Verborgene Perle in der Muschel meines Herzens

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Ich suchte und konnte Dich nicht finden;
ich rief vom Minarett laut nach Dir;
ich läutete beim Steigen und Sinken
der Sonne die Tempelglocke;
ich tauchte vergeblich in des Ganges heiligen Strom;
ich kam enttäuscht von der Kaaba zurück;
ich sah mich auf Erden nach Dir um;
ich suchte nach Dir im Himmel,
mein Geliebter, doch endlich habe ich Dich gefunden –
als verborgene Perle in der Muschel meines Herzens.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Im Rauschen der Stille sprach Gott – Impuls zum Doing Nothing Sommer-Retreat Juli 2020

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Und siehe, der Herr ging vorüber, und es kam ein gewaltiger Sturm,
der die Berge stürzte und die Felsen zerbrach.

Aber Gott sprach nicht im Wind.

Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben,
und es wütete im ganzen Land.

Aber Gott sprach nicht im Erdbeben.

Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer,
das alles von Menschen Geschaffene verbrannte.

Aber Gott sprach nicht im Feuer.

Und nach dem Feuer kam Stille.
Und im Rauschen der Stille, da sprach Gott.

 

Martin Buber: Erstes Buch Könige 1,19

 

 

Doing Nothing.

Dazu mehr hier von Rani Kaluza selbst: doingnothing.de

 Retreat.

Das englische Wort für Rückzug, bezeichnet heute eine geplante spirituelle Ruhepause oder den Rückzug von der gewohnten Umgebung. Ein ganz wesentliches Merkmal: Entschleunigung.

In Zundert.

Dort, wo Vincenz van Gogh geboren wurde und seine Kindheit im Pfarrhaus verbracht hat. Viele Jahre nachdem er hier weg war, schrieb er noch an seine Mutter: „dass ich jahrelang immer noch mehr oder weniger wie ein Bauer aus Zundert:, Toon oder Piet aussehe…“

In einer Trappistenabtei: Maria Toevlucht

Mir geht es so, dass ich beim Namen dieses Ordens an den Trappisten Thomas Merton denke, jenen Mittler zwischen Christentum und Buddhismus. Und Merton hatte 1965 und 1966  – zwei Jahre vor seinem Tod – Briefkontakt zu einem ehemaligen Abt dieser Abtei Maria Toevlucht, Emmanuel Schuurmans. Es ging unter anderem um eremitisches Leben (http://merton.org/Research/Correspondence/y1.aspx?id=1801&fbclid=IwAR3qVTDZ-irReVPZhRUUjR2cScbntBnJLXe3sMSSoryNNVfId1zDiLXgLE0).

Die Trappisten gelten neben den Kartäusern als der strengste Orden in der katholischen Kirche und leben nach der Regel des heiligen Benedikt (ca. 480-547). Nach einer Zwischenphase der Zisterzienser gab es um 1600 Bestrebungen, zu den ursprünglichen Idealen zurückzukehren. Daraus entstand die so genannte „Observanz“-Bewegung mit einer strengeren Ordensregel in der Abtei La Trappe in der Normandie, westlich von Paris. Aus diesem Namen leitet sich Begriff „Trappisten“ ab. Schwerpunkte des Ordenslebens sind Gebet und Stillschweigen, Askese (z. B. vegetarisches Leben) und handwerkliche Tätigkeiten, hier z.B. das Brauen von Bier.

 

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Doch zurück zum Retreat, zum Innehalten, zur Entschleunigung.

Corona hat mit sich gebracht, dass wir quasi zwangsentschleunigt wurden. Viele Aktivitäten, Aktionen, Events, Feiern, Termine, wurden abgesagt, konnten gar nicht stattfinden oder nur in sehr reduzierter Form.

Hier sind wir jetzt ganz frei-willig, um uns selbstbestimmt zu entschleunigen, inne zu halten.

Pico Iyer, ein indischer Reiseschriftsteller und Essayist, hat in einem kleinen aber feinen Buch mit dem Titel „Die Kunst des Innehaltens“ ein „Plädoyer für die Entschleunigung“ formuliert, die er als „Reise nach Nirgendwo“ bezeichnet.

„Nur indem ich mich aus der Wirrniss und Zerstreuung herausziehe, kann ich etwas hören, was außerhalb meiner Hörweite ist, und mir ins Gedächtnis rufen, dass Lauschen weitaus erfrischender ist als all die Gedanken und Vorurteile zu äußern, die mir ohnehin vierundzwanzig Stunden am Tag Gesellschaft leisten. Und nur, indem ich nirgendwohin gehe – indem ich stillsitze oder meinen Geist entspanne -, entdecke ich, dass die Gedanken, die ungebeten zu mir kommen, weitaus frischer und pahntasiervoller sind als jene, die ich bewusst hervorbringe.“

Retreat, Rückzug, Innehalten, Einkehren.

