Der Sufismus oder die Mystik

Der Sufismus oder die Mystik

  1. ist die Essenz alles Wissens.
  2. Er ist die Reinigung des Herzens und der Seele.
  3. Er ist das Vereintwerden mit Gott.
  4. Er ist das Wegnehmen der Schleier zwischen Mensch und Gott.
  5. Er ist die Bemeisterung der Gegenwart und die Sicherung der Zukunft.
  6. Er ist die Aufopferung der Ichheit.
  7. Er ist der Verzicht auf die Güter beider Welten.
  8. Er ist das innere Sichfinden, das innere Lauschen und das innere Entzücken.
  9. Er ist die Einweihung im Tempel der Wahrheit.
  10. Er ist die Entzündung des Gottesfunkens im Herzen.
  11. Er ist das Verzichten auf die Selbstüberhebung und Selbstanbetung.
  12. Er ist der Führer zur Einheit.
  13. Er ist das Schließen der Augen für alles außer Gott.
  14. Er ist das Nichtsein in sich und das Da-Sein in Gott,
  15. Er ist das Aufheben des Vorhanges der Geheimnisse Gottes.
  16. Er ist das Erlöstsein vom Ich und das Vereintsein mit dem Du.
  17. Er ist das Nichtsein, das alles Dasein umschließt.
  18. Er ist das Sichselbstbeschauen der Seele im Spiegel der göttlichen Liebe.
  19. Er ist das Schweigen der Vergänglichkeit und das Reden der Ewigkeit im Menschen.
  20. Er ist das Sterben, welches das ewige Leben in sich trägt.
  21. Er ist das Empfinden des Erlöstseins vom Dasein und vom Nichtdasein.

Iranschähr, Hossein Kazemzadeh (1884 -1962): Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams,, Berlin 1934, S. 11-12

 

 

Die wahre Religion verwirklicht / Sufi-Mystik und Doing Nothing / 27. Oktober 2019 / Herzliche Einladung

Screenshot eines Zikr-Videos

Die islamischen Sufis — wie auch die großen Mystiker des Christentums — sind nicht immer von ihren Landsleuten verstanden, verehrt und beachtet worden, sondern viele von ihnen wurden oft verfolgt, märtyrisiert, verbannt oder gehängt. Der Boden der islamischen Länder ist oft mit dem Blut dieser gotterfüllten Menschen getränkt worden.
… diese heiligen Meister haben in sich die geistige Erkenntnis mit dem tiefen, religiösen Empfinden einverkörpert. Sie haben den scharfen und kalten Verstand mit der Wärme des Herzens vereinigt. Sie haben die reine, göttliche Vernunft mit dem inneren Wahrnehmen und Empfinden, mit der intuitiven Schau und mit dem Glauben in Einklang gebracht, und dadurch die wahre Religion, d. h. die Gottverbundenheit in sich verwirklicht. Daraus haben sie ja jene höhere Erkenntnis der Wahrheit erreicht, welche den größten Denkern des Abendlandes bis heute noch unerreichbar geblieben ist.
Hossein Kazemzadeh Iranschähr (1884 -1962)

Sufis geht es nicht um abstraktes, theoretisches Wissen. Sie wollen den inneren Sinn der Worte erfassen. Dieser tiefere Sinn, quasi zwischen den Zeilen des geschriebenen Wortes, öffnet ihnen den Pfad für die eigene existentielle Erfahrung.

Was also ist Sufismus? Ist er ein Weg zur höchsten Erkenntnis, ein Pfad der Liebe, ein Weg des Herzens?

Diesen und anderen Fragen um die mystische Dimension des Islam wollen wir am 27. Oktober nachgehen und sehen, was uns seine Mystikerinnen und Mystiker für unseren eigenen spirituellen Weg sagen können.

Wer nur Interesse hat zum Doing Nothing zu kommen, ist herzlich eingeladen erst um 12:30 dazu zu kommen.

Organisatorisches:
Damit wir besser planen können, bitten wir um frühzeitige Anmeldung bei
Werner A. Krebber: Fon / AB 0209 / 20 56 95 am besten aber über Email: werner.krebber@web.de

Adresse der Veranstaltung: Rolandswerther Str 14 – 50937 Köln
(bei Kaluza/Westmeier klingeln)

Zum Mystikkreis Köln:
Wir treffen uns etwa ein Mal im Monat im Kölner Stadtteil Sülz, meist am ersten Sonntag des Monats. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt.
Kostenbeitrag für den ganzen Tag: 15,– Euro (+ ein freiwilliger Obolus für den Mittagstisch).
Kostenbeitrag nur für den Nachmittag: 10,– Euro.

