Der Schlange Klugheit

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Vernimm nun, auf welche Weise die Schlange Klugheit zeigt. Wenn sie merkt, dass sie alt und runzlig wird und zu stinken beginnt, so sucht sie eine Stelle, an der zwei Steine beieinander liegen, und zwischen diesen schiebt sie sich ganz genau hindurch, so dass sie die alte Haut ganz abstreift; darunter ist eine neue gewachsen. Ganz ebenso soll der Mensch mit seiner alten Haut verfahren, das heißt mit alldem, was er von Natur besitzt, wie groß oder gut es auch immer sei..

Welches sind (nun) diese beiden Steine? Der eine ist die ewige Gottheit, welche die Wahrheit ist, der andere die liebreiche Menschheit Christi, der wesenhafte Weg. Zwischen diesen beiden Steinen hindurch soll der Mensch all sein Leben und Wesen gestalten, schleifen und tragen.

Johannes Tauler (1300 – 1361) in Predigt 23: Estote prudentes et vigilate in orationibus / Seid besonnen und verharret im Gebete (1 Petr. 4, 8)

Zum Wesen der Dinge durchdringen

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. / Bild: Archiv

Wir sind gewohnt, wenn wir das Wesen der Dinge verstehen wollen, zu denken und sie auseinander zu nehmen sowie nach Gründen zu suchen. Dadurch kann man auch teilsweise zum Wesen der Dingen kommen und verstehen, was das eigentlich ist.
Aber nicht die Begriffe und Wörter abschaffen, sondern durch Begriffe und Wörter hindurch zum Wesen der Dinge durchdringen.
Durch Meditation kann man das lernen, aber es braucht viel Zeit.

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. (1898 – 1990)

In gewissem Sinne leer

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Zen ist Bewusstsein ohne die Struktur einer besonderen Form oder eines besonderen Systems, ein transkulturelles, transreligiöses, transformiertes Bewusstsein. Deshalb ist es in gewissem Sinne „leer“. Aber es kann durch dieses oder jenes religiöse oder irreligiöse System hindurch scheinen, so wie Licht durch ein Glas hindurch scheinen kann, das blau ist oder grün, rot oder gelb. Wenn Zen überhaupt eine Vorliebe hat, dann zieht es einfaches Glas vor, das keine Farbe hat und eben „einfaches Glas“ ist.

ThomasMerton (1915 – 1968) in: Weisheit der Stille, 1975, S. 12

Die Verborgenheiten des heiligen Weges weitergeben

Hippolytus von Rom | Bild: Archiv

 

Jesus aber sprach: „Blicke, Vater,
auf dieses von Bösen verfolgte Wesen,
das auf der Erde umherirrt,
fern von deinem Geiste.
Sie sucht dem bitteren Chaos zu entfliehen,
und weiß nicht, wie sie hindurchkommen soll.
Deshalb sende mich, Vater!
Im Besitz der Siegel will ich hinabsteigen,
Alle Äonen will ich durchschreiten,
alle Geheimnisse will ich enthüllen,
und die Gestalten der Götter will ich zeigen.
Die Verborgenheiten des heiligen Weges
will ich, unter dem Namen Gnosis, weitergeben.

Aus dem gnostischen Naasener-Psalm. Überliefert durch Hippolytus von Rom († um 235)

Feuer der Liebe

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Feuer gibt nicht nur Helle und Wärme,
es wandelt von Grund auf,
wenn es das Feuer der Liebe ist.
Es macht transparent wie die Metalle in den Ikonen.
Man schaut einen seltenen Glanz,
und schaut wie hindurch und sieht mehr.
Verborgenes. Tiefes.

Josua Boesch (1922-2012)

Durch das Gefühl hindurch gehen

Es gibt eine Furcht davor, dass die Emotion zu stark werden könnte, dass wir ihr verfallen und unsere Würde, unsere Rolle als menschliche Wesen verlieren könnten. Die Umwandlung schließt mit ein, durch eine solche Angst hindurchzugehen. Gib dich selbst ganz in das Gefühl hinein, gehe durch es hindurch, gib ihm nach, erfahre es.

Chögyam Trungpa (1940 -1987)