Als ein Synonym für Retreat findet sich das Wort „Einkehrtag“. – Ich finde es sehr passend, auch wenn es wie aus einer fernen Welt klingt.

Hinter uns liegen – wie es im Ersten Buch Könige heißt – Stürme, Erdbeben und Feuer in ganz verschiedenen Ausdrucksformen.

Und dann, jetzt, die Stille.

Und die Einladung, sich nach innen zu kehren.

Hier nur der Hinweis auf zwei kurze Texte:

Geh nicht nach außen,
in dich selbst kehre zurück,
denn im inneren Menschen wohnt die Wahrheit.
Und wenn du deine Natur als wandelbar empfindest,
übersteige dich selbst.

Augustinus (354 – 430)

 

Wenn ich ganz still bin
kann ich von meinem bett aus
das meer rauschen hören
es genügt aber nicht ganz still zu sein
ich muss auch meine gedanken vom land abziehen …

… während ich falle
und mir entsinke
höre ich auf
das meer zu suchen
weil das meer nun
von der küste heraufgekommen
und in mein zimmer getreten
um mich ist

Wenn ich ganz still bin

Dorothee Steffensky-Sölle (1929 – 2003)

 

Kehren wir uns also erst einmal nach innen – um danach gestärkt zurückkehren zu können in die Welt, zu Stürmen, Erdbeben und Feuern…

 

Impuls von Werner A. Krebber zu Beginn des Doing Nothing Sommer-Retreat „Feuer des Lichts“ von Rani Kaluza  vom 21. – 26. Juli 2020 in der Abtei Maria Toevlucht, Zundert /NL

Lass alles hinter dir zurück

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Mein Freund, wenn du dich
mit der mystischen Schau beschäftigst,
dann lass alles hinter dir zurück,
alles, was wahrgenommen und gedacht wird,
alles, was ist und was nicht ist,
und brich auf, um eins zu werden mit dem,
was mehr ist als alles Sein und Erkennen.

Dionysios Areopagita (5. Jahrhundert)

Im inneren Menschen wohnt die Wahrheit

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Geh nicht nach außen,
in dich selbst kehre zurück,
denn im inneren Menschen wohnt die Wahrheit.
Und wenn du deine Natur als wandelbar empfindest,
übersteige dich selbst.

Augustinus (354 – 430)

Die Welt poetisieren…

 

 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die ewgen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Novalis (Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg) 1800

 

Es kribbelt und wibbelt weiter…

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Die Flut steigt bis an den Arrarat,
Und es hilft keine Rettungsleiter,
Da bringt die Taube Zweig und Blatt –
Und es kribbelt und wibbelt weiter.

Es sicheln und mähen von Ost nach West
Die apokalyptischen Reiter,
Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest,
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Ein Gott wird gekreuzigt auf Golgatha,
Es brennen Millionen Scheiter,
Märtyrer hier und Hexen da,
Doch es kribbelt und wibbelt weiter.

So banne dein Ich in dich zurück
Und ergib dich und sei heiter,
Was liegt an dir und deinem Glück?
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Das Radzeichen des Bruder Klaus

Das Rad-Symbol von Bruder Klaus / Foto: © wak

Aus dem innersten Geheimnis geht Gott aus, als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er umfasst und durchdringt die ganze Schöpfung und kehrt wieder zurück in die unteilbare Einheit. Der Dreifaltige Gott wird zum Drei-einen Gott. Das ist ein ausdrucksstarkes Zeichen für Frieden.

In der heutigen Zeit kann man das Rad-Symbol auch so deuten: Die drei Strahlen, die vom äußeren Rand zum Zentrum zeigen, verweisen auf die drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Sie alle führen zu dem einen Gott.

So kann die Wachenheimer Feldkapelle als Friedenskapelle dem interreligiösen Dialog dienen. Sie möge den Menschen ein Ort der Ruhe und des Gebetes sein.

Erläuterung zum Rad-Symbol in der Feldkapelle

Weil Du in mir die Mitte bist

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Ich finde Dich, wo ich, o Höchster, hin mich wende,
am Anfang find ich Dich und finde Dich am Ende.

Dem Anfang geb ich nach, in Dir verliert er sich,
dem Abschluss späh ich nach, aus Dir gebiert er sich.

Du bist der Anfang, der sich aus sich selbst vollendet,
das Ende, das zurück sich in den Anfang wendet.

Und in der Mitte bist Du selber das, was ist:
Und ich bin ich, weil Du in mir die Mitte bist.

Friedrich Rückert (1788- 1866)

In die Seligkeit zurückkehren

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Wer könnte denn leben oder atmen, gäbe es nicht diese Seins-Seligkeit als den Äther, in dem wir wohnen? Aus der Seligkeit sind alle diese Wesen geboren, durch Seligkeit existieren und wachsen sie, in die Seligkeit kehren sie zurück.

Taittiriya Upanishad, II.7., III.6.