Wem gleicht das Himmelreich?

Foto: © wak

Die Jünger sprachen zu Jesus:
„Sage uns, wem das Himmelreich gleicht.“

Er sprach zu ihnen:
„Es gleicht einem Senfkorn,
kleiner als alle Samen.
Wenn es aber auf beackerte Erde fällt,
bringt es einen großen Zweig hervor
und wird zum Schutz für die Vögel des Himmels.“

Aus dem Thomas-Evangelium

http://www.meyerbuch.com/pdf/Thomas-Evangelium.pdf

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Wenn es auch Nacht ist…

Johannes vom Kreuz  / Bildquelle: wikimedia – gemeinfrei

Wohl kenne ich den Quell, der rinnt und fließet,
wenn es auch Nacht ist.

Verborgen ist dem Blick die ewge Quelle,
doch weiß ich wohl zu finden ihre Stelle,
wenn es auch Nacht ist.

Ich weiß, nicht Ursprung hat sie je genommen,
doch aller Ursprung ist aus ihr gekommen,
wenn es auch Nacht ist.

Ich weiß, dass keine Schönheit ihrer gleiche,
sie tränkt die Erde und die Himmelreiche,
wenn es auch Nacht ist.

Ins Bodenlose, weiß ich, würde gleiten,
wer sie beträte, um sie zu durchschreiten,
wenn es auch Nacht ist.

Niemals hat ihre Klarheit sich verdunkelt,
und alles Licht weiß ich aus ihr entfunkelt,
wenn es auch Nacht ist.

Gewaltig weiß ich ihre Ströme eilen
durch Höllen, Himmel und wo Menschen weilen,
wenn es auch Nacht ist.

Den Wassern, die aus dieser Quelle steigen,
wohl weiß ich ihnen alle Macht zu eigen,
wenn es auch Nacht ist.

Den Strom, zu dem zwei Ströme sich verbinden,
weiß ich mit beiden nur zugleich zu finden,
wenn es auch Nacht ist.

Verborgen rinnt der Quell, auf dass wir leben,
in dem lebend’gen Brot, das uns gegeben,
wenn es auch Nacht ist.

Hier ruft er die Geschöpfe, dass sie kommen,
zu stillen sich, von Dunkelheit umschwommen,
weil’s in der Nacht ist.

Ersehnter Quell, dich such‘ ich nicht vergebens,
ich schaue dich in diesem Brot des Lebens,
auch wenn es Nacht ist.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)

 

In Verbindung mit dem eigenen Herzen sein

Jeder gleicht einer Person, die inmitten eines großen Ozeans in einem kleinen Boot rudert und den Stürmen zahlreicher und meist gegensätzlicher Stimmungen ausgesetzt ist. Die Wellen der Stimmungen branden von allen Seiten an uns heran und setzen unser Dasein aufs Spiel. Wir kennen das auch unter dem Begriff Himmelhochjauchzend-Zu-Tode-betrübt.

Wer dahin kommt, sein Herz zu durchdringen, in steter Verbindung mit dem eigenen Herzen zu sein lässt ein Dasein des Hin-und Hergetrieben Seins hinter sich.

Es tut sich eine ganz andere Welt auf. Eine Welt der inneren Ruhe eröffnet sich, in der aggressive und haltlose Emotionen und Affekte, die von allen möglichen Ereignissen ausgelöst werden können, keinen Platz mehr haben. Dies kennzeichnet den Eigner des Herzens.

Aus dem Kapitel „Das Geheimnis der Rhythmen“ des Buches „Flammendes Herz – Einführung in die Herz-Meditation“ von Dr. Seyed M. Azmayesh (*1952)

 

Die Tiefe erleben

Dieses Leben ist nicht alles – dahinter ist ein größeres Leben verborgen. Aber eben dahinter! Das kann man nicht gegen dieses Leben finden, doch man stößt darauf, indem man sich tief in dieses Leben einlässt.
Es gleicht einem Meer, voller Wellen. Gleich unter den Wellen verbirgt es sich. Wer aus Angst vor Turbulenzen oder wegen des Durcheinanders die Wellen scheut, hält sich auch vom Meer, vom Ozean, von der eigenen Tiefe fern! Für den, der hineinspringt, verschwinden die Wellen. Er erlebt die Tiefe, die absolute Stille des Ozeans.

Osho (1931-1990)

Den Nektar der Unsterblichkeit gewinnen

Der Streit unter den Religionen
gleicht einem Zank zwischen Schalen,
von denen jede ganz allein
den Nektar der Unsterblichkeit
enthalten will;

lass sie sich streiten;
wir wollen
den Nektar
und die Unsterblichkeit
gewinnen,
gleichgültig aus welcher Schale.

Sri Aurobindo (1872 – 1950)

Nach Wasser schreien vor Durst

Alle Menschen sind im Grunde Buddhas, gleich wie Wasser und Eis: Es gibt kein Eis getrennt vom Wasser, gesondert von den Geschöpfen keine Buddhas. Nicht wissend wie nahe ihnen die Wahrheit, suchen die Geschöpfe sie in der Ferne – welch Jammer! Sie gleichen denen, die im Wasser nach Wasser schrein vor Durst.

Hakuin Zenji, auch Hakuin Ekaku (1686-1769)

Bewusstsein ist wie Gaukelwerk

Dem Schaumball gleichet dieser Leib,
der Wasserblase das Gefühl,
Wahnehmung ist dem Luftbild gleich,
die Geistgebilde dem Bananenstamm,
Bewusstsein aber ist wie Gaukelwerk.

Gautama Buddha (ca. 563-483 v. u.Z.)