Das Fünkchen des Mystikers zum Aufleuchten bringen

Foto: (c) wak

Wenn man das Gebet kennenlernen will …, so könnte man sagen: Während der Mystiker voraussetzt, dass er in seiner Seele irgendein kleines Fünkchen finden werde, das dann weiter leuchten und weiter brennen kann durch seine mystische Versenkung, so will der Betende gerade jenes Fünkchen, jenes selbsteigene Seelenleben erst erzeugen. Und das Gebet, aus welchen Voraussetzungen heraus es auch auftrete, erweist sich dadurch gerade in seiner Wirksamkeit, dass es die Seele anregt, jenes Fünkchen des Mystikers allmählich entweder aufzufinden, wenn es da ist und, verborgen zwar, in der Seele leuchtet, oder aber es selbst zum Aufleuchten zu bringen.

Rudolf Steiner (1861 – 1925) in: Das Wesen des Gebetes. Vortrag in Berlin, 17. Februar 1910

Geteilte Welten in Christus transzendieren

Foto: (c) wak

Wenn ich in mir das Denken und die Frömmigkeit der östlichen und westlichen Christenheit, der griechischen und lateinischen Väter, der Russen mit den spanischen Mystikern vereinige, kann ich in mir die Wiedervereinigung der getrennten Christen vorbereiten. Von dieser geheimen und unausgesprochenen Einheit in mir selbst kann schließlich eine sichtbare und manifeste Einheit aller Christen entstehen.  Wenn wir zusammenbringen wollen was geteilt ist, können wir dies nicht tun, indem wir eine Spaltung über die andere stülpen oder die eine Spaltung in die anderen. Wenn wir das aber tun, ist die Vereinigung nicht christlich. Sie ist politisch, und zu weiteren Konflikten verdammt. Wir müssen alle geteilten Welten in uns enthalten und sie in Christus transzendieren.

Thomas Merton (1915 – 1968) in „Conjectures of a Guilty Bystander“

Die Reise geht weiter

Foto: (c) wak

Die Reise geht weiter, die Reise geht immer weiter. Und seit Anbeginn gab es Seelen, Männer und Frauen von jeder Herkunft, die von der Liebe angezogen auf diese Reise zurück zur Liebe gegangen sind, gerufen, das essenzielle Einssein von Liebenden und dem Geliebten, die Vereinigung mit der göttlichen Liebe wiederzuentdecken. Man nannte sie je nach Zeit und Gegend sehr unterschiedlich: sie sind Dienerinnen Gottes, Gottliebende, Mystikerinnen, Narren der göttlichen Liebe.

Aber das sind nur Worte für ein Geheimnis, welches zuerst tief im Herzen stattfindet und sich dann bis in jede Zelle des Körpers ausbreitet, in unsere Gedanken und Gefühle, in unsere Träume und die Weise, wie wir unsere Füße auf der Erde aufsetzen.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in: Rückkehr zur Liebe: ein paar einfache Worte für Mystiker*innen und Liebende (goldensufi.org)

Seelisches Wachstum aufzeigen

Da der Mythos der Persönlichkeit alles göttliche, das in uns ist, in sich begreift, da das innere Geschehen bei der Menschwerdung, von dem die Kunst Schatten ist, sich nach Gesetzen vollzieht, die ins Kosmische gewandt, die großen Mystiker zu finde, zu erforschen und zu lehren bestrebt waren, ist es nicht verfehlt, eine künstlerische Vereinigung nach einem dieser Mystiker, dem heimischen zudem, zu benennen, die nicht Marktware schaffen, die nur seelisches Wachstum aufzeigen will.

Der Mythos der Persönlichkeit – Zur Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes. Artikel in Neuer Görlitzer Anzeiger vom 5. 6. 1921, von H.R. Zimmermann, Berlin (z.Zt. Görlitz)

Der vollständige Beitrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Die erste Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes

Heft 5,  Mai 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

… selbst ein Mystiker sein

Kirchenfenster von Josef Albers | Foto: (c) wak

Sie verlangen zu wissen, was man eigentlich durch die Mystik verstehe. Ich antworte: Das kann keiner recht sagen, oder er muss selbst ein Mystiker sein, und keiner gebührend verstehen, wo er nicht selbst auf dem Wege ist, ein solcher zu werden.

Gerhard Tersteegen (1697 – 1769)

Joseph Beuys: In das Herz der Gesellschaft eindringen

 

„Der erweiterte Kunstbegriff ist fähig, in das Herz der Gesellschaft einzudringen.“ Über Marx, Freud und das eigentliche menschliche „Kapital“. Den materiellen und seelischen Bedarf des Menschen. Die Zukunft des Menschen aus Sicht des erweiterten Kunstbegriffs. Ausschnitt aus dem Vortrag „Aktive Neutralität – Die Überwindung von Kapitalismus und Kommunismus“ vom 20. Januar 1985 in Rorschach/Schweiz. Der ganze Vortrag mit anschliessender Diskussion (Länge insgesamt: 90 Min.) ist auf DVD beim FIU-Verlag in Wangen/Allg. erhältlich. Link: http://www.fiu-verlag.com

 

Seit langem gibt es den Link auf dieses Video unter der Rubrik „Erweiterter Mystikbegriff“ auf meiner Seite. Ich habe dazu geschrieben:

In diesem Blog kommt es schon mal vor, dass gefragt wird: „Ist … ein Mystiker, eine Mystikerin?“ Letztlich könnte ich da wohl nicht immer „Ja“ sagen. Es ist dann wohl doch ein „erweiterter Mystikbegriff“, der mich bei der Auswahl der Texte leitet.

