Unseren leidenden Planeten heilen

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Ich spüre ganz stark, dass es die Gnade und die Macht Gottes braucht, um unseren leidenden Planeten zu heilen und zu transformieren. Zu viel ist schon zerstört, zu viel Dunkelheit ist schon gegenwärtig, als dass die Menschheit allein dieses von uns geschaffene Ödland erlösen, das Licht, das wir verloren haben, zurückgewinnen könnte. Nur durch die Liebe und die Gegenwart unseres Geliebten kann unsere Welt geheilt werden.

Llewellyn Vaughan-Lee (*1953)

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White Zone

Installation von Daniel Pesta in der Ausstellung Bilder.Macht.Religion  Video © wak

Mehr hier:

http://www.kunstmuseumbochum.de/ausstellung-veranstaltung/details/bild-macht-religion-kunst-zwischen-verehrung-verbot-und-vernichtung/

William James: Mystik und Alkohol

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Der nächste Schritt in mystische Zustände führt uns in einen Bereich, den öffentliche Meinung und philosophische Ethik immer schon als pathologisch gebrandmarkt haben, während ihn die private Praxis und bestimmte lyrische Kreise anscheinend immer noch idealisieren. Ich meine den Bewusstseinszustand, der durch Gifte und Anästhetika, besonders Alkohol erzeugt wird. Die Macht des Alkohols über die Menschheit beruht ohne Frage in seinem Vermögen, die mystischen Fähigkeiten der menschlichen Natur zu stimulieren, die in den nüchternen Stunden von den kalten Fakten und der trockenen Kritik niedergehalten werden. Nüchternheit verkleinert, unterscheidet und sagt Nein; Trunkenheit erweitert, verbindet und sagt Ja. Sie ist in der Tat der große Ja-Erreger im Menschen. Sie bringt ihren Jünger von der kalten Peripherie der Dinge zum strahlenden Herzen. Für den Moment vereint sie ihn mit der Wahrheit. Die Menschen laufen ihr nicht aus bloßer Perversität nach. Für den Armen und Ungebildeten nimmt sie den Platz ein, den für uns Symphoniekonzerte und Bücher einnehmen; und es gehört zu den unergründlichen Geheimnissen und der Tragik des Lebens, dass vielen von uns nur der Hauch und der Schimmer dessen gewährt wird, was wir in den flüchtigen Anfängen zunächst als etwas Großartiges wahrnehmen, was als Ganzes jedoch eine erniedrigende Vergiftung ist. Das trunkene Bewusstsein ist ein Stück des mystischen Bewusstseins, und unser Gesamturteil über dieses Teilstück muss in unser Urteil über das größere Ganze eingebettet sein.

William James (1842 – 1910) in: Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Eine Studie über die menschliche Natur. Frankfurt am Main/Leipzig 1997, S. 389-390

 

Mit diesem Beitrag ist auf „Mystik aktuell“ nun eine neue Rubrik „Alkohol und Spiritualität“ zu finden. Die alte Webseite alkoholundspirit.wordpress.com wird nicht mehr fortgeführt.

 

Ewig Gott in Gott

Heinrich Seuse | Bild gemeinfrei

Alle Geschöpfe haben ewig im göttlichen Sein als in ihrem Urbild existiert. In ihrer Übereinstimmung mit dem göttlichen Urbild waren alle Wesen vor ihrer Schöpfung eins mit dem Sein Gottes. Alle Geschöpfe sind ewig Gott in Gott. Sofern sie in Gott sind, sind sie das gleiche Leben, das gleiche Sein, die gleiche Macht, das gleiche Eine, und nicht weniger als das.

Heinrich Seuse (1295 oder 1297 – 1366)

Unsere Welt heilen

Foto: © wak

Ich spüre ganz stark, dass es die Gnade und die Macht Gottes braucht, um unseren leidenden Planeten zu heilen und zu transformieren. Zu viel ist schon zerstört, zu viel Dunkelheit ist schon gegenwärtig, als dass die Menschheit allein dieses von uns geschaffene Ödland erlösen, das Licht, das wir verloren haben, zurückgewinnen könnte. Nur durch die Liebe und die Gegenwart unseres Geliebten kann unsere Welt geheilt werden.

Llewellyn Vaughan-Lee (*1953)

Den ganzen Text gibt es hier: https://goldensufi.org/g_a_verfinsterung_vier-punkte-plan.html

Wenn es auch Nacht ist…

Johannes vom Kreuz  / Bildquelle: wikimedia – gemeinfrei

Wohl kenne ich den Quell, der rinnt und fließet,
wenn es auch Nacht ist.

Verborgen ist dem Blick die ewge Quelle,
doch weiß ich wohl zu finden ihre Stelle,
wenn es auch Nacht ist.

Ich weiß, nicht Ursprung hat sie je genommen,
doch aller Ursprung ist aus ihr gekommen,
wenn es auch Nacht ist.

Ich weiß, dass keine Schönheit ihrer gleiche,
sie tränkt die Erde und die Himmelreiche,
wenn es auch Nacht ist.

Ins Bodenlose, weiß ich, würde gleiten,
wer sie beträte, um sie zu durchschreiten,
wenn es auch Nacht ist.

Niemals hat ihre Klarheit sich verdunkelt,
und alles Licht weiß ich aus ihr entfunkelt,
wenn es auch Nacht ist.

Gewaltig weiß ich ihre Ströme eilen
durch Höllen, Himmel und wo Menschen weilen,
wenn es auch Nacht ist.

Den Wassern, die aus dieser Quelle steigen,
wohl weiß ich ihnen alle Macht zu eigen,
wenn es auch Nacht ist.

Den Strom, zu dem zwei Ströme sich verbinden,
weiß ich mit beiden nur zugleich zu finden,
wenn es auch Nacht ist.

Verborgen rinnt der Quell, auf dass wir leben,
in dem lebend’gen Brot, das uns gegeben,
wenn es auch Nacht ist.

Hier ruft er die Geschöpfe, dass sie kommen,
zu stillen sich, von Dunkelheit umschwommen,
weil’s in der Nacht ist.

Ersehnter Quell, dich such‘ ich nicht vergebens,
ich schaue dich in diesem Brot des Lebens,
auch wenn es Nacht ist.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)