Der Verlust ist der Gewinn

Wo man
durch „nichts“
mehr belohnt wird,
durch nichts Angebbares,
weder außen noch innen,
da ist als dieses „nichts“
in Wirklichkeit Gott gegenwärtig.
Und der endliche Verlust
ist der unendliche Gewinn,
dessen Schätzung eingeübt wird
durch diesen Verlust.
Man „zahlt drauf“
im Leben mit sich selbst.
Und nur um diesen Preis
ist Gott erhältlich.

Karl Rahner SJ (1904 – 1984)

Unendlicher Spirit

Sei frei in dir selbst und somit frei in deinem Mental, deinem Leben und deinem Körper. Denn der Spirit ist Freiheit.

Sei eins mit Gott und allen Wesen. Lebe in dir selbst und nicht in deinem kleinen Ego. Denn der Spirit ist Einheit.

Sei du selbst und unsterblich. schenke dem Tod nicht deinen Glauben. Der Tod erwartet nicht dich, sondern nur deinen Körper. Denn der Spirit ist Unsterblichkeit.

Unsterblich sein heißt, unendlich zu sein im Sein, im Bewusstsein und in der Seligkeit. Denn der Spirit ist unendlich und alles Endliche existiert nur durch seine Unendlichkeit.

Sri Aurobindo (1872 – 1950)

Spiegel unendlicher Schönheit

Die Welt ist ein Spiegel unendlicher Schönheit, aber kein Mensch sieht es. Sie ist ein erhabener Tempel, aber kein Mensch achtet darauf. Sie wäre ein Reich von Licht und Frieden, wenn die Menschen sie nicht in Unruhe stürzten. Sie ist das Paradies Gottes. Sie ist für den Menschen mehr, seitdem er gefallen ist, als sie vorher war. Sie ist die Stätte der Engel und das Tor des Himmels.

Thomas Traherne (1636 – 1674)

Alle Phänomene haben leicht Platz

Im unendlichen Mandala des Raumes
haben alle Phänomene leicht Platz,
sie haben Platz
und da ist immer noch Weite.

Im leeren Mandala der Geistessenz
finden Erscheinungen und Dasein,
Götter und Dämonen leicht Platz.
Sie alle finden Platz
und doch bleibt immer noch Weite.

Padmasambhava (8./9. Jahrhundert u.Z.)

Den Herzschlag des Weltalls vernehmen

Mystik ist für mich, aufmerksam sein, nicht für die weit entfernten Warums, sondern für die lebendigen Wurzeln von Dingen und Menschen ganz in der Nähe. Den Rhythmus erleben, in dem ich und die anderen und die Welt schwindelerregend zusammenfallen und dann wieder einzeln sind. Immer mehr Türen, die sich auftun und gleichzeitig immer deutlicher alleine sein im eigenen Haus. Wesensverwandschaft und unendliche Entfremdung. Neue Augen, um das Leben in anderen Zusammenhängen zu sehen, Ohren, um den Herzschlag des Weltalls zu vernehmen.

Bruno-Paul de Roeck   (1930-2012)