Nutzlose Worte sind Hindernisse auf dem Weg

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Die nutzlosen Worte, die dummen nicht weniger als die eigennützen und lieblosen, sind Hindernisse auf dem Weg zum Einheitsbewusstsein des göttlichen Urgrunds, ein Tanz von Staub und Fliegen, der das innere und äußere Licht verdunkelt.

Aldous Huxley (1894 – 1963)

Jacob Böhme: Von wahrer Gelassenheit

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Denn sobald die Seele von der Selbheit vom Vernunft-Licht isset, so wandelt sie in eigenem Wahn, so ist ihr Ding, das sie für göttlich ausgibt, nur der äußeren Konstellation, welche sie alsobald ergreifet und trunken macht. So lauft sie denn so lange in Irrtum, bis sie sich ganz in die Gelassenheit wieder einergibt und sich aufs neue für ein besudelt Kind erkennet, der Vernunft aufs neue wieder erstirbet und Gottes Liebe wieder erreichet, welchen härter zugehet als zum ersten Mal…

Jacob Böhme (1575 – 1624) in seiner Schrift zur „wahren Gelassenheit“

Frei von sich und allen Dingen

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Wenn ich predige, dann pflege ich von vier Dingen zu sprechen. Erstens von Abgeschiedenheit und daß der Mensch frei und ledig sein muß – von sich selbst und von allen Dingen. Zweitens pflege ich davon zu sprechen, daß man wieder hineingebildet und zurückgeformt werden soll in das einzige und einfältige, wahrhaft eine Gut, das Gott ist. Zum dritten sage ich, daß man die große Edelkeit und den Adel bedenken muß, den Gott der Seele mitgeteilt hat, damit der Mensch mit diesem Adel wieder in einem Wunder zu Gott zurückgelangt. Viertens spreche ich von der Lauterkeit, Reinheit und Klarheit der göttlichen Natur – welche Klarheit und Reinheit die göttliche Natur besitzt, das ist unaussprechlich. Gott ist ein Wort, ein ungesprochenes Wort.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Mehr dazu hier: http://www.eckhart.de/index.htm?loeser.htm

 

 

Im Herzen der Glaubenden sieben Burgen

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Du sollst wissen, dass Gott – erhaben sei er – im Herzen des Glaubenden sieben Burgen mit Wehranlagen und Ringmauern geschaffen hat. Er wies den Glaubenden an, sich innerhalb dieser Burgen aufzuhalten, während er Satan erlaubte, außerhalb zu bleiben, von wo aus er es wie der Hund angeht und anbellt. Die erste umringte Burg ist aus Korund, und das ist die mystische Erkenntnis Gottes – erhaben sei er –; und um sie herum liegt eine Burg aus Gold, was der Glaube an Gott ist – erhaben sei er –; und um sie herum liegt eine Burg aus Silber, was die Reinheit der Absicht beim Reden und Tun ist; und um sie herum liegt eine Burg aus Eisen, was die Übereinstimmung mit dem göttlichen Ratschluss ist; und um sie herum liegt eine Burg aus Bronze, was die Ausführung der Vorschriften Gottes ist – erhaben sei er –; und um sie herum liegt eine Burg aus Alaunstein, was die Erfüllung der positiven und negativen Gebote Gottes ist; und um sie herum liegt eine Burg aus Ton, was die Erziehung der sensitiven Seele bei allem Tun ist.

 Abu al-Hussain alNuri, Persischer Sufi-Mystiker (+907/908)

Aus der Einleitung der von Ulrich Dobhan OCD und Elisabeth Peeters OCD herausgegebenen Werkausgabe von Teresa von Ávila, hier den „Wohnungen der Inneren Burg“

 

Jedes Geschöpf ist heilig und göttlich

Texttafel aus dem „Sonnengesang“ des heiligen Franziskus  / Foto: © wak

Mitgefühl ist eine spirituelle Kraft, ein Lebensstil, eine Umgangsform. Es ist die Art, wie wir mit allem im Leben umgehen, mit uns selbst, mit unserem Körper, mit unseren Vorstellungen und Träumen, mit unseren Nachbarn, und auch mit unseren Feinden. Einfühlungsvermögen ist eine Geisteshaltung, aus der Hochachtung für die Schöpfung spricht. Durch sie betrachtet man jedes Geschöpf als heilig und göttlich, denn das ist es auch.

