Lauter und rein

Foto: © wak

Wo und wann Gott dich bereit findet,
muss er wirken und sich in dich ergießen,
ganz so, wie wenn die Luft lauter und rein ist,
die Sonne sich in sie ergießen muss
und sich dessen nicht enthalten kann.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Hermann Hesse: Weg nach innen

 

Foto: © wak

Wer den Weg nach innen fand,
Wer in glühndem Sichversenken
Je der Weisheit Kern geahnt,
Daß sein Sinn sich Gott und Welt
Nur als Bild und Gleichnis wähle:
Ihm wird jedes Tun und Denken
Zwiegespräch mit seiner eignen Seele,
Welche Welt und Gott enthält.

Hermann Hesse (1877 – 1962)

Unsichtbares in unserem Innersten

© wak

 

Ein Vater reicht seinem Sohn einen großen Brocken Salz:
“Nimm dieses Salz, Shvetaketu,
und lege es in eine Schale Wasser.”

Einige Stunden später folgt eine zweite Bitte:
“Bring mir das Salz,
das du ins Wasser gelegt hast.”

So sehr der Junge auch nach dem Salzbrocken tastet,
er kann ihn nicht mehr finden.

“Koste nun von diesem Wasser, Shvetaketu.
Wie schmeckt es?”

“Es schmeckt salzig!”

“Wahrlich, lieber Sohn.
was in diesem Wasser enthalten ist,
du kannst es nicht mit den Händen greifen,
du kannst es nicht mit deinen Fingern fassen,
und dennoch ist es da.”

Wie das im Wasser verborgene Salz,
so will diese alt-ehrwürdige Erzählung sagen,
befindet sich in unserem Innersten etwas Unsichtbares.

“Jenes Feinste, Shvetaketu, das ist die Seele der ganzen Welt,
das ist das Wahre, das ist das Selbst –
das bist du.”

Aus der Chandogya Upanishad

Ein Tor in unserer Wesensmitte…

Foto: © wak

 

„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“ (Römer 11,33)

Ein Tor in unserer Wesensmitte tut sich auf und wir scheinen durch dieses Tor in unermessliche Tiefen zu fallen, die zwar grenzenlos, aber dennoch uns ganz zugänglich sind. In dieser einen stillen und atemlosen Berührung scheint die ganze Ewigkeit unser geworden zu sein.

Gott berührt uns und diese Berührung ist Leere und macht uns ganz leer. Er bewegt uns mit einer Einfachheit, die uns einfach macht. Alle Vielfalt, alle Kompliziertheit, alles Paradoxe, alle Vielzahl hören auf. Unser Geist schwebt in der Luft eines Verstehens, einer Wirklichkeit, die dunkel und heiter ist und in sich alles enthält.

Thomas Merton (1915 – 1968)

 

Das ganze Universum enthalten

Foto: © wak

Auch wenn der Ort,
an dem wir die Versenkung üben,
sehr klein ist,
enthält er doch das ganze Universum.
Auch wenn unser Geist begrenzt ist,
enthält er doch
die Grenzenlosigkeit.

Der chinesische Meister Sekito Kisen (700 – 790)

Den tiefsten Grund des Universums finden

Foto: © wak

Es gibt einen Platz im Herzen, worin das ganze Universum enthalten ist – Himmel wie auch Erde, das Feuer, die Luft, Sonne, Mond und das Leuchten der Sterne. Alles ist darin enthalten. Wenn wir über unseren Verstand mit seinen Möglichkeiten des Messens und seinen Kategorien von Raum und Zeit hinausgehen, finden wir den tiefsten Grund des Universums. Dort sind Leben und Intelligenz.

Bede Griffiths (1906-1993)

Leere und Fülle zugleich

Letztlich ist Tao
der den Ursprung
enthaltende und bewirkende
göttliche oder gottheitliche
Weltgeist oder Weltengrund,
durchaus unpersonaler Art,
der alles,
das Gestaltlose, das Unsichtbare,
sowie das Gestalthafte, das Sichtbare, durchwirkt
und zugleich Leere und Fülle ist.

Jean Gebser (1905 – 1973)