Das Atom des heiligsten Herzens

Bild: privat

Dein Atom, heiligstes Herz,
Schenkt Dir sein Leben.
Sieh, das ist sein Friede, sein Glück,
Dich zu entzücken, Herr!

Ich bin an Deiner Pforte
Tag und Nacht;
Deine Liebe trägt mich.
Es lebe die Liebe!

Verbirg Deine Glorie!
Mach mir eine süße Bleibe
Im heiligen Speisekelch
Bei Tag und bei Nacht!

Dein Fittich, o Wunder,
Wird mein Zufluchtsort.
Wenn ich erwache,
Jesus, lächelst Du.

Dein Blick entflammt mich,
Meine einzige Liebe!
Verzehre meine Seele,
Jesus, unwiederbringlich!

Erfüllt von Zärtlichkeit,
Entzückt mich Deine Stimme,
Und Dein Herz presst mich
An meinen süßen Freund! …

Deine Hand gibt mir Hilfe
Und dient mir als Stütze.
Mut verleihst Du
Dem Herzen, das seufzt.

Von aller Ermüdung
Tröste mein Herz,
Und für den verlorenen Sohn
Sei Du der gute Hirt!

O liebliches Schauspiel,
O Wunder der Liebe!
Ich bleib immer
Im Tabernakel.

Befreit von der Welt,
Ohne irgendeine Stütze,
Überflutet mich Deine Gnade,
Mein einziger Freund! …

Welch süßes Martyrium!
Ich brenne vor Liebe.
Jesus, jeden Tag
Seufze ich nach Dir.

Therese von Lisieux / Theresia vom Kinde Jesus und vom heiligen Antlitz (1873 – 1897)

Hin zu den Quellen, zum Sinn des Lebens, zur Religion

Umschlag einer späteren Ausgabe von „Berlin Alexanderplatz“

Aber zuviel Hände und Herzen über der Kunst! Zu wenig im Leben, das nur dilettantisch nebenbei gelebt wird, als eine Sache, die sich in den freien Berufsstunden abspielt Zu wenig Menschen im Geistesleben. Zu viele in der Wissenschaft, zu viele Menschen in den Millionen Kämmerchen der Akademien zerstreut; es macht keinen Unterschied ob sie Bakteriologen, Historiker einer bestimmten Epoche eines sehr bestimmten Ländchens, Philologen in einem Sprachwinkel sind. Hin zu den Quellen, zum Sinn des Lebens, zur Religion. Das Zentrum finden. Sich reinigen, sich erkennen.

Alfred Döblin (1878 – 1957) in seinem Essay „Jenseits von Gott!“ aus dem Jahre 1919. Zitiert wird es in dem außerordentlich spannenden Beitrag von Thomas Isermann: Großstadtmystik. Der Begriff und seine Anwendung auf Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ Der vollständige Beitrag Isermanns kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER, BUCH X
CIII. Jahrgang, Juni 2022, Heft 6 / Thema: DIE DEUTSCH-JÜDISCHE SYMBIOSE – EINHEIT IM SCHÖPFERISCHEN

Bestellt werden kann die Ausgabe hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/publikationsreihe/magische-bl%C3%A4tter-buchreihe

Mitten in deinem Herzen geborgen

Foto: (c) wak

Alle, die du in deine Arme schließt, Herr,
ziehst du doch fest an dein Herz.
Dein Herz ist das süße Manna,
Gott, den du, Jesus,
in deiner Weisheit in dir trägst
wie in einem goldenen Krug.
Selig sind alle, die deine Umarmung zu diesem Manna zieht,
selig alle, die du in diesem verborgenen Geheimnis
mitten in deinem Herzen geborgen sein lässt.

Wilhelm von Saint-Thierry (* zwischen 1075 und 1080 – 1148)

Die Welt vor dem Hintergrund Gottes betrachten

Titus Brandsma in seiner Häftlingskleidung / Foto: Archiv

Wir dürfen keine Trennung
zwischen Gott und der Welt
in unserem Herzen vornehmen,
wir müssen vielmehr
die Welt stets
vor dem Hintergrund Gottes betrachten.

Titus Brandsma OCarm (1881 – 1942 im Konzentrationslager Dachau). Er wurde am 15. Mai 2022 heiliggesprochen. Mehr zu ihm hier: https://www.domradio.de/artikel/titus-brandsma-wird-im-vatikan-heiliggesprochen

Muscheln im Meer unseres Herzens

Photo by Anna Tarazevich on Pexels.com

Göttliche Erleuchtungsstunden sind Muscheln,
die im Meere unseres Herzens liegen,
der Morgen der Auferstehung
wirft sie ans Ufer
und sie springen auf.

Husain al Halladsch (+ 921 u.Z.)

Du bist wie ein kostbarer Edelstein

Foto: (c) wak

Ein Bruder fragte den Altvater Poimen: „Es ist eine Verwirrung über mich gekommen: ich möchte diesen Platz verlassen.” Der Greis antwortete: „Aus welchem Grund?” Und jener sagte: „Weil ich von einem Bruder Reden hören muß, die mich nicht erbauen.” Und der Greis fragte: „Ist das wahr, was du gehört hast?” Er sagte ihm: „Ja, Vater, es ist wahr, denn der Bruder, von dem ich es vernahm, ist verläßlich.” Er entgegnete ihm: „Nein, er ist nicht verläßlich, der dir das sagte; denn wenn er verläßlich wäre, dann hätte er dir nie so etwas gesagt. Auch Gott glaubte nicht, als er das Geschrei der Sodomiter hörte, sondern stieg herab und sah mit seinen eigenen Augen” (Gen 18, 20). Darauf sagte jener: „Auch ich habe mich augenscheinlich überzeugt.”

