Die Leere hält das Rad

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Jeder ist im Kern seines Wesens, seines Selbst, Leere, analog zu der Nabe eines Rades. Ein Rad besteht aus Speichen, die aufgrund eine Nabe miteinander verbunden sind. Diese Leere hält das Rad.
Auf genau die gleiche Weise hat unser Lebensrad eine Leere, ein Nicht-Sein zum Zentrum; diese Leere nennen wir gewöhnlich unser Selbst. Wenn wir dies erkannt haben, wird uns die Absurdität dessen, was wir bisher geglaubt, erkannt und getan haben, bewusst – und wir fangen zu lachen an.

Hans-Peter Hempel: Im Hier und Jetzt. Unterweisungen im Zen-Yoga. Leipzig 2002, S. 156

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In die Weite und Stille des Nichts versinken

Meister Eckhart – Tür in Erfurt / Foto: (c) wak

Hier versinkt der Mensch, der ganz abgeschieden geworden ist und der in diesem Sinne nichts geworden ist, nichts denken, nichts wollen, nichts haben, der reine Stille und Leere und Offenheit ist: er versinkt in die Weite und Stille des Nichts, das von keinem Etwas mehr getrübt ist.

Bernhard Welte (1906 – 1983) in: Meister Eckhart. Gedanken zu seinen Gedanken, Freiburg-Basel-Wien, 1992, S. 87

Vollkommene Leere von Zeit und Raum

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An diesem Morgen war die Beschaffenheit der Meditation das Nichts, die vollkommene Leere von Zeit und Raum. Das ist eine Tatsache und nicht eine Idee oder das Paradox unvereinbarer Spekulationen. Man findet diese eigenartige Leere, wenn die Wurzel aller Probleme schwindet. Diese Wurzel ist Denken, das Denken, das trennt und festhält.

Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986)

Verweilen im Gleichmut der Kontemplation

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Durch Beobachten des Erscheinens, Verweilens und Sich-Auflösens der Gedanken in die Leere erkennen wir die wahre, leere Natur des Denkens: Gedanken sind Bewegungen des Geistes, dem natürlichen Geist wesensgleich, so wie Wellen von der gleichen wässrigen Natur sind wie das Meer. Wenn im Zustand der Kontemplation Gedanken auftauchen, sind wir uns dessen bewusst, dass sie aus der Leere in Erscheinung treten und dass ihre Essenz der Leere wesensgleich ist. Wir lassen uns durch sie nicht stören, sondern lassen sie los und verweilen im Gleichmut der Kontemplation. Dadurch wird der natürliche Zustand der Leere klarer: Wir begegnen dem Einssein und der Gleichheit von Klarheit (rigpa) und Leere (kunzhi) direkt in unserer eigenen Erfahrung.

Tenzin Wangyal (*1961)

Weitersteigen und wissender werden

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Das lebendige Verweilen bei einem wirklichen Kunstwerk ist ein Eintreten in einen Tempel, ein Aufgerüttelt- und Erhobenwerden, in dem der Erlebende seiner eigenen Höhe nahegebracht wird, da eben das Kunstwerk aus der Höhe kommt. Dabei kann und wird es oft genug geschehen, daß der Lesende, der Hörende, der Sehende eines Tages entdeckt, daß er selbst weiterstieg und wissender wurde als ein Werk, welches ihn einstmals bedeutend aufwühlte, so daß er als geradezu leere Hülse weit hinter ihm liegt. Das Werk ist das Gleiche geblieben, aber er selber hat sich im Wandern gewandelt.

Hans Christoph Ade (1888 -1981). Die oben stehenden Zeilen entstammen seinem Beitrag „Miszelle“, die hier vollständig nachzulesen sind:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VIII
CII. JAHRGANG WINTER 2021/2022

Januar 2022: Sakralkunst

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Ein Lied für niemanden

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Eine gelbe Blume
(Licht und Geist)
singt von selbst
Für niemanden.

Ein goldener Geist
(Licht und Leere)
Singt ohne ein Wort
von selbst.

Niemand soll diese sanfte Sonne berühren
In deren dunklem Auge
Jemand wach ist.

(Kein Licht, kein Gold, kein Name, keine Farbe
Und kein Gedanke:
Oh, hellwach!)

Ein goldener Himmel
singt von selbst
Ein Lied für niemanden.

Thomas Merton (1915 – 1968)

Johann Bapstist Metz: Mystik als weg- und weiselose Nähe

Johann Baptist Metz (1928- 2019)

In: die antwort der religionen. eine umfrage mit 31 fragen von Gerhard Szczesny bei „glaubensfachleuten“ der großen bekenntnisgemeinschaften. München 1964 / Reinbek bei Hamburg 1971, S. 70 – 71