Erlösung durch das Liebesfeuer der Erkenntnis

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Alle echten Religionen in ihrem Reinheitszustande, alle wirklich Wissenden meinten geistige Erkenntnis. Taoismus meinte Erkenntnis durch selbstlos unbeschwerte Übereinstimmung mit dem Ganzen. Buddhismus meinte Erkenntnis durch Erbarmen und Loslösung. Christentum meinte Erkenntis durch das dank der Liebe in der Seele erwachte Himmelreich. Die Apolloniker Sokrates und Platon meinten Erkenntnis durch Schönheit und Güte. Die Kabbalisten und Chassidim meinten Erkenntnis durch Betrachtung und anbetende Bewunderung der Hypostasen oder Eigenschaften Gottes. Bo Yin Ra lehrte liebende Erkenntis durch richtige Vorstellungen, Selbstvertrauen und entsprechende Lebensführung. So machte er dem Erdenmenschen den eigenen Lebensgrund erfahrbar, als Religion an sich. Alle meinen das gleiche: Erlösung durch das Liebesfeuer der Erkenntnis.

Rudolf Schott in seinem Vortrag Symbolform und Wirklichkeit in den Bildern des Malers Bo yin Ra, gehalten am 6. Juli 1957 in Darmstadt

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Eine der revolutionärsten Lehren

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H. G. Wells (1866 – 1946 ) in seinem Vorwort zu dem Buch „Über Gott und die Welt. Revolutionäre Texte aus dem Neuen Testament.“ Zürich 1973, S. 13

Wem gleicht das Himmelreich?

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Die Jünger sprachen zu Jesus:
„Sage uns, wem das Himmelreich gleicht.“

Er sprach zu ihnen:
„Es gleicht einem Senfkorn,
kleiner als alle Samen.
Wenn es aber auf beackerte Erde fällt,
bringt es einen großen Zweig hervor
und wird zum Schutz für die Vögel des Himmels.“

Aus dem Thomas-Evangelium

http://www.meyerbuch.com/pdf/Thomas-Evangelium.pdf

Zum 11. September 2011

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte:

Selig, die Armen im Geiste; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Töchter und Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Matthäus 5,3-12

Eine graphische und musikalische Aufbereitung der Seligpreisungen findet sich hier:  http://www.e-water.net/beatitudes_de.html

 

P.S. Genau vor einem Jahr erschien das Editorial, also der erste Beitrag von „mystikaktuell“; zur Erinnerung: https://mystikaktuell.wordpress.com/category/editorial/

Lieber in der Hölle und Gott haben

Ein hoher Lesemeister erzählte in einer Predigt in einer hohen Versammlung diese Geschichte:

Es war einmal ein Mann, von dem liest man in den Schriften der Heiligen, der begehrte wohl acht Jahre, Gott möge ihm einen Menschen zeigen, der ihm den Weg zur Wahrheit weisen könnte. Und als er in einem starken Begehren war, da kam eine Stimme von Gott und sprach zu ihm: „Geh vor die Kirche, da findest du einen Menschen, der dir den Weg zur Wahrheit weisen soll.“ Und er ging und fand einen armen Mann, dem waren seine Füsse aufgerissen und voll Kot und alle seine Kleider waren kaum drei Pfennig wert. Er grüsste ihn und sprach: „Gott gebe direinen guten Morgen“ und jener erwiderte: „Ich hatte nie einen bösen Morgen!“ Er sprach: „Gott gebe dir Glück! wie antwortest du mir so?“ Und er erwiderte: „Ich hatte nie Unglück.“ Er sprach wieder: „Bei deiner Seligkeit! wie antwortest du mir so?“ Er erwiderte: „Ich war nie unselig.“ Da sprach er: „Gebe dir Gott Heil! Kläre mich auf, denn ich kann es nicht verstehn.“

Er erwiderte: „Das will ich tun. Du sprachst zu mir, Gott möge mir einen guten Morgen geben, da sagte ich: ich hatte nie einen bösen Morgen. Hungert mich, so lobe ich Gott; bin ich elend und in Schande, so lobe ich Gott: und daher hafte ich nie einen bösen Morgen. Als du sprachst, Gott möge mir Glück geben, sagte ich, ich hatte nie Unglück. Denn was mir Gott gab oder über mich verhängte, es sei Freude oder Leid, sauer oder süss, das nahm ich alles von Gott für das Beste: deshalb hatte ich nie Unglück. Du sprachst, bei meiner Seligkeit, da sagte ich: ich war nie unselig, denn ich habe meinen Willen so gänzlich in Gottes Willen gegeben: was Gott will, das will auch ich, darum war ich nie unselig, denn ich wollte allein Gottes Willen.“ „Ach, lieber Mensch, wenn dich nun Gott in die Hölle werfen wollte, was wolltest du dazu sagen?“ Da sprach er: „Mich in die Hölle werfen? Das wollt‘ ich sehen! Und auch dann, würfe er mich in die Hölle, so habe ich zwei Arme, mit denen umfasste ich ihn. Der eine ist wahre Demut, den legte ich um ihn und umfasste ihn mit dem Arm der Liebe.“ Und dann sprach er: „Ich will lieber in der Hölle sein und Gott haben, als im Himmelreich und Gott nicht haben.“

Aus Meister Eckharts Mystischen Schriften