Einen harmonischen Seinszustand erreichen

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Die orientalischen Tänze haben – religiös, mystisch und wissenschaftlich – nichts von ihrer tiefen Bedeutung eingebüßt, die ihnen in längst vergangener Zeit innewohnte. Heilige Tänze waren immer eines der wichtigsten Themen, die in esoterischen Schulen des Ostens gelehrt wurden. Diese Gymnastik hat ein doppeltes Ziel: Zum einen enthält und zeigt sie eine gewisse Form von Wissen, zum anderen dient sie gleichzeitig als Mittel, um einen harmonischen Seinszustand zu erreichen. […] In jener frühen Zeit diente Kunst dem Zweck eines höheren Wissens und der Religion. […] Alter heiliger Tanz ist nicht einfach ein Medium für eine ästhetische Erfahrung, sondern sozusagen auch ein Buch, das […] ein ganz bestimmtes […] Wissen enthält. Aber es ist ein Buch, das nicht alle lesen können, die dies möchten.

Der ganze Beitrag „Die Vorgeschichte der Bewegungen“ von Roger Lipsey zu Georges Gurdjieff (1866 -1949) kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VII
CII. Jahrgang Oktober 2021 Heft 10, Thema: DIE MUSIKALISCHE DIMENSION DES JAKOB-BÖHME-BUNDES

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Deinen Bogen auf das allerhöchste Ziel hin spannen

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Wir haben … vom heiligen Johannes gesungen: lucerna lucens et ardens: er ist ein leuchtendes, ein brennendes Licht. Diese Leuchte gibt Wärme und Licht. Du empfindest die Wärme an der Hand und siehst doch kein Feuer, es sei denn, daß du oben hineinblicktest, und das Licht siehst du nur durch die Hornscheiben schimmern.
Ach, wer doch den Sinn (in diesem Vergleich) wahrnähme und auf dieses Licht und diese Wärme häufiger achtete! Da ist die verwundende Liebe, die dich in diesen Grund führen wird. Und solange du sie in dir fühlst, sollst du dich antreiben und mit ihr voranstürmen und deinen Bogen auf das allerhöchste Ziel hin spannen.

Johannes Tauler (1300 – 1361) in seiner Predigt 44: Hic venit ut testimonium perhiberet de lumine / Er kam, Zeugnis von dem Licht zu geben (Joh. 1. 7)

Spricht zu den Menschen deren Ohren geöffnet sind

Die Kaaba / Bild: Archiv

Als Abraham in Aegypten in die Mysterien des Lebens eingeweiht worden war, begab er sich nach Mekka, wo er zur Erinnerung an die in der alten esoterischen Schule Aegyptens empfangene Weihe einen Denkstein setzte. Die Stimme, die Abrahams singende Seele in den Stein legte, tönte weiter fort und wurde allen denen vernehmbar, die sie zu hören vermochten. Seit jener Zeit sind Seher und Propheten zu diesem Stein, zur Kaaba gepilgert; die Stimme tönte weiter und lebt noch heute fort. Ein Ort wie Mekka – eine Wüstenei, die nichts Interessantes bietet, wo der Boden nicht fruchtbar und die Menschen nicht hoch entwickelt sind, wo weder Handel noch Industrie blüht, wo Kunst und Wissenschaft nicht zu finden sind – hat Millionen Menschen angezogen, die ihn nur aus einem einzigen Grund, nur als Ziel ihrer Wallfahrt aufsuchten: Was war die Ursache, was ist heute noch die Ursache? Nur die Stimme, die diesem Ort, die einem Stein eingegeben worden ist. Einem Stein ist die Gabe der Sprache verliehen worden, und er spricht noch heute zu den Menschen, deren Ohren geöffnet sind.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927) in: Die Sprache des Kosmos. Genf; 1945, S. 7-8

Ein echter Lebensprozess

Ob nun das Ziel der Gott des Christentums heißt oder die Weltseele des Pantheismus oder das Absolute der Philosophie, immer ist der Wunsch, es zu erreichen, und das Streben danach – solange dies ein echter Lebensprozess und nicht intellektuelle Spekulation ist – der eigentliche Gegenstand der Mystik. Ich glaube, dass dies Streben die wahre Entwicklungslinie der höchsten Form des menschlichen Bewusstseins darstellt.

