Die Seele lebt durch das was sie liebt

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Die Seele lebt durch das,
was sie liebt, eher als im Körper,
den sie beseelt.
Denn sie hat nicht ihr Leben im Körper,
sondern verleiht es eher dem Körper
und lebt in dem, was sie liebt.

Johannes vom Kreuz / Juan de la Cruz (1542 – l591)

Unterschiede bewusst werden lassen

 

Viel fruchtloses Bemühen, viel Streit, viel Unzufriedenheit würden verschwinden, und entsprechend mehr Gleichmut, Frohsinn, Glück könnten einziehen, wenn man, allgemein sich dieses Unterschiedes bewusst, mehr nach wahrem Besitz als nach Eigentum streben würde. Was damit gemeint ist, bringt ein chinesischer Aphorismus in knappster Form zum Ausdruck: „Der Herr sagte: „Mein Garten . . . – und sein Gärtner lächelte.“

Albert Hofmann (1906 – 2008) in seinem Buch „Einsichten – Ausblicke“; aktuell ist der gesamte Text „Über Besitz“ nachzulesen in der Mai-Ausgabe der „Magischen Blätter“. Mehr dazu hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Direkte Verbindung mit dem Göttlichen

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Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen Religion und Mystik. Es gibt Religionen ohne Spiritualität, und es gibt Spiritualität ohne Religion. Die kirchlich organisierte Religion kann gar nicht umhin, ihre Mitglieder zu der Überzeugung zu bringen, dass sie regelmäßig zu einem bestimmten Ort kommen und sich mit dem System in Beziehung setzen zu müssen, um das richtige Verhältnis zum Göttlichen zu haben. Für die Mystiker übernehmen die Natur und ihr eigener Körper die Rolle eines Tempels. Ihre Verbindung mit dem Göttlichen ist direkt und braucht keinerlei Vermittlung, besonders nicht von seiten jener, die selbst nicht die Erfahrungen gemacht haben und nichts als ernannte Beamte sind. Was für Mystiker von Nutzen sei kann, ist eine sie unterstützende Gemeinschaft von Mitsuchern und Lehrern, die auf dem Weg schon fortgeschrittener sind als sie.

Stanislav Grof (* 1931) in: Die Bewusstseins-Revolution. o.O. 1999, S. 75 (zusammen mit Ervin Laszlo und Peter Russell)

Welt, Seele und Gott

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In Wahrheit existiert nichts
als das Selbst.
Wie Perlmutt als Silber erscheint,
erscheint das Selbst als Welt,
individuelle Seele und Gott.
Diese drei treten zugleich in Erscheinung
und versinken zugleich.
Das Selbst ist dort
wo keinerlei „Ich-Gedanke“ ist.
Das nennt man Stille,
das Selbst ist die Welt,
„Ich“ und Gott in einem.
Alles ist das Selbst.

Ramana Maharshi (1879-1950)

Jacob Böhme: Von wahrer Gelassenheit

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Denn sobald die Seele von der Selbheit vom Vernunft-Licht isset, so wandelt sie in eigenem Wahn, so ist ihr Ding, das sie für göttlich ausgibt, nur der äußeren Konstellation, welche sie alsobald ergreifet und trunken macht. So lauft sie denn so lange in Irrtum, bis sie sich ganz in die Gelassenheit wieder einergibt und sich aufs neue für ein besudelt Kind erkennet, der Vernunft aufs neue wieder erstirbet und Gottes Liebe wieder erreichet, welchen härter zugehet als zum ersten Mal…

Jacob Böhme (1575 – 1624) in seiner Schrift zur „wahren Gelassenheit“

Flut und Welle als Wasser betrachten

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Der Fluss und seine Wellen sind eine Flut; was ist der Unterschied zwischen dem Fluss und seinen Wellen? Wenn eine Welle sich erhebt, ist sie das Wasser, und wenn sie fällt, ist sie wieder das gleiche Wasser.
So sagen sie mir, mein Herr, wo ist der Unterschied? Nur, weil sie Welle genannt wird, soll ich sie nicht mehr als Wasser betrachten?

Kabir (1440-1518)

Gefunden habe ich dieses Zitat in dem Buch von Vincenzo Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude. Ein beschenktes Leben. Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Die Wahrheit in sich selbst erblicken

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Die Wahrheit
in sich selbst erblicken,
nur für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles,
was es gibt.

Dschelaluddin Rumi / Mevlana / Muhammad Dschelaleddin Rumi (1207-1273)

Berge sind Berge, Flüsse sind Flüsse

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Bevor ich für dreißig Jahre Zen studiert hatte, sah ich Berge als Berge und Flüsse als Flüsse.
Als ich ein besseres Verständnis entwickelt hatte, kam ich an den Punkt, wo ich sah, dass Berge nicht Berge sind und Flüsse nicht Flüsse.
Aber jetzt, wo ich in der Ruhe beheimatet bin, sage ich: Berge sind wirklich Berge und Flüsse wirklich Flüsse.

Hsing-ssu / Seigen Gyoshi (660 – 740)

Die Wahre Natur ist immer Eins

Die Menschen schauen nicht auf ihre Wahre Natur, die immer Eins ist, und deswegen glauben sie, besser zu sein als ihre Mitmenschen, und sind daher ständig eifersüchtig auf alle anderen. Die Menschen lesen wenig Wertvolles, zerstreuen sich, meditieren weder regelmäßig, noch gehen sie die Neun Stufen des Weges. Daher können sie auch nicht das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden.

Padmasambhava (8./9. Jahrhundert u.Z.)