Ursprüngliche Weisheit und unmittelbarer Kontakt

 

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Ich vermute, dass Ihre Probleme mit einer konservativen und formalistischen Religiosität den unseren in der katholischen Kirche ganz und gar gleichen. Es ist überall dasselbe. Wir brauchen eine neue geistige Grundhaltung, und das bedeutet zuallererst die Wiederentdeckung der alten und ursprünglichen Weisheit. Und wirklichen Kontakt mit dem, was uns unmittelbar umgibt.

Thomas Merton 1966 in einem Brief an Thich Nhat Hanh

Impulse für die geistige Entwicklung

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Mit dem mystischen Schrifttum besitzen wir ein unschätzbares Gut, eine kostbare Quelle der Wahrheit, aus welcher der suchende Mensch die Erkenntnisse schöpfen kann, nach denen seine Seele verlangt. Eine entscheidende mystische Wahrheit besagt jedoch, dass der Mensch aus der Mystik nicht nur Wissen umd „letzte Dinge“ gewinnen sollte, sondern vor allem auch Impulse für die Arbeit an seiner geistigen Entwicklung, die letztlich die einzig wahre Sinngebung für ein erfülltes Leben zu gewähren vermag. Die Mystiker haben diesem Anliegen die allergrößte Bedeutung beigemessen und ihre Lehren enthalten entsprechende Aufforderungen sowie Anleitungen für das Erreichen diese Zieles.

René Bütler (1923 – 2016)

Stille und Öffnung

Screenshot der Homepage http://www.haukejohannagerdes.de/

… Die Bewusstseinsschicht, die Hauke Johanna Gerdes in uns ansprechen will, liegt im geistigen Raum, ihre Bilder verlangen, dass wir bereit sind, uns mit unseren Empfindungen zu öffnen. Ihre künstlerischen Arbeiten fordern ein vorübergehendes „Leersein“, einen Zustand der Stille und damit einer Öffnung, wie etwa bei einer Meditation. Denn es geht um eine Wahrnehmung, die in die Transformation eines Bereiches des Erfassbaren reicht, der recht flüchtig ist und sich den Augen gerne entzieht. So kann es für den Betrachter manchmal etwas Zeit brauchen, bis die Arbeiten sich der Empfindung aufschließen und sich in der Betrachtung verwandeln. Dann aber tritt plötzlich, wie aus heiterem Himmel, seelisch tief Erlebtes zutage. Die Gesamtheit eines Moments kann wahrnehmbar werden. Das Unbekannte kann den Blick, sowie das Bewusstsein weiten und zu einem großen Glück werden.

Klaus Weingarten in seinem Text „Das Leben tritt von selbst hervor“ über Hauke Johanna Gerdes. Der ganze Text kann hier nachgelesen werden: http://www.haukejohannagerdes.de/text_neu.html

Mehr Arbeiten von ihr sind hier zu sehen: http://www.haukejohannagerdes.de/

Gott lebt im Menschen sein reichstes Leben

 

…Wenn Gott in seiner Seele Mensch geworden ist, ist ihm die „Gelassenheit“ der Weihe erreicht. Und diesen Rhythmus des eigenen Erlebens von der Berufung durch die Erleuchtung zur Weihe sieht er als Rhythmus des Lebens überhaupt, als Rhythmus Gottes. Der sittliche Endzustand des Menschen ist die Gelassenheit als Wille zur Selbstvollendung eigenen Wesens; so wird er zum Bejaher der Gegenwart als des ewigen Ausdrucks göttlichen Wesens und es wird ihm Leben Wirklichkeitsform des Göttlichen, die auch den Tod überwindet. Gott lebt im Menschen sein reichstes Leben. Hat Ekkehart die geistige Persönlichkeit als gotthaft erwiesen, so Böhme den naturhaft leiblichen Menschen. …

 Otto Maag, Jakob Böhme

Der komplette Beitrag über Jakob Böhme ist erschienen in: „Magische Blätter“ CI. Jahrgang, April 2020, Heft 3., S.189 – 200
Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

Liebe und Zorn – Lange Nacht über Jacob Böhme

https://www.deutschlandfunkkultur.de/eine-lange-nacht-ueber-den-mystiker-jacob-boehme-liebe-und.1024.de.html?dram:article_id=473349

Zu Lebzeiten von der Kirche als Ketzer verschrien, gilt Jacob Böhme heute als bedeutendster Autor der christlichen Mystik – obwohl er ein einfacher Schuhmacher war. Worin liegt die Faszination seines Denkens? Und was hat er uns heute zu sagen?

