Die Wüste hat weder Zeit noch Ort

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Des Punktes Berg
besteig ohne Wirken,
Verständigkeit!
Der Weg trägt dich
in eine Wüste wunderlich,
die breit, die weit,
die ohne Maß da liegt.
Die Wüste hat
weder Zeit noch Ort,
ihre Weise, die ist einzigartg.

Aus dem „Senfkorn“-Lied (granum sinapsis), das Meister Eckhart zugeschrieben wird (1260 – 1328)

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Bedingungen eines einsamen Vogels

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Der einsame Vogel hat fünf Eigenschaften:
die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er  keine Gesellschaft erträgt, auch wenn sie von seiner Art ist;
die dritte, dass den Schnabel in den Wind hält;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Johannes vom Kreuz (1541-1591) in „Worte von Licht und Liebe“

Ein Punkt, der ganz Gott gehört

Im innersten Kern
unseres Lebens
gibt einen Punkt,
klein wie ein Nichts,
an den Sünde und Illusion
nicht zu rühren vermögen.
Es ist der
Punkt der lauteren Wahrheit,
ein Punkt oder Funke,
der ganz Gott gehört.
Nie können wir
über diesen Punkt verfügen,
sondern Gott verfügt
von diesem Punkt aus
über unser Leben

Thomas Merton (1915 – 1968)

Der Punkt der lauteren Wahrheit

mertontagung

Im innersten Kern
unseres Lebens
gibt einen Punkt,
klein wie ein Nichts,
an den Sünde und Illusion
nicht zu rühren vermögen.
Es ist der
Punkt der lauteren Wahrheit,
ein Punkt oder Funke,
der ganz Gott gehört.
Nie können wir
über diesen Punkt verfügen,
sondern Gott verfügt
von diesem Punkt aus
über unser Leben

Thomas Merton (1915 – 1968)

Unser Ort der Praxis

Die meisten Menschen kennen immer noch nicht die Essenz der Meditationspraxis. Sie halten Geh-Meditation, Meditation im Sitzen und das Anhören von Dhamma-Vorträgen für die Praxis. Das stimmt auch, aber diese sind nur die äußeren Formen der Praxis. Die wirkliche Praxis findet statt, wenn der Geist einem Sinnesobjekt begegnet. Das ist genau die Stelle, an der man praktiziert, nämlich dort, wo Sinneskontakt auftritt. Wenn die Leute Dinge sagen, die wir nicht mögen, dann ärgern wir uns; sagen sie hingegen Dinge, die wir mögen, dann finden wir das angenehm. Genau dort ist unser Ort der Praxis. Auf welche Weise praktizieren wir nun mit diesen Dingen? Das ist der entscheidende Punkt. Wenn wir nur herumrennen, um das Glück zu jagen und uns ständig vom Leiden abzuwenden, dann können wir bis an unser Lebensende praktizieren, und wir werden niemals Dhamma sehen.

Ajahn Chah (1918 – 1992)