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen

Rani www.doingnothing.de

und Werner https://mystikaktuell.wordpress.com/

Informationen auch hier: https://www.facebook.com/events/430138524301102/

… als seiest Du unter Engeln

Foto: © wak

Deine Freude an der Welt ist niemals echt, ehe du nicht allmorgendlich im Himmel erwachst, dich im Palast deines Vaters fühlst, den Himmel, die Erde, die Luft empfindest als paradiesische Freuden und ein solches Hochgefühl von allem hast, als seiest du unter Engeln.

Thomas Trahernes (1636 – 1674) in „Centuries of Meditations“

Spiritualität ist eine Lesekunst

Foto: © wak

Spiritualität ist eine Lesekunst. Es ist die Fähigkeit, das zweite Gesicht der Dinge wahrzunehmen: die Augen Christi in den Augen des Kindes; das Augenzwinkern Gottes im Glanz der Dinge. Nicht Entrissenheit, sondern Anwesenheit und Aufmerksamkeit ist ihre Eigenart. Sie ist keine ungestörte Entweltlichung und Einübung in Leidenschaftslosigkeit. Sie ist lumpig und erotisch, weil sie auf die Straße geht und sieht, was dem Leben geschenkt ist und was ihm angetan wird. Es gibt also einen Vorhof der ausdrücklich religiösen Spiritualität, es ist die Aufmerksamkeit im alltäglichen Leben. Bin ich fähig, wahrzunehmen und zu empfinden. Wie lese ich die Schmerzen der Menschen und wie lasse ich mich von ihnen berühren? Wie gehe ich mit den Dingen des alltäglichen Lebens um? Bin ich fähig, sie als Gaben zu ehren oder bin ich ausschließlich Benutzer und Verfüger der Welt? Ehre ich das Wasser, die Stille, die Nacht, die Tiere, die Luft zum Atmen, oder wähne ich alles für mich und meinen Nutzen? Spiritualität ist gebildete Aufmerksamkeit.

Fulbert Steffensky (*1933)

Freude an der Welt

Deine Freude an der Welt
ist niemals echt,
ehe du nicht allmorgendlich
im Himmel erwachst,
dich im Palast deines Vaters fühlst,
den Himmel, die Erde, die Luft empfindest
als paradiesische Freuden
und ein solches Hochgefühl von allem hast,
als seiest du unter Engeln.

Thomas Trahernes (1636 – 1674) in „Centuries of Meditations“

Die Einheit erfahren

“Trink, was in dem Glas ist”, sagt Rumi und meint damit, dass der Rahmen, das Gefäß, zwar zu beachten, aber nicht über Gebühr zu bewerten sei, dass wir sehen, indem wir die Einheit des anderen empfinden und erfahren, erleben und belegen. Indes wäre es falsch, in einer inneren Haltung zu verharren, denn um zur Perle zu werden, bedarf es der Muschel.

Die Einheit von Außen und Innen ohne Verhaftung an Innen oder Außen zu verstehen, zu unterscheiden, ohne in der Unterscheidung sich zu verlieren; zu sehen, ohne als Sehender über das Sichtbare zu stolpern; in einer ständigen Suche nach dem Geliebten sich zu verlieren und in Ihm aufzugehen, das umschreibt etwa den Weg des Mystikers.

Hadayatullah Hübsch (1946 – 2011)

Mehr hier: http://www.verlagderislam.de/media/products/0510275001195857112.pdf

Keine Perle ohne Muschel

“Trink, was in dem Glas ist”, sagt Rumi und meint damit, dass der Rahmen, das Gefäß, zwar zu beachten, aber nicht über Gebühr zu bewerten sei, dass wir sehen, indem wir die Einheit des anderen empfinden und erfahren, erleben und belegen. Indes wäre es falsch, in einer inneren Haltung zu verharren, denn um zur Perle zu werden, bedarf es der Muschel. Die Einheit von Außen und Innen ohne Verhaftung an Innen oder Außen zu verstehen, zu unterscheiden, ohne in der Unterscheidung sich zu verlieren; zu sehen, ohne als Sehender über das Sichtbare zu stolpern; in einer ständigen Suche nach dem Geliebten sich zu verlieren und in Ihm aufzugehen, das umschreibt etwa den Weg des Mystikers.

Hadayatullah Hübsch (1946 – 2011)

Mehr hier: http://www.verlagderislam.de/media/products/0510275001195857112.pdf