Bedürfnis der menschlichen Seele

Simone Weil (1909 – 1943) / Texttafel der Friedensbibliothek ~ Foto: © wak
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Das innere Licht – Texte zur Mystik

von Ronald Steckel

Die Rückbesinnung des Menschen auf spirituelles Wissen ist notwendiger denn je. Denn unsere materialistisch geprägte Hightech-Zivilisation befindet sich in einem Zustand hilfloser Unwissenheit in Bezug auf die „innere Welt“ des Menschen. In unserer Reihe präsentieren wir Hörstücke, in denen die reiche spirituelle Überlieferung des Abendlandes als auch anderer Kulturen zur Sprache kommt: Texte des deutschen Theosophen Jacob Böhme, der französischen Mystikerin Simone Weil, des erleuchteten Tamilen Ramana Maharshi oder des persischen Dichters Rumi bilden eine Kartografie geistiger Landschaften, die die Hörer*innen auf ihrem Weg nach Innen begleiten und inspirieren wird.

https://www.rbb-online.de/rbbkultur/podcasts/das-innere-licht-podcast.html

Ramana (1/6)

Ramana Maharshi (1879 – 1950), gilt als einer der großen spirituellen Meister des letzten Jahrhunderts. Als 16-jähriger wird er von der allumfassenden Erkenntnis durchdrungen, dass das „Selbst“ unabhängig vom Körper existiert und diesen überdauert. Nach diesem Erleuchtungserlebnis verlässt Ramana seine Familie und zieht sich in eine Höhle am „heiligen“ Berg Arunachala zurück, wo er zwölf Jahre in Regungslosigkeit verharrt und kein Wort spricht.. Neben dem aus subjektiver Perspektive erzählten Lebensbericht Ramanas stehen Ausschnitte aus Gesprächen, die Ramana mit den zahllosen Besuchern seines Ashrams führte und die in Protokollen erhalten geblieben sind.

Vom übersinnlichen Leben (2/6)

Jacob Böhme gilt als der bedeutendste deutsche Mystiker. Schelling nannte ihn „eine Wundererscheinung in der Geschichte der Menschheit“ und Hegel gab dem Schuhmachermeister aus Görlitz den Ehrentitel „erster deutscher Philosoph“. In dem Stück „Vom übersinnlichen Leben“ beschreibt Jacob Böhme in einem Zwiegespräch zwischen Meister und Schüler den Weg der Seele zurück in ihre ewige geistige Heimat.

Möcht ich ein Komet sein (3/6)

Das Hörspiel von Ronald Steckel ist der Versuch einer Rekonstruktion. Erzählt wird die Geschichte eines Menschen, der schon früh alle Zeichen des Ungewöhnlichen in sich trägt. Noch überraschender als seine überragende Intelligenz ist der Eindruck, den er bei seinen Mitmenschen hinterlässt. Wer ist dieser Mensch, der die Grenzen der Normalität überschritten hat und in eine tiefere Dimension des Bewußtseins vorgedrungen zu sein scheint? Seine Eltern kommen zu Wort, seine Lehrer, seine Ärzte und Freunde. Nach und nach wird das Bild eines Ausnahmemenschen sichtbar, der alle Wesensmerkmale eines Heiligen besitzt.

Schwerkraft und Licht (4/6)

Die französische Philosophin Simone Weil (1909-1943) ist in der geistigen Landschaft des 20. Jahrhunderts eine Ausnahmeerscheinung. Die Tochter aus liberalem jüdischem Hause entwickelte sich im Laufe ihres asketischen Lebens zu einer christlichen Mystikerin jenseits aller Konventionen. Sie war diplomierte Philosophin, Lehrerin an Grund- und Arbeiterschulen, Gewerkschaftlerin, Fabrikarbeiterin, Tagebuchschreiberin, Dichterin und Verfasserin von Theaterstücken; . Sie starb mit 33 Jahren im englischen Exil an Unterernährung und Erschöpfung.