Matthew Fox (*1940)

Das Göttliche in uns erkennen

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Gott ist im Prinzip unsere wahre Natur, und jeder von uns ist Sohn oder Tochter Gottes. Wir sind uns nur nicht darüber im Klaren, weil wir das Göttliche in uns noch nicht erkannt haben. Meister Eckhart nennt es den ‚göttlichen Funken‘, der Buddha nennt es den ‚Samen der Erleuchtung‘.

Ayya Khema (1923 – 1997)

Gefunden habe ich dieses Zitat hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/12/11/harald-alexander-korp-dem-ruhigen-geist-ist-alles-moeglich-mit-meister-eckhart-lernen-im-hier-und-jetzt-zu-sein-buchtipp-vi-2019/

Aus göttlichem Urgrund geboren

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Im Zen ist diese Einheit Identität, die schon existiert, bevor man etwas davon weiß, und daher nur zum Bewusstein gebracht werden muss.

Im christlichen Bereich, so bei Eckhart, geht es um die Einheit des Menschen mit Gott; sie kann daher niemals bis zu einer Identität vorangetrieben werden. Aber Eckhart treibt sie soweit voran, wie es gerade noch möglich ist, ohne dass eine Identität behauptet wird.

Fragen wir, wo diese Einheit zwischen Gott und Mensch vollzogen wird, so antwortet Eckhart: Sie vollzieht sich im Seelengrunde, indem der Seelengrund in den göttlichen Urgrund eingeht. So wie das ewige Ich, das noch, bevor Seele und Leib mit ihm verbunden wurden, aus dem göttlichen Urgrund geboren wurde, so muss auch der Geist des Menschen in diesen göttlichen Urgrund zurückkehren.

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898 – 1990)

Gib Deinen Frieden, oh Herr…

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
der vollkommen und ewig ist, auf dass unsere Seelen Frieden ausstrahlen mögen.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass unser Denken, Sprechen und Handeln in Einklang sein möge.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir zufrieden und dankbar sein mögen, für Deine reichlichen Gaben.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir inmitten unseres weltlichen Streites uns Deiner Seligkeit erfreuen mögen.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir alles ertragen, alles erdulden mögen, im Gedanken an Deine Gnade und Barmherzigkeit.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass unser Leben dem Göttlichen Bilde entsprechen möge und alle Dunkelheit in Deinem Lichte vergehe.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
unser Vater und Mutter, auf dass wir, Deine Kinder auf Erden, uns vereinigen in einer einzigen Familie.

Amen

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Gefunden habe ich dieses Friedensgebet hier: https://www.sufismus.ch/friedensgebet.php

Das Eine Wahre Selbst wahrnehmen

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Rede, so viel du willst, über Philosophie,
verehre so viele Götter, wie du willst,
nimm an allen Riten teil,
singe Lieder der Hingabe
an alle möglichen göttlichen Wesen
– solange du das Eine Wahre Selbst nicht wahrnimmst,
wirst du in hundert Äonen nicht befreit.

Shankara (ca. 788-820)

Attribute Gottes

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Wie viele vom Schnee gehört aber ihn nicht gesehen haben, so sind da viele religiöse Prediger, die nur in Büchern von Gottes Attributen gelesen, aber sie nicht in ihrem Leben erfahren haben. Und wie viele den Schnee gesehen aber ihn nicht gekostet haben, so sind da viele religiöse Lehrer, die nur einen Blick der göttlichen Glorie erhascht aber ihr wahres Wesen nicht verstanden haben.

Wer den Schnee gekostet hat, kann sagen, wie er schmeckt. Wer die Gemeinschaft Gottes in verschiedenen Erscheinungen genossen hat, jetzt als Diener, jetzt als Freund, jetzt als Geliebter, oder als in ihm Versunkener, der allein kann sagen, welches die Attribute Gottes sind.

Ramakrishna (1833 – 1886)