Gebet das tausend Wohltaten mit sich bringt

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Es ist eine Kunst, Gebete so zu verrichten, dass der Verstand – sogar beim mündlichen Beten – sich viel rascher sammelt, und es ist ein Gebet, das tausend Wohltaten mit sich bringt; man nennt es Sammlung, weil die Seele all ihre Vermögen sammelt und in ihr Inneres zu ihrem Gott einkehrt. Es kommt ihr göttlicher Meister rascher zu ihr, um sie zu unterweisen und ihr das Gebet der Ruhe zu schenken als auf irgendeine andere Weise.

Teresa von Avila (1515 – 1582) in: Der Weg der Vollkommenheit, Kapitel 47

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Kirche in seinem Herzen bauen

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Der eine Kirche in seinem Herzen baut
Und sie überallhin mitnimmt
