Zehn Gebote der Gelassenheit

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1. Leben:

Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Sorgfalt:

Nur für heute werde ich mit größter Sorgfalt auf mein Auftreten achten. Ich werde niemanden kritisieren, werde nicht dananch streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur mich selbst.

3. Glück:

Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich geschaffen bin, glücklich zu sein, nicht nur in der anderen Welt, sondern auch schon in dieser.

4. Realismus:

Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen.

5. Lesen:

Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele.

6. Handeln:

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen. Und ich werde sie niemandem erzählen.

7. Überwinden:

Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe, es zu tun. Sollte ich mich in meinen Gedanken verletzt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8. Planen:

Nur für heute will ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

9. Mut:

Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst, wenn die Umstände das Gegenteil zeigen wollten, dass die gütige Vorsehung sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

10. Vertrauen:

Nur für heute will ich keine Angst haben. Ganz besonders nicht davor, mich an allem zu freuen, was schön ist – und an die Liebe zu glauben.

Papst Johannes XXIII. ( 1881 – 1963)

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Ein spirituelles Leben führen

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Um ein spirituelles Leben führen zu können,
müssen wir den Mut aufbringen,
die Wüste der Einsamkeit zu betreten
und sie durch stetes Bemühen
in einen üppigen Garten
des Alleinseins zu verwandeln.

Henri J. M. Nouwen (1932 – 1996)

Gelassenheitsgebet

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Gott gebe mir
die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr (1892 – 1971)

Mehr zur Geschichte des Gelassenheitsgebetes und seinem vollständigen Text hier: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/gelassenheitsgebet/

Liebe und Mut, stärken und heilen

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Wenn wir nun die Erzählung des krausen Beiwerks entkleiden, bleibt uns eine Gestalt übrgig, sehr menschlich, sehr ernst, leidenschaftlich, plötzlicher Zornesaufwallungen fähig; ein Mensch, der eine neue, einfache und tiefe Lehre predigt, nämlich die weltumfassende, liebende Vaterschaft Gottes und das künftige Königreich des Himmels auf Erden. Sicher war er ein Mann von starker suggestiver Persönlichkeit. Er zog Jünger an sich und erfüllte sie mit Liebe und Mut. Schwache und leidene Menschen wurden durch seine Gegenwart gestärkt und geheilt. Doch dürfte er selbst von zarter Konstitution gewesen sein…

H.G. Wells (1866 – 1946) im Vorwort des Buches „Über Gott und die Welt. Revolutionäre Texte aus dem Neuen Testament“. Zürich 1975, S. 12 – 13

Mystik und Weltverantwortung

Mystik nährt unser Vertrauen, dass diese Welt, die von göttlicher Liebesenergie durchdrungen ist, nicht zugrunde gehen wird. Das gibt uns den Mut, die Ausdauer und die Hoffnung, die angesichts der sich zusammenbrauenden globalen Krisen so dringend gebraucht werden, und die keine Vernunft uns geben kann. Andererseits gewährt mystische Spiritualität die innere Kraft, Ohnmacht angesichts der Weltlage auszuhalten und einen Teil der viel zu großen Verantwortung loszulassen. In der mystischen Versenkung sitze ich im windstillen Auge des Wirbelsturms der Welt.

So gehören für mich Mystik und Weltverantwortung untrennbar zusammen. Mystische Weltverantwortung bewahre uns vor der Verbissenheit und dem Hochmut politischer Weltverbesserer. Und weltverantwortliche Mystik bewahre uns vor der Falle einer bloß individuellen Seelenrettung. Das Streben nach mystischer Erfahrung ist dann kein subtiler Egotrip, sondern Dienst an der Welt.

Gerhard Breidenstein (*1937)

Mehr hier:
http://www.auf-dem-zen-weg.de/mystik.pdf

Des Mysterium des Hierseins gewahr werden

Mögest du des Mysterium des Hierseins gewahr werden und eintreten in die stille Unermesslichkeit deiner eigenen Gegenwart.

Mögest du Glück und Freude finden im Tempel deiner Sinne.

Möge es dir, wenn neue Grenzen locken, nie an Ermutigung fehlen.

Mögest du dem Ruf deiner Gabe Gehör schenken und den Mut finden, ihrem Weg zu folgen.

Möge die Flamme des Zorns dich von jeglicher Falschheit befreien.

Möge Wärme des Herzens deine Gegenwart hell auflodern lassen, und möge dich die Angst niemals belangen.

Möge deine äußere Würde ein Spiegel sein der inneren Würde deiner Seele.

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die keine Aufmerksamkeit heischen.

Mögest du Trost finden in der geheimen Symmetrie deiner Seele.

Mögest du jeden neuen Tag als ein heiliges Geschenk erleben, gewoben um das Herz des Wunders.

 

John O’Donohue (1956 – 2008) in: Echo der Seele. Von der Sehnsucht nach Geborgenheit. München 1999, S.133

Üppiger Garten des Alleinseins

Um ein spirituelles Leben
führen zu können,
müssen wir den Mut aufbringen,
die Wüste der Einsamkeit zu betreten
und sie durch stetes Bemühen
in einen üppigen Garten des Alleinseins zu verwandeln.

Henri Jozef Machiel Nouwen (1932 – 1996)