Alle Welt in seine Arme geschlossen

Hildegard von Bingen / wikimedia, gemeinfrei

Der Mensch stand auf entfacht
vom Lebenshauch seiner Seele
und kam zur Erkenntnis
der gesamten Schöpfung.

In seiner Geistigkeit
und mit herrlicher Liebe
schloss der Mensch
alle Welt in seine Arme.

Hildegard von Bingen (ca. 1098 – 1179)

Teilhard de Chardin: Die Tiefe in uns berühren

Screenhot https://cynthiabourgeault.org/biography/

Die großartige Erkenntnis Teilhards lautet, dass das Unpersonale „wesentlich unliebenswert“ ist. Erst wenn uns der evolutionäre Impuls in einem Gesicht, in einem Herzen begegnet, berührt er auch diese Tiefe in uns und führt uns entlang eines evolutionären Weges, der nur von der Liebe navigiert werden kann. Die Liebe ist die richtungsweisende Energie der Evolution und führt zum Bewusstsein, dessen Höhepunkt nichts anderes ist als die vollständige Entpuppung der Liebe. Der wesentliche Modus der Liebe ist persönlich, und wenn wir versuchen, das Persönliche einzustellen, kommen die Räder der Evolution knirschend zum Stillstand.

Cynthia Bourgeault: „Gott ist eine Person!“ Enstatische Personifizierung gemäß der Evolutionsanschauung von Teilhard de Chardin

Der vollständige und umfangreiche Beitrag von Cynthia Bourgeault ist hier zu lesen.

MAGISCHE BLÄTTER, BUCH X
CIII. Jahrgang, Mai 2022, Heft 5 / Thema: VON JACOB BÖHME ÜBER DIE ROMANTIK ZUM BÖHME-BUND

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Erkenntnis ist ein Licht der Seele

Gedenktür für Meister Eckhart (1260 – 1328) in Erfurt

Noch gibt es eine andere Erklärungsweise und Belehrung für das, was unser Herr einen „edlen Menschen“ nennt. Man muß nämlich auch wissen, daß diejenigen, die Gott unverhüllt erkennen, mit ihm zugleich die Kreaturen erkennen; denn die Erkenntnis ist ein Licht der Seele, und alle Menschen begehren von Natur nach Erkenntnis, denn selbst böser Dinge Erkenntnis ist gut. Nun sagen die Meister: Wenn man die Kreatur in ihrem eigenen Wesen erkennt, so heißt das eine „Abenderkenntnis“, und da sieht man die Kreaturen in Bildern mannigfaltiger Unterschiedenheit; wenn man aber die Kreaturen in Gott erkennt, so heißt und ist das eine „Morgenerkenntnis“, und auf diese Weise schaut man die Kreaturen ohne alle Unterschiede und aller Bilder entbildet und aller Gleichheit entkleidet in dem Einen, das Gott selbst ist. Auch dies ist der „edle Mensch“, von dem unser Herr sagt: „Ein edler Mensch zog aus“, darum edel, weil er Eins ist und Gott und Kreatur im Einen erkennt.

Aus  Meister Eckharts Traktat „Vom Edlen Menschen“. In: Meister Eckhart. Deutsche Predigten und Traktate. Herausgegeben und übersetzt von Josef Quint. München 1963, 71995, S. 146

Meditation ohne Erkenntnis…

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Meditation ohne Erkenntnis
mag zwar eine Zeit lang
wohltuend wirken;
verfehlt jedoch
ihr eigentliches Ziel.
Selbst wenn man Gold oder Silber
noch so sehr schmilzt:
Sobald das Feuer erlischt
verhärten sie wieder.

Gampopa (1079 – 1153)

Die Flammen des Hasses mit Wasser der liebenden Güte löschen

Foto: (c) wak

Um den Dharma zu praktizieren, müsst ihr euren Geist zähmen:
Löscht die Flammen des Hasses mit dem Wasser der liebenden Güte.
Überquert den Fluss des Anhaftens auf der Brücke der wirkungsvollen Gegenmittel.
Erhellt die Dunkelheit der Unwissenheit mit der Fackel der Erkenntnis.
Rückt den Felsen des Stolzes mit dem Hebel des Mutes beiseite.
Schützt euch vor dem Wind der Eifersucht mit dem Gewand der Geduld.