Mehr über Jacob Böhme auch hier, erschienen in: Magische Blätter, CI. Jahrgang, Frühjahr 2020:

Jacob Böhme (1575–1624) ist eine der unbekanntesten und gleichzeitig bedeutendsten Figuren der deutschen Geistes­geschichte. Er war Zeitgenosse Shakespeares, Giordano Bru­nos und Galileis und lebte als Schuhmacher und Tuchhändler in Görlitz an der Neiße. Nach mehreren Erleuchtungserfah­rungen begann er, seine inneren Erlebnisse und Visionen auf­zuzeichnen und offenbarte sich dabei als ein starker Sprach­gestalter. 1612 verfasste er für sich selbst als Erinnerungsbuch den Text „Morgenröte im Aufgang“, einen grandiosen Ent­wurf christlicher Theosophie und Kosmosophie. Hier stellte er die Erkenntnis- und Willensfreiheit des Menschen in den Mittelpunkt. Trotz Schreibverbots und Ketzereiverdachts durch die lutherisch-orthodoxe Obrigkeit wurden Böhmes Schriften in den politisch unabhängigen und geistig aufgeschlossenen Kreisen des schlesischen Adels bekannt. Die letzten Jahre sei­nes Lebens war er ausschließlich mit der Niederschrift sei­ner Texte beschäftigt, ein schon zu Lebzeiten in weiten Tei­len Europas als „Philosophus Teutonicus“ berühmter Mann. Der Autor der dreistündigen Sendung ist Ronald Steckel.

https://verlagmagischeblaetter.eu

 

Ein kostbarer, noch zu hebender Schatz…

…Ich verehre Simone Weil, sie ist eine geistige Riesin, anders kann ich es nicht sagen – ihre Cahiers, ihre Essays und ihr letzter, unvollendeter Text „Die Einwurzelung“ sind monumentale Arbeiten, die noch nicht wirklich ausgeschöpft sind, ähnlich wie die Schriften Jacob Böhmes. Sie war politisch aktiv, arbeitete in Fabriken und lehrte an Universitäten, und sie hat auf ihrer Suche die gesamte metaphysische Weltliteratur studiert und analysiert und ihre wahrhaft radikalen Folgerungen daraus gezogen. Sie ist für mich, wie Jacob Böhme, ein kostbarer, noch zu hebender Schatz, eine eigentlich zukünftige Gestalt…

In: Der Mensch ist ein Doppelagent. Fragen von Marcelle De Michiel an Ronald Steckel

Erschienen in: „Magische Blätter“ CI. Jahrgang, Februar 2020, Heft 1. Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

Tao Te King: Vom Nichthandeln

Die Welt erobern und behandeln wollen,
ich habe erlebt, dass das misslingt.
Die Welt ist ein geistiges Ding,
das man nicht behandeln darf.
Wer sie behandelt, verdirbt sie,
wer sie festhalten will, verliert sie.
Die Dinge gehen bald voran, bald folgen sie,
bald hauchen sie warm, bald blasen sie kalt,
bald sind sie stark, bald sind sie dünn,
bald schwimmen sie oben, bald stürzen sie.
Darum meidet der Berufene
das Zusehr, das Zuviel, das Zugroß.

29. Vom Nichthandeln – aus dem Tao Te King von Laotse (480 – 390 v.u.Z.)

Geistig wachen Christen geboten

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Hartes, nüchternes, bohrendes –
wenn es sein muss
Fragen ist schon ein Akt der Frömmigkeit,
die dem geistig wachen Christen geboten ist.

Der Jesuit Karl Rahner in seiner Meditation „Ich glaube an Jesus Christus“ (1968)

Gefunden habe ich dieses Zitat Rahners hier: https://andreas-batlogg.de/ueber-mich/

Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?

