Ich folge der Religion der Liebe

Foto: © wak

 

Mein Herz ist
für jede „Form“
aufnahmefähig geworden;
ist Gazellenweide und Kloster für Mönche;
Götzentempel und die Kabah der Pilger,
Tafeln der Torah und das Buch des Qurans.
Ich folge der Religion der Liebe,
wohin auch immer ihr Reittier zieht;
denn das ist meine Religion und mein Glaube.

ibn Arabi (1165 – 1240)

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Wir kennen Eckhart und kennen ihn nicht

heer_me_coverCover des 1956 erschienenen Taschenbuches

„Mit Meister Eckhart nennen wir einen großen Namen, aber der Name bedeutet eine große Frage. Wir kennen Eckhart und kennen ihn nicht.“ So zitiert  der linkskatholische Publizist Friedrich Heer den Kirchengeschichtler Albert Hauck. Um ihn kennenzulernen hat er vor gut 60 Jahren eine  Sammlung von Texten Eckharts publiziert:

Meister Eckhart
Predigten und Schriften

Ausgewählt und eingeleitet von Friedrich Heer
Fischer Bücherei Frankfurt/M – Hamburg, November 1956

 

Die Einleitung von Friedrich Heer gibt es online zu lesen:

I. Die dunkle Zeit
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=2

II. Der große Tröster
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=6

III. Der Seelsorger
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=9

IV. Im Rausch der Sprache
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=12

V. Die Predigt-Spekulation: der Eine und das Eine
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=15

VI. Der große Intellektualist
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=18

VII. Platoniker und Mönch: die Versuchung der Reinheit
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=21

VIII. „lch bin der Sohn“ – „Wir sind der Sohn“
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=25

IX. Eckharts Erbe und die Erben
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp?pg=27

 

Biographische Angaben zu Friedrich Heer finden sich u.a. hier:

http://www.friedrichheer.com/biographie.html

 

Die Predigten im Überblick:

me_predigten_I

me_predigten_IIInteressant sind auch seine Anmerkungen zur Auswahl der vorliegenden Texte (S. 222-223)

Religion der Liebe

Welche Herrlichkeit!
Ein Garten inmitten der Flammen!
Mein Herz hat sich für jegliche Form geöffnet:
Es ist eine Weide für Gazellen,
und ein Kloster für christliche Mönche,
und ein Tempel für Götzenbilder,
und die Kaaba der Pilgernden,
und die Tafeln der Tora, und das Buch des Korans.
Ich folge der Religion der Liebe:
Welchen Weg die Kamele der Liebe auch einschlagen,
das ist meine Religion und mein Glaube.

Ibn Arabi (1165–1240)

Atmen

Wie aber wird bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausatmung geübt, wie gepflegt, auf daß sie hohen Lohn verleihe, hohe Förderung? Da begibt sich, ihr Mönche, der Mönch ins Innere des Waldes oder unter einen großen Baum oder in eine leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Bedächtig atmet er ein, bedächtig atmet er aus.

Atmet er tief ein, so weiß er ‚Ich atme tief ein‘, atmet er tief aus, so weiß er ‚Ich atme tief aus‘; atmet er kurz ein, so weiß er ‚Ich atme kurz ein‘, atmet er kurz aus, so weiß er ‚Ich atme kurz aus‘. ‚Den ganzen Körper empfindend will ich einatmen‘, ‚Den ganzen Körper empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Diese Körperverbindung besänftigend will ich einatmen‘, ‚Diese Körperverbindung besänftigend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Heiter empfindend will ich einatmen‘, ‚Heiter empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Selig empfindend will ich einatmen‘, ‚Selig empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedankenverbindung empfindend will ich einatmen‘, ‚Die Gedankenverbindung empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Diese Gedankenverbindung besänftigend will ich einatmen‘, ‚Diese Gedankenverbindung besänftigend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken empfindend will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken ermunternd will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken ermunternd will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken einigend will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken einigend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken lösend will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken lösend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Ausrodung wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Ausrodung wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Entfremdung wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Entfremdung wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich.

Also wird bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausatmung geübt, also gepflegt, auf daß sie hohen Lohn verleihe, hohe Förderung.

Gautama Buddha (ca. 563-483 v. u.Z.)