Und da man im Allgemeinen seinen Geist dadurch zerstört, dass man den fünf Giften freie Hand lässt, lasst diese Gifte nicht nach Belieben schalten und walten: Dieser Punkt ist ganz besonders wichtig!

Padmasambhava (8. / 9. Jh.)

Yoshida Kenkô: Betrachtungen aus der Stille ~ Hörbuch von Andreas Brehmer und Ronald Steckel

CD von nootheater & Organisation zur Umwandlung des Kinos

Der Autor Yoshida Kenkô (1283–1350) stammt aus einer alten japanischen Priester- und Gelehrtenfamilie und war Hofmeister, Offizier der kaiserlichen Palastwache und Dichter, bevor er sich mit etwa vierzig Jahren aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzog und in den Mönchsstand eintrat. Seine Aufzeichnungen wurden erst nach seinem Tod in seinen zwei Hütten auf an den Wänden haftenden Papieren entdeckt und gesammelt; ein Teil war von seinem Diener zusammengetragen worden.

Oskar Benl, der die Betrachtungen aus der Stille ins Deutsche übertragen hat, schreibt in seinem Nachwort: „Kenkô besaß in hervorragendem Ausmaß die ganze Bildung seiner Zeit. Er war mit dem Konfuzianismus nicht weniger als mit dem Taoismus von Lao-tse und Chuang-tse und deren Ideal des ’Nicht-Handelns‘ (wu-wei) vertraut. Er ist zutiefst den sinnlosen Hasten und Jagen dieser Welt abgeneigt und sehnt sich nach der friedlichen, ganz dem Erleben der Schönheit hingegebenen Heian-Zeit zurück, für die der berühmte, aber kaum übersetzbare Begriff des „mono no aware“ bezeichnend ist. Mono no aware begreifen, heißt: sich von den Dingen der Welt bewegen lassen, die Erscheinungen der Jahreszeiten innig miterleben und in der Liebe unbedingt der Stimme des Herzens folgen.“

Das Werk enthält in 243 Kapiteln von sehr unterschiedlicher Länge, bunt aneinandergereiht, Betrachtungen über die mannigfachen Dinge des Lebens, über das Glück der Einsamkeit, über Tempel und seltsame Mönche, über die Liebe, alte Bräuche, Gedichte, über Einfalt und Leichtsinn der Menschen.

Wie ein roter Faden zieht sich durch dies alles die Erkenntnis vom Unbestand allen Daseins und von der Notwendigkeit, sich in rechter Weise auf das Sterben vorzubereiten. Hierin liegt kein wehleidiger Pessimismus, sondern das Wissen um die wahre Beschaffenheit menschlicher Existenz. Alles in diesem Leben muss unter dem Blickwinkel des Todes betrachtet werden. ’Ein Tag im Leben ist wertvoller als ein Berg Gold… Jeden Tag sollte er (das heißt der Mensch) über das Glück des bloßen Daseins in Jubel ausbrechen.‘ Auch von Kenkô gilt wohl Nietzsches Wort über Montaigne: „Dass ein solcher Mensch gelebt habt, dadurch ist wahrlich die Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden.“

Andreas Brehmer und Ronald Steckel haben aus der Übertragung Oskar Benls eine Hörbuchfassung destilliert; die Sprachaufnahmen entstanden 2019/2020 in Berlin in einer Produktion des nootheaters und der Organisation zur Umwandlung des Kinos; der Sprecher ist Ulrich Gerhardt.

Hier gibt es eine Hörprobe: https://irp-cdn.multiscreensite.com/0c970045/files/uploaded/KENKO%CC%82%20MB.mp3

Bestellt werden kann das Hörbuch hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu subject: Bestellen:KENKO

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Strahl der göttlichen Erkenntnis

Foto: (c) wak

Die Seele tut kein Werk mehr für Gott, noch auch für sich oder ihre Nächsten. Aber Gott wirkt es, wenn er will, er kann es tun. Und wenn er nicht will, so macht ihr das nichts aus, das eine ist wie das andere: sie bleibt immerfort im einen und selben Zustand. Dann ist der Strahl der göttlichen Erkenntnis in dieser Seele, er zieht sie aus sich selbst ohne ihr Dazutun in einen staunensvollen Frieden.

