn dich nun Gott in die Hölle werfen wollte, was wolltest du dazu sagen?“ Da sprach er: „Mich in die Hölle werfen? Das wollt‘ ich sehen! Und auch dann, würfe er mich in die Hölle, so habe ich zwei Arme, mit denen umfasste ich ihn. Der eine ist wahre Demut, den legte ich um ihn und umfasste ihn mit dem Arm der Liebe.“ Und dann sprach er: „Ich will lieber in der Hölle sein und Gott haben, als im Himmelreich und Gott nicht haben.“

Aus Meister Eckharts Mystischen Schriften