Aber: sie sollen jeweils fähig sein „in das Herz der Gesellschaft einzudringen,“ in das Herz der Menschen.

Werner Anahata Krebber

Das Diesseits besiegen ohne ins Jenseits zu flüchten

Foto: © wak

Wenn wir aufgehört haben, unser inneres Leben auf Gott zu beziehen, dann können wir uns zu ebenso wirksamen Ekstasen erheben wie die Mystiker und wie diese das Diesseits besiegen, aber ohne in das Jenseits zu flüchten. Sollte uns dennoch die Obsession einer anderen Welt verfolgen, dann würden wir uns eine konstruieren dürfen, uns eine Gelegenheitswelt entwerfen, und sei es nur, um unser Bedürfnis nach dem Unsichtbaren zu befriedigen. Was zählt, sind einzig unsere Erlebnisse, ihre Intensität und ihre Kräfte, die uns zum Beispiel instandsetzen, uns in eine nichtsakrale Tollheit zu stürzen.

Emil M. Cioran (1911 – 1995) in: Dasein als Versuchung. Stuttgart 1983, S. 181

Jakob Böhme hat die Welt der Sefiroth noch einmal entdeckt

Foto: Archiv

 

In der Tat ist die Lehre Boehmes vom Ursprung des Bösen, die so viel Aufsehen gemacht hat, ganz kabbalistisch gedacht. Auch er kennt das Böse als ein dunkles und negatives Prinzip des Zornes in Gott, das im theosophischen Organismus des göttlichen Lebens freilich ewig ins Licht verklärt wird. Darüber hinaus kann nun überhaupt gesagt werden, daß unter allen christlichen Mystikern Jakob Boehme derjenige ist, dessen Denken gerade in seinen originellsten Antrieben die engste Affinität zur Kabbala aufweist, wobei man natürlich von den christlichen und alchemistischen Bildern absehen muß, in denen er seine Intuition mindestens teilweise auszudrücken suchte. Er hat die Welt der Sefiroth, wenn man so sagen darf, von sich aus noch einmal entdeckt.

Stark gekürztes Zitat aus: Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt/M. 1980

Das vollständige Zitat ist in längerer Form hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Das Himmelreich ist in euch selbst

Foto: © wak

Daß Zeit gleich Ewigkeit und Ewigkeit gleich Zeit, wohlverstanden: Zeit in der Bedeutung von Gegenwart, zu setzen ist, was als ein Widerspruch erscheint und doch tiefste Weisheit enthält, wissen wir seit den Tagen der großen Mystiker. Dieses Wissen ist das Geheimnis unseres Lebens, und nur der, dem es ganz sich entschleiert hat, wird sein Dasein sinnvoll leben, wird zu den Tiefen seiner Wesenheit zurückfinden können und in jenen Zustand leidensferner, Ich-gelöster Seligkeit schon bei Lebzeiten gelangen, von dem einmal Christus sprach, als er lehrte: Das Himmelreich ist in euch selbst.

„Der Dichter und seine Zeit“ von Hermann Stehr im Jahr 1929. Erschienen in: Vom Geheimnis des Jenseits im Diesseits, Brentano Verlag, Stuttgart, 1960

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 9 |  Oktober 2020

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Rumi: Offenes Geheimnis – Hörstück von Ronald Steckel

Rumi – Bild: Archiv

Rumi: Offenes Geheimnis – Hörstück von Ronald Steckel

Der von 1207 bis 1273 lebende persische Gelehrte, Dichter und sufische Mystiker Dschelal-ed-Din Rumi gilt als eine der größten poetischen Stimmen des Orients und wird in allen arabisch-sprechenden Ländern mit ähnlicher Bewunderung verehrt wie Dante oder Homer im Abendland. In Anrufungen, Aufforderungen, Unterhaltungen und Selbstbefragungen erzählen die Verse von den unzähligen Erscheinungsformen der Liebe, die Gott, Mensch und Welt verbinden.

Mit Max Hopp, Naomi Krauss, Rolf Zacher u.v.a.

Aus der ReiheDas innere Licht – Texte zur Mystik“

https://www.rbb-online.de/rbbkultur/podcasts/das-innere-licht-podcast.html

Hier ist der Text des Hörspiels zu hören:

 

Hier kann er nachgelesen werden:

Klicke, um auf Offenes%20Geheimnis%20Partitur.pdf zuzugreifen