Wille und Schicksal

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Der Streit um Willensfreiheit und Schicksalszwang gilt nur für den, der um den Grund nicht weiß, der beider Wurzel ist.
Wer das Selbst erkannt hat, einzig Wurzel und Grund von Freiheit und Schicksal, ist jenseits beider. Wie sollt er um sie streiten?

Ramana Maharshi (1879 – 1950) in „Vierzig Verse“ / Vers 19

Buddha finden im eigenen Geist

Keramik: Vincenzo Kavod Altepost

Es ist ganz unmöglich,
Buddha woanders zu finden
als im eigenen Geist.

Jemand, der das nicht weiß,
mag zwar im Außen suchen,
aber wie ist es möglich,
sich selbst zu finden,
wenn man woanders sucht als in sich selbst?

Wer sein eigenes Wesen außen sucht,
gleicht einem Narren,
der, bei einem Auftritt vor einer Menschenmenge,
vergisst, wer er ist,
und überall herumsucht, um sich zu finden.

Padmasambhava (8. Jh.)

Alles durch den Einen betrachten

Symeon / Bild: Archiv

Wer dem Einen blind ist,
der ist es in allen Dingen.
Wer den Einen sieht,
der schaut alle Dinge.
Da er in dem Einen ist,
sieht er das Ganze.
Da er in dem Ganzen ist,
ist er von allem losgelöst.
Wer den Einen sieht,
betrachtet alles, sich selbst,
die Menschen und die Dinge,
durch den Einen.

Symeon der Neue Theologe (949 – 1022)

Den Lichtglanz des Geistes in sich schauen

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Wer über seine Seele
in jeder Stunde wacht,
dessen Herz
wird mit Offenbarungen beglückt.
Wer sich im Inneren
zur Kontemplation sammelt,
wird den Lichtglanz des Geistes in sich schauen.

Isaak von Ninive / Isaak der Syrer (ca. 640 – ca. 700)

In: Das Herzensgebet. Mystik und Yoga der Ostkirche, München-
Planegg, 1957, S. 80

Luise Rinser und Lama Anagarika Govinda

Cover des von Luise Rinser zitierten Buches / Foto: (c) wak

Luise Rinser (1911 – 2002): „Vor fast zehn Jahren las ich das Buch ‚Antwort der Religionen’. Der Initiator und Herausgeber Gerhard Szczesny stellte an je einen Vertreter der großen Religionen eine Reihe von Fragen. … Für den Buddhismus antwortete Lama Govinda. Ich wußte nicht, wer dieser Govinda ist, aber seine Antworten waren diejenigen, die mir (obwohl ich katholisch bin und mich viele Jahre mit Theologie beschäftigt habe) den tiefsten Eindruck machten und die mir so entsprachen, als kämen sie aus mir selbst!“

Aus: Benedikt Trappen, Maria; Rinser, Luise; Zotz, Volker; Luise Rinser und Lama Anagarika Govinda, Govinda Institut für buddhistische Studien, Edition Habermann; 1. Edition (2. Mai 2019)

Der ganze Beitrag „Luise Rinser und Lama Anagarika Govinda“ kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VIII
CII. JAHRGANG WINTER 2021/2022

November 2020: Mystiker, die B.Y.R. empfohlen hat

Bestellungen: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Mehr auch hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift-magische-bl%C3%A4tter

Der Mensch soll nicht sorgen…

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Der Mensch soll nicht sorgen,
daß er in den Himmel,
sondern daß der Himmel in ihn komme.
Wer ihn nicht in sich selber trägt,
der sucht ihn vergeblich im ganzen All.

Otto Ludwig (1813- 1865) in: Zwischen Himmel und Erde

Die Gerechtigkeit lieben

Wer die Gerechtigkeit liebt,
dessen nimmt sich die Gerechtigkeit an,
und er wird ergriffen von der Gerechtigkeit,
und er ist eins mit der Gerechtigkeit.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in Predigt 31, Ego elegi vos de mundo (Joh. 15.16)