Als der Greis das hörte, blickte er auf den Boden, nahm einen kleinen Splitter und fragte ihn: „Was ist das?” Jener antwortete: „Ein Splitter!” Darauf blickte der Greis an die Decke der Zelle und fragte ihn: „Was ist das?” Jener antwortete: „Es ist ein Balken, der das Dach trägt!” Da sagte der Alte: „Bewahre in deinem Herzen, daß deine Sünden so sind, wie dieser Balken; die Sünden jenes Bruders aber, von dem du sprachst, sind wie dieser kleine Splitter.” Als der Altvater Sisoes das hörte, ward er verwundert und sprach: „Wie kann ich dich genug selig preisen, Abbas Poimen? Wahrlich, du bist wie ein kostbarer Edelstein, so voller Gnade und Herrlichkeit sind deine Worte.”

Aus den Apophthegmata Patrum – Weisung der Väter. Übersetzung von Bonifaz Miller, Trier 1986

Spiegel des eigenen Herzens

Foto: (c) wak

Ein Sultan rief, so wird berichtet, Maler in seinen Palast. Eine Gruppe kam aus China, eine andere aus Byzanz. Die chinesischen Maler behaupteten, sie seien die besten Künstler. Und die griechischen haben ihrerseits den Vorrang ihrer Kunst beansprucht. So beauftragte der Sultan beide Gruppen von Künstlern, dass sie zwei gegenüberliegende Wände mit Fresken schmücken sollten. Nun wurde ein Vorhang in der Mitte des Raumes gespannt, so dass die beiden Gruppen nicht sehen konnten, was die jeweils andere tat. Voller Eifer haben die Chinesen alle nur erdenklichen Arten von Malerei angewandt und sich enorm angestrengt. Die Griechen dagegen gingen her und polierten und glätteten die ihnen zugewiesene Wand unaufhörlich.

Als nun der Vorhang weggezogen wurde, konnten die wunderbaren Fresken der chinesischen Maler bewundert werden. Auf der gegenüberliegenden Wand spiegelten sie sich, so dass all die zauberhaften Malereien der Chinesen auf der Seite der Griechen viel schöner erstrahlte.

Die Griechen, das sind die Sufis. Sie sind ohne Studien, ohne Bücher, ohne Bildung. Aber sie haben ihre Herzen geglättet. Sie sind gereinigt von Verlangen, Begehren, Habsucht und Haß. Diese Reinigung eines Spiegels ist ohne jeden Zweifel das Herz, das unzählige Bilder empfängt. Der vollkommene Heilige bewahrt in seinem Innern die unendliche Form ohne Form vom Unsichtbaren, reflektiert im Spiegel seines eigenen Herzens.

Diese Parabel von Rumi (+ 1273) zum Weg der Gotteserkenntnis wurde berichtet in dem Buch von Eva de Vitray-Meyerovitch: Anthologie du soufisme. Paris 1978. Hier von mir verkürzt erzählt aus der Dokumentation des Meditationszentrum Exercitium Humanum in Tholey von einer Pfingsttagung zum mystischen Weg von Juden, Christen und Muslime im Jahr 1980

Die Gnade des Gurus ist immer da

Ramana Maharshi / Bild: Archiv

Die Gnade des Gurus ist immer da. Du stellst dir vor, sie sei irgendwo anders hoch in den Himmeln, und sie müsse zu dir herabsteigen. In Wahrheit ist sie in deinem Herzen. Im selben Moment, in dem du durch irgendeine Methode das Eingehen in oder Verschmelzen des Gemüts mit seiner Quelle erreicht hast, schwillt die Gnade an und setzt sich wie ein Springbrunnen innerhalb von dir fort.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Geheimnisvolle Tiefe empfinden

Für abendländische Gelehrte scheinen die großen religiösen Schriften Indiens nur historisches und archäologisches Interesse zu haben. Aber für uns haben sie lebendige Bedeutung, und wir können nicht umhin zu glauben, daß sie diese Bedeutung verlieren, wenn man sie in etikettierten Glaskästen ausstellt, als einbalsamierte Musterexemplare menschlichen Denkens und Trachtens, die man für alle Zeiten sorgfältig in den Mumienbinden der Gelehrsamkeit aufbewahrt.

Der tiefe Sinn der lebendigen Worte, die der Ausdruck der Erfahrungen großer Herzen sind, kann nie durch irgendeine noch so scharf- oder feinsinnige logische Erklärung erschöpft werden. Solche Worte erhalten erst ihre Deutung durch eine endlose Reihe von Einzelleben, und je mehr sich ihr Sinn uns enthüllt, je mehr empfinden wir ihre geheimnisvolle Tiefe.

Rabindranath Tagore (1861-1941) in seinem Vorwort zu Sadhana. Der Weg der Vollendung. München 1921

Finde angehaltenen Atems deinen Stand im Selbst

Ramana Maharshi | Bild Archiv

Mitten in der Höhle des Herzens
leuchtet allein das reine Unbedingte (brahman)
als ICH-ICH offenbar in Gestalt des Selbst (atman).

Lass dein Gemüt sich selbst erforschen
und im Herzen untertauchen
und finde angehaltenen Atems
deinen Stand im Selbst.

Heinrich Zimmer: Der Weg zu Selbst. Lehre und Leben des Shri Ramana Maharshi. Kreuzlingen/München, 9. Aufl. 2001. S. 55