Margareta Porete / Marguerite Porète (* um 1250/1260 – 1. Juni 1310) im „Spiegel der einfachen Seelen“. Die Begine wurde als Häretikerin auf Anweisung der Inquisition in Paris verbrannt. Ihre Aussagen haben Parallelen zur Mystik von Meister Eckhart.

Die Wahrheit dieser Welt

Foto: (c) wak

Der Buddha realisierte Dhamma, und zwar den Dhamma, der ständig in der Welt vorhanden ist. Man kann ihn mit Grundwasser vergleichen, was permanent im Boden vorrätig ist. Wenn jemand einen Brunnen auszuheben wünscht, dann muss tief gegraben werden, um den Grundwasserspiegel zu erreichen. Das Grundwasser ist bereits vorhanden, man braucht es nicht zu erschaffen, sondern einfach nur zu entdecken. Auf ähnliche Weise hatte der Buddha den Dhamma nicht erfunden oder gar verfügt, sondern er offenbarte lediglich, was bereits vorhanden war. Der Buddha schaute Dhamma in innerer Betrachtung. Deshalb sagt man vom Buddha, dass er erleuchtet war, denn Erleuchtung bedeutet, Dhamma zu erkennen. Dhamma ist die Wahrheit dieser Welt. Seit Siddhattha Gotama dies erkannt hatte, wurde er als der „Buddha“ bezeichnet; und Dhamma ist das, dessen Erkenntnis es anderen Menschen möglich macht, ein Buddha zu werden.

Ajahn Chah (1918 – 1992)

Anmerkung: Dhamma im Pali oder Dharma im Sanskrit umfasst die Gesamtheit der religiösen und ethischen Pflichten und zeigt damit den Weg, auf dem man zum transzendentalen Bewusstsein, zum reinen geistigen Selbst-Sein kommt.

Einfach Sein

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Das Selbst ist immer gegenwärtig. Jedermann möchte das Selbst erkennen. Welche Hilfe braucht man, um sich selbst zu erkennen? Die Menschen möchten das Selbst als etwas Neues sehen. Aber es ist ewig und gleichbleibend. Sie wollen es als strahlendes Licht oder so etwas sehen. Wie wäre das möglich! Es ist weder Licht noch Finsternis. Es ist nur, was es ist, und kann nicht definiert werden. Die beste Definition ist „Ich bin, der ich bin”. Die Shrutis (heiligen Schriften) beschreiben das Selbst als von Daumengröße, als Spitze eines Haares, als elektrischen Funken, unermesslich, feiner als das Feinste usw. Es ist nur Sein, aber verschieden vom Wirklichen und Unwirklichen; es ist Erkenntnis, aber verschieden von Wissen und Nichterkenntnis. Wie kann man es überhaupt definieren? Es ist einfach Sein.

Ramana Maharshi in: Sei, was du bist! Herausgegeben von David Godman. 2001, Bern / München / Wien, S. 20

Tiefere Schau nach innen vermitteln

… Es wäre grober Irrtum, wollte man meinen, daß jedes moderne Bild gut sein müsse, nur weil es eben modern ist, und ebenso wäre es verfehlt, würde man von vornherein einen Künstler abtun, nur weil er sich nicht der gegenwärtig vorherrschend gebräuchlichen Ausdrucksmittel bedient; maßgebend allein ist die Gesinnung, welche dem Künstler Antrieb zum Schaffen wird, denn aus ihr heraus werden sich entweder seine Werke zu Stufen entwickeln, die immer höhere geistige Erkenntnis, immer tiefers Schauen nach innen vermitteln – oder aber die ganze Produktion des Malers, der nicht mehr Künstler zu nennen ist – wird sich auf einer Ebene vollziehen, die nur in dem Streben nach besonders ergiebiger Wirtschaftlichkeit aufgesucht wird. …

Friedrich Rudolf Schwemmer in seinem Beitrag „Kunst und Kunstbetrachtung“. Erschienen in: Magische Blätter, Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung, VII. Jahrgang, S. 52 – 62, Verlag Magische Blätter, 1926, Leipzig

Der ganze Beitrag Schwemmers ist aktuell hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VIII
CII. JAHRGANG WINTER 2021/2022

Januar 2022: Sakralkunst

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