… wie der Klang der Seele

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Im Geist und im Willen zeigt sich die Vernunft wie der Klang der Seele. Sie vollendet Gottes- oder Menschenwerk. Der Klang hebt nämlich das Wort in die Höhe, wie der Wind den Adler aufhebt, um fliegen zu können. Ebenso entsendet auch die Seele im Gehör und Intellekt des Menschen den Ton der Vernunft, so daß seine Kräfte Einsicht erlangen und jedes Werk zur Vollendung geführt wird. Der Leib aber ist das Gezelt und die Hilfe für alle Seelenkräfte.

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

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Der Thron der Liebe in Deinem Herzen

Es gibt eine bestimmte Großartigkeit des Herzens in der Liebe, die unbeschreibbar ist, weil sie die Seele groß macht, so groß, wie das ganze Werk Gottes. Und das sollte durch Dich erfahren werden, jenseits aller Worte, wenn der Thron der Liebe in Deinem Herzen errichtet wird.

Jakob Böhme (1575-1624)

Mitten im Weltenbau steht der Mensch

Aus einem Codex der Hildegard von Bingen   wikimedia/gemeinfrei

Mitten im Weltenbau steht der Mensch, denn er ist bedeutender als alle übrigen Geschöpfe. An Statur ist er zwar klein, an Kraft seiner Seele jedoch gewaltig. Sein Haupt nach oben gerichtet, die Füße auf festem Grund, vermag er alles in Bewegung zu setzen. Was er mit seinem Werk bewirkt, das durchdringt das All. Wie nämlich der Leib des Menschen das Herz an Größe übertrifft, so sind auch die Kräfte der Seele gewaltiger als die des Körpers, und wie das Herz des Menschen im Körper verborgen ruht, so ist auch der Körper von den Kräften der Seele umgeben, da diese sich über den gesamten Erdkreis erstrecken. So hat der gläubige Mensch sein Dasein im Wissen aus Gott und strebt in seinen geistlichen wie weltlichen Bedürfnissen zu Gott. Immer richtet sich sein Trachten auf Gott, dem er in Ehrfurcht entgegentritt. Denn wie der Mensch mit den leiblichen Augen allenthalben die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben überall den Herrn. Gott ist es, den der Mensch in jedem Geschöpf erkennt. Weiß er doch, daß Er der Schöpfer aller Welt ist.

Hildegard von Bingen (um 1098 – 1179)

Gott allein ist in allen Dingen…

Johannes Tauler

Gott zieht seine Diener
nicht nur auf einem Weg,
noch durch ein Werk,
noch auf eine Art;
sondern er zieht sie dahin,
wo er ist,
das heißt:
auf alle Wege,
durch alle Werke,
auf alle Arten;
denn Gott allein
ist in allen Dingen,
sofern sie gut sind.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

 

Staunensvoller Friede

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Die Seele tut kein Werk mehr für Gott, noch auch für sich oder ihre Nächsten. Aber Gott wirkt es, wenn er will, er kann es tun. Und wenn er nicht will, so macht ihr das nichts aus, das eine ist wie das andere: sie bleibt immerfort im einen und selben Zustand. Dann ist der Strahl der göttlichen Erkenntnis in dieser Seele, er zieht sie aus sich selbst ohne ihr Dazutun in einen staunensvollen Frieden.

Margareta Porete / Marguerite Porète (* um 1250/1260 – 1. Juni 1310) im „Spiegel der einfachen Seelen“. Die Begine wurde als Häretikerin auf Anweisung der Inquisition in Paris verbrannt. Ihre Aussagen haben Parallelen zur Mystik von Meister Eckhart.

Großartigkeit des Herzens

Es gibt eine bestimmte Großartigkeit des Herzens in der Liebe, die unbeschreibbar ist, weil sie die Seele groß macht, so groß, wie das ganze Werk Gottes. Und das sollte durch Dich erfahren werden, jenseits aller Worte, wenn der Thron der Liebe in Deinem Herzen errichtet wird.

Jakob Böhme (1575-1624)