Das Leiden der Mystiker

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Mystik ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit des Lebens. Mystische Lebenswahrnehmung, mystische Schau ist dann auch die unerbittliche Wahrnehmung der Zersplitterung des Lebens. Leiden an der Zersplitterung und sie unerträglich finden, das gehört zur Mystik. Gott zersplittert zu finden in arm und reich, in oben und unten, in krank und gesund, in schwach und mächtig, das ist das Leiden der Mystiker.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

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Fruchtbarkeit mystischer Erfahrung

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Zen ist das eigentlich Religiöse in jeder Religion. Es ist das Grundwasser für die Fruchtbarkeit jeglicher mystischer Erfahrung und damit auch eine wundervolle Bestätigung der Wahrheit christlich-jüdischer Tradition mit ihrem Menschenbild als Bild und Gleichnis Gottes und somit als Unendlichkeitswesen.
Es ist geradezu ein Zeugnis dieser Wahrheit: Die unendliche Wirklichkeit, die in größter Wortscheu in jüdisch-christlicher Tradition Gott genannt wird, ist in der menschlichen Natur angelegt.
Besser gesagt: Die menschliche Natur ist auf Gott hin angelegt.

P. Johannes Kopp (1927 – 2016) in: Gebet als Selbstgespräch. Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir. 2. Auflage Dezember 2014., S. 18/19

Mehr hier: https://zen-kontemplation.de/

Der Glaube hat kein Objekt

Raimon Panikkar

Die Mystiker, auch die christlichen Mystiker, verfeinern das Gottesbild so sehr, dass Gott im Dunkeln bleibt und das Mysterium so nahe kommt, dass sie sich sogar weigern zu sagen, dass sie von Gott sprechen dürfen. Einer der Kirchenväter sagt, dass wenn jemand behauptet, dass er Gott gesehen hat, er weder die mystische Erfahrung gehabt, noch Gott gesehen hat. Das richtet sich gegen die Objektivierbarkeit beziehungsweise Denkbarkeit. Das Denken hat ein Objekt, das Denken denkt Objekte. Der Glaube hat kein Objekt. Hätte der Glaube ein Objekt, so wäre es gerade das, was sämtliche monotheistischen Traditionen als die Hauptsünde bezeichnen, nämlich Idolatrie. Man macht sich aus Gott ein Idol beziehungsweise einen Begriff.

Raimon Panikkar (1918 – 2010) in: Das Abenteuer Wirklichkeit. München 2000, S. 25-26

Mehr zu Panikkar hier: http://raimon-panikkar.org/english/home.html

Das Weltall leibhaftig finden

Gustav Landauer

Der Weg, den wir gehen müssen, um zur Gemeinschaft mit der Welt zu kommen, führt nicht nach außen, sondern nach innen. Es muss uns endlich wieder einfallen, dass wir ja nicht bloß Stücke der Welt wahrnehmen, sondern dass wir selbst ein Stück Welt sind. Wer die Blume ganz erfassen könnte, hätte die Welt erfasst. Nun denn: kehren wir ganz in uns selbst zurück, dann haben wir das Weltall leibhaftig gefunden.

Gustav Landauer ( 1870 – 1919) in „Skepsis und Mystik“

„Stein des guten Glücks“ – Goethe und das Morgenland

Foto: © wak (Abgedruckt wurde das Foto jetzt in der Publikation über den italienischen Künstler Piero Manzoni. Piero Manzoni. Nuovi studi. Carlo Cambo Editore, Milano, S. 49)

Zuerst veröffentlicht hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/01/14/goethe-und-das-morgenland/

Der „Stein des guten Glücks“ steht in Goethes Gartenhaus im Weimarer Ilmpark, wo Goethe ihn im April 1777 hat errichten lassen.

Der unten stehende Würfel soll das Statische, das Gefestigte, das Unveränderliche, das Ruhende darstellen.
Die Kugel darüber soll für das Dynamische stehen, das Bewegliche, das Wandelbare, das Schicksalhafte.

Der „Stein des guten Glücks“ gilt übrigens als eines der ersten nichtfigürlichen Denkmäler in
Deutschland.

Irgendwie ist er ein sichtbares Symbol für die derzeitige Goethe-und-Islam-Debatte, in der ihm die einen Islamophobie, die anderen Islamophilie vorhalten. Wo sie den frühen gegen den späten Goethe ausspielen.

Vielleicht reichte aber schon ein Blick in den „West-östlichen Diwan“?

Mehr hier:

http://www.gutenberg.org/ebooks/2319

 

 

Erfahrung aller Dinge

Albert Einstein (1879 – 1955)