Evelyn Underhill (1875 – 1941) in: Mystik. Eine Studie über Natur und Entwicklung des religiösen Bewusstseins im Menschen, München 1928, S. XIV

Arzneien für die Seele

Bô Yin Râ, Weltwanderung, 1926, Öl auf Leinwand

… Das Ziel ist Erkenntnis, aus einer Art seelischer Läuterung des Betrachters aufblühend. Ich möchte damit sagen, daß die Bilder recht eigentlich Arzneien für die Seele sind, dank denen sie sich von den intellektuellen und materiellen Blendungen, kurzum: den Folgen des Falls aus der Lichtheimat und Gotteskindschaft in das physische Gefüge und Elend, freimachen kann. Dessen bitte ich also eingedenk zu sein und demgemäß zu versuchen, ob man den Sinn des in den geistlichen Bildern gegebenen Symbolvorrates durchdringe und der Seele gleichsam als Nahrung nutzbar mache. Deswegen ja sind diese Darstellungen eine visuelle Ergänzung der von Bô Yin Râ dargereichten Lehrtexte. …

Rolf Schott: Symbolform und Wirklichkeit in den Bildern des Malers Bô Yin Râ

Der vollständige Text kann hier gelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER

CII. Jahrgang, HERBST 2021, Heft 8, August 2021

Thema: MUSIK

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Das Ich im Selbst auflösen

Jung, Ignatius und Ramana | Bilder: Archiv

Das Ziel östlicher Praktik ist dasselbe wie das der westlichen Mystik: der Schwerpunkt wird vom Ich zum Selbst, vom Menschen zu Gott verschoben; was bedeuten will, dass das Ich im Selbst, der Mensch in Gott verschwindet. Es ist evident, dass Shri Ramana entweder wirklich vom Selbst weitgehend aufgesogen ist, oder doch wenigstens ernstlich und lebenslang danach strebt, sein Ich im Selbst aufzulösen. Ein ähnliches Streben verraten auch die Exercitia Spiritualia (Exerzitien des Ignatius von Loyola. wak) indem sie den „Eigenbesitz“, das Ichsein in möglichst hohem Maße der Besitznahme durch Christum unterordnen.

C.G. Jung (1875 – 1961) Über den indischen Heiligen. Einführung zu Heinrich Zimmer: Der Weg zum Selbst. Lehre und Leben des indischen Heiligen Shri Ramana Maharshi aus Tiruvannamalai, Zürich 1944

In Kontakt mit Gott sein

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Das Auge, mit dem ich Gott sehe, ist dasselbe, mit dem Gott mich sieht. Mein Auge und Gottes Auge sind ein und dasselbe im Sehen, ein und dasselbe im Wissen, ein und dasselbe im Lieben.
Meister Eckhart (1260 – 1328)

Dieses „Auge“ ist eine Metapher für inneres Gewahrsein, es steht für das Bewusstsein selbst, besonders in seiner kontemplativen Form der Innerlichkeit. Es repräsentiert die Fähigkeit zur klaren Wahrnehmung. Mein Selbstgewahrsein als Wesen, das sich seiner selbst bewusst ist, ist das Vehikel, mittels dessen das Göttliche mit mir kommunizieren kann.
Umgekehrt kann ich das Göttliche wahrnehmen, kann mit ihm innigst verbunden sein durch eben dieses Selbstgewahrsein. Extrovertiertes und introvertiertes Bewusstsein treffen im Akt mystischer Kontemplation, in welchem die Person in Kontakt mit Gott ist, zusammen. Sowohl der innere als auch der äußere Weg haben das höchste Mysterium zum „Ziel“, aber wir können uns dem Göttlichen nur durch dieses subtile kontemplative Gewahrsein nähern.

Wayne Teasdale (1945 – 2004) in: Das mystische Herz. Spirituelle Brücken bauen. 2004, o.O., S. 148-149

Der Mensch bleibt derselbe mit Gleichmut und Gelassenheit

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Der Mensch bleibt in allem derselbe mit Gleichmut und Gelassenheit. Es ist entscheidend, diese Vision des Einen zu verstehen. Sie ist der Schlüssel zu allem. Dieses eine Selbst zu erfahren, das in der ganzen Schöpfung und in jedem Menschenwesen manifestiert ist, ist das Ziel des Lebens. Wenn wir es erlangen, dann erfahren wir uns selbst in Gott und Gott in uns.

BHAGAVAD GITA. Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths. Aus dem Sanskrit übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück. München 1993, S. 148