Seine Sprache ist wie ein Bergquell – Johannes Tauler im Mystikkreis am 6. Januar 2019

Wir haben es vielleicht noch im Ohr, das Lied „Es kommt ein Schiff geladen“, das in der Adventszeit häufig gespielt wird. Es soll von Johannes Tauler stammen, jenem Dominkaner aus Straßburg, der um 1300 in Straßburg geboren wurde und Schüler von Meister Eckhart war. Durch seine Predigten, dem Massenmedium des Mittelalters, blieb er in katholischen Kreisen ebenso präsent, wie er es in der protestantischen Kirche wurde. „Tauler hat die Menschen ungeheuer beeindruckt — auch Martin Luther. Der Tauler-Hype ging teilweise soweit, dass Predigten, die für gut befunden wurden, aber gar nicht von ihm waren, trotzdem ihm zugeschrieben wurden. Es entstand so etwas wie eine Marke Tauler.“ So ein Fachmann für geistliche Literatur. Wie Martin Luther hatte Tauler den Menschen „aufs Maul geschaut“ und sich in ihrer Sprache ihnen zugewandt.  Als Schüler des „Lesemeisters“, wie man Meister Eckhart nannte, war er der „Lebemeister“, der viele Gedanken Eckharts heruntergebrochen hat auf die nicht akademische (oder ungelehrt scheinende) Sprache und Empfindungswelt der Menschen.

„Seine Sprache ist wie ein Bergquell, der aus harten Felsen hervorbricht, wunderbar geschwängert von unbekanntem Kräuterduft und geheimnisvollen Steinkräften.“ Wohl kaum unverfänglicher als Heinrich Heine könnte jemand über Johannes Tauler sprechen und eine Brücke in die Gegenwart bauen. Doch was wollte Johannes Tauler? Ihm geht es in seinen Predigten nicht um intellektuelle Anregungen, sondern er gibt praktische Anweisungen. Er mahnt seine Zuhörerinnen und Zuhörer immer wieder, ihres Selbst gewahr zu werden, aufmerksam zu werden, sich zu beachten und zu beobachten, um in diesem Prozess ihres Selbst gewahr zu sein.

Um uns genauer anzusehen, wie aktuell die Predigten Taulers heute noch sind, werden wir uns am 6. Januar damit ausführlicher beschäftigen.

 

Organisatorisches:

Damit wir besser planen können, bitten wir um die Anmeldung bis zum 2. Januar. Vielen Dank!

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag: 15,– Euro

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani Kaluza http://doingnothing.de/
Werner A. Krebber https://mystikaktuell.wordpress.com/

Informationen und Anmeldung auch hier:  https://www.facebook.com/events/1606240616144407/

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Bitte schon mal vormerken:  Am ersten Sonntag im Februar (3.2.) wird es einen Doing Nothing-Sonntag geben…

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Bisherige Themen im Kölner Mystikkreis:

– Mystik aktuell? – Texte aus Tradition und Gegenwart christlicher Mystik
– Meister Eckhart: Leben – Wirken – Aktualität
– Die Wolke des Nichtwissens
– Thomas Merton: Mönch – Poet – Rebell
– Beginen: Die Strahlkraft der Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Hadewijch von Antwerpen, Marguerite Porète
– Die Katharer: (Un)Glaube im Widerspruch

 

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Praktiziere das Wort!

Foto: © wak

Nehme das Wort wahr, aus dem das Universum entsprungen ist!
Dieses Wort ist der Lehrer; ich habe es gehört und wurde sein Schüler.
Wieviele sind es, welche die Bedeutung des Wortes kennen?
Oh Sadhu! Praktiziere das Wort!

Kabir (1440 – 1518)

Gefunden habe ich dieses Zitat in dem Buch von Vincenzo Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude. Ein beschenktes Leben.

Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Der Tiefe begegnen

Impression von der Raketenstation HombroichFoto: © wak

Suche nichts als ein reines, einfaches Entsinken
in das reine, einfache, unbekannte, namenlose,
verborgene Gut, das Gott ist,
und in alles, was sich in ihm enthüllen mag.

Alles soll sich an sein Nichts halten:
Nichts wissen, nichts erkennen, nichts wollen,
nichts suchen, nichts haben wollen.

Suche weder Empfindung noch Erleuchtung!
Entsinke in dein Nicht-wissen
und Nicht-wissen-wollen!

Die Tiefe, die in Gott ist,
ist ein solcher Abgrund,
dass aller geschaffene Verstand
sie nicht zu erreichen
noch zu ergründen vermag.

Dieser Tiefe soll der Mensch begegnen
mit der eigenen Tiefe:
das ist, dem grundlosen Abgrund
einer unergründlichen Selbstvernichtung.

Das heißt: könnte er ganz
zu einem lauteren Nichts werden,
das hielte er für recht und billig.

Das kommt aus der Tiefe
und der Erkenntnis seines Nichts.

Johannes Tauler (* um 1300 – 1361)

Tiefen Frieden verschaffen

Von Bodhidharma wird berichtet, dass ein Schüler zu ihm kam.
„Mein Geist ist noch nicht im Frieden“, soll der Schüler zu ihm gesagt haben. „Bitte, mein Lehrer, verschaffe ihm Frieden.“
Darauf soll Bodhidharma geantwortet haben: „So bringe mir Deinen Geist her. Ich will ihn in Frieden bringen.“
Da entgegnete der Schüler ihm: „Ich habe gesucht nach meinem Geist – aber ich kann ihn nicht finden.“
Worauf Bodhidharma entgegnete: „So habe ich ihn für Dich in tiefen Frieden versetzt.“

Aus dem Zen

Heinrich Böll als kritischer Katholik

Ein weites Feld, könnte man sagen, wenn es um das Verhältnis von Heinrich Böll zur katholischen Kirche geht. Zwischenzeitlich bezeichnete er sich als LiKaKi, als Linkskatholischer Kirchgänger. Aber gespannt war diese Beziehung wohl immer.

Ein Ausdruck davon war der Beitrag den Heinrich Böll, der dieses Jahr 100 geworden wäre, für die Festschrift des Jesuiten Karl Rahner geschrieben hatte. Im August 1973 schickte er den Text an die Herausgeber, doch in der Festschrift erschien der Artikel nicht. Nachgefragt antwortete mir Heinrich Böll mit diesem Brief:

boell080575

Der Beitrag erschien dann später doch noch in der Zeitschrift Publik Forum 4(1975), Nr. 12, S. 3 – 5.

Wie verletzt sich Böll durch Teile der Katholischen Kirche fühlte, macht m.E. der Absatz deutlich, in dem er schreibt:

„… weil ich keine Lust habe, Anlass oder Einstig irgendeines ‚Skandals‘ in einem Milieu zu sein, dessen Presse, die widerwärtigste ist, die ich kenne…“

 

 

 

Der Meister und die Katze oder: Wie Traditionen entstehen

Eine alte Geschichte erzählt von einem Meister, der bei der Meditation von einer Katze gestört wurde. Damit sie ihn nicht mehr länger beeinträchtigte, ordnete er an, dass man sie während der Abendmeditation draußen anbinde. Auch lange nach dem Tode des alt gewordenen Zen-Meisters wurde die Katze stets während der abendlichen Meditation angebunden. Als die Katze schließlich starb, wurde eine andere beschafft, die wieder während der Abendmeditation draußen festgebunden wurde. Und noch Jahrhunderte später schrieben die Schüler des Zen-Meisters Abhandlungen darüber, wie die Katze während der Abendmeditation anzubinden sei.

Aus dem Zen

Etwas anders erzählt wird sie hier: Anthony de Mello: Warum der Vogel singt. Weisheitsgeschichten, Freiburg: Herder 2013, S. 52