„Das Geistige im Film ist ein noch unentdeckter Kontinent, ein Kapitel der Filmgeschichte, das noch nicht wirklich aufgeschlagen wurde. Es sollte uns nicht genügen, immer wieder die gleiche Form des Kinos zu reproduzieren. Um etwas in unserem Leben wahr werden zu lassen, müssen wir es vorher gesehen haben. Es wäre verfehlt und unrealistisch, das derzeitige Filmsystem angreifen oder gar abschaffen zu wollen, aber es bedarf dringend der Ergänzung und des Ausgleichs. Was den meisten Filmen fehlt, ist nicht das technische Vermögen, sondern der emotionale und geistige Reichtum. Im Grunde wäre das Fernsehen ein ideales Medium, den Zuschauer Erfahrungen mit neuen Formen machen zu lassen, ihre Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erweitern. Bei einer so großen Anzahl von Fernsehkanälen sollte es sich unsere Gesellschaft zur Aufgabe stellen, zumindest einen „Leuchtturm“ zum Brennen zu bringen. Wenigstens einen Fernsehkanal zur Schutzzone zu erklären, auf dem sich der Zuschauer sicher fühlen könnte, weil der Fernsehdirektor und die Gremien bei der Auswahl des Programms die Verantwortung für die Seelen ihrer Zuschauer im Blick hätten. Keine Zerstreuung, sondern Sammlung. Gerade in Anbetracht der kollektiv erbrachten Rundfunkgebühren sollte ein solches Vorhaben umgesetzt werden. Lebendi­ges Leben eingebettet in einem zeitlos, geistigen Organismus.

Dort könnten die europäischen Pioniere Robert Bresson, Ingmar Bergman, Luis Buñuel geehrt werden, Pier Paolo Pasolinis „Das Evangelium nach Matthäus“ (1964) und Carl Theodor Dreyers „Das Wort“ (1955), „Der Himmel über Berlin“ (1987) von Wim Wenders oder der amerikanische Filmklassiker „Lost Horizon“ (1937) von Frank Capra gezeigt werden. Und aus dem asiatischen Kino bieten sich die Filmwerke von Akira Kurosawa und Yasujiro Ozu. In „Rashomon“ (1954), einem Klassiker des japanischen Kinos, stellt sich das Erleben eines scheinbar für alle Beteiligten gleichen Geschehens als subjektiv sehr verschieden dar und zieht da­mit die objektive ethische Urteilsfähigkeit des Menschen in Zweifel. Ebenso ist der Film „Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach“(1989) von Young-kyon Bae zu erwähnen. Und es sollten auf jeden Fall auch Filme aus der Bildenden Kunst gezeigt werden wie „Variations Of A Cellophane Wrapper“ (1970) von David Rimmer, „Pas des Deux“ (1968) von Norman McLaren und „Lapis“ (1966) von James Whit­ney, nicht zu vergessen die Arbeiten von Maya Deren und Jordan Belson.

… Filmkunst als Ausdruck und Weg unseres geistigen und seelischen Erwachens. Und als Mittel und Medium unserer Selbstgestaltung.“

Gefunden habe ich dieses Zitat Hier: http://www.organisationzurumwandlungdeskinos.de/ Er erschien unter dem Titel „Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?“ im ersten Heft der neu aufgelegten „Magischen Blätter“, Ronnenberg, Frühjahr 2020

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatszeitschrift

Nachvollziehbare Wege und Formen der geistigen Versenkung

Cover der neu belebten „Magischen Blätter“

Anleitungen zur Meditation, zur inneren Versenkung, gehören z. B. in vielen Kulturkreisen Asiens zur elementaren Pädagogik, man bringt das schon Kindern bei, man lernt das ganz selbstverständlich, nicht nur als Verbindung mit sich selbst und zu sich selbst, sondern auch als Vorbereitung der Öffnung für das große Geheimnis, das Göttliche. Es ist die Voraussetzung für ein Erfahrungswissen, das in dieser Form bei uns nicht existiert, nicht in der Moderne. Wir sind, was eigene, uns entsprechende geistige Wege angeht, in der Fülle der Angebote unsicher – es gibt ja mittlerweile einen „Religionsmarkt“! Aber wer anfängt, ernsthaft zu suchen, findet schnell heraus, dass nicht nur Mutter Asien, sondern auch das Abendland ein sehr machtvolles spirituelles Erbe mit sich führt, das aber im Wesentlichen brach liegt und nur von Einzelnen konsequent erschlossen wird. Bei Meister Eckhart und Johannes Tauler oder bei Jacob Böhme oder bei Mechtild von Magdeburg und Hildegard von Bingen – und bei noch ganz anderen großen Geistern! – findet man viele Hinweise zu sehr einfachen, nachvollziehbaren Wegen und Formen der geistigen Versenkung. Also Anleitungen liegen vor, man kann Gebrauch von ihnen machen.

In: Der Mensch ist ein Doppelagent. Fragen von Marcelle De Michiel an Ronald Steckel. Erschienen in „Magische Blätter – Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung, Ronnenberg, Heft 1, Frühjahr 2020, S. 49-50. Titelthema ist: TEXTE ZUM GEISTIGEN IM FILM

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