Offenes Geheimnis (5/6)

Der von 1207 bis 1273 lebende persische Gelehrte, Dichter und sufische Mystiker Dschelal-ed-Din Rumi gilt als eine der größten poetischen Stimmen des Orients und wird in allen arabisch-sprechenden Ländern mit ähnlicher Bewunderung verehrt wie Dante oder Homer im Abendland. In Anrufungen, Aufforderungen, Unterhaltungen und Selbstbefragungen erzählen die Verse von den unzähligen Erscheinungsformen der Liebe, die Gott, Mensch und Welt verbinden.

Höre du blinder Mensch (6/6)

Der 1575 in der sächsischen Stadt Görlitz geborene Jacob Böhme war ein einfacher Schuster, bevor er nach einer Reihe von Erleuchtungserlebnissen zu schreiben begann. Im Laufe der Jahre entwarf er eine mehrtausendseitige Kosmologie, Theosophie und Anthropologie, die ihm Schreibverbot und eine Anklage wegen Ketzerei einbrachte. Das Hörstück ist eine suggestive, akustische Seance mit Texten aus Böhmes theosophischen Schriften.

Unter jedem der Texte sind Hinweise zum kostenlosen Download der eindrucksvollen mp3-Dateien zu finden.

Im Garten des Einen

Anlässlich der „BUGA Erfurt 2021“ steht der Garten im Zentrum der diesjährigen Einführung in christliche und islamische Mystik: In den Workshops erfahren wir etwas über Gärten und Mystik, wir bestaunen mittelalterliche Darstellungen von Maria im Garten mit dem Einhorn und wir erhalten eine Einführung in Simone Weils „Theologie der Schönheit“. Die Musikerin Sabine Lindner führt uns in das Lob der „Grünkraft“ von Hildegard von Bingen ein und die Sufigruppe Tümata in den Tanz der Sufis, eine Praxis des Gebetes im mystischen Islam. Zwei Abendveranstaltungen in der Predigerkirche krönen diese Tage: ein Konzert mit dem Tanz der Sufis sowie „Christliche trifft islamische Mystik“ mit Musik und Texten aus Orient und Okzident.

Das vollständige Programm der Veranstaltungen am 24. und 25 September finden Sie hier:

Anmeldung für die Workshops am Freitag und Samstag unter:
erfurt@augustiner.de oder (0 172) 3 058 203

Die Seele muss Gott ihre Augen leihen

Simone Weil ~ Bild: Archiv

Die Seele, die es geschafft hat,
das Licht zu sehen,
muss Gott ihre Augen leihen
und sie auf die Welt richten.
Unser verschwindendes Ich
muss ein Loch werden,
durch das Gott und die Schöpfung
sich anblicken.

Simone Weil (1909 – 1943)

Unsere Seele macht beständig Lärm…

Simone Weil ~ Bild: Archiv

Unsere Seele macht beständig Lärm, aber es gibt einen Punkt in ihr, der Schweigen ist und den wir niemals vernehmen. Wenn das Schweigen Gottes Eingang findet in unsere Seele, sie durchdringt und dort sich jenem Schweigen verbindet, das heimlich in uns gegenwärtig ist, dann haben wir hinfort in Gott unseren Schatz und unser Herz; und der Raum öffnet sich uns wie ein Frucht, die sich teilt, denn wir sehen das Universum von einem Punkt, der außerhalb des Raumes gelegen ist.

Simone Weil (1909 – 1943)

Die Leere ist die höchste Fülle

Simone Weil | Bild: Archiv

 

Die Leere ist die höchste Fülle,
aber der Mensch hat nicht das Recht,
dies zu wissen.
Der Beweis liegt darin,
dass Christus selber,
für die Dauer eines Augenblicks,
jedes Wissen davon abhandengekommen ist.
Ein Teil meiner Selbst soll es wissen,
aber nicht die anderen;
denn wüssten sie es auf ihre niedrige Weise,
so gäbe es keine Leere mehr.

Simone Weil (1909 – 1943) in: Schwerkraft und Gnade. Berlin 2021, S. 29

Die Zeit ist das Warten Gottes

Simone Weil ~ Foto: Archiv

Gott wartet wie ein Bettler,
der reglos und schweigend
vor jemandem steht,
der ihm vielleicht ein Stück Brot geben wird.
Die Zeit ist dieses Warten.
Die Zeit ist das Warten Gottes,
der um unsere Liebe bettelt.

Simone Weil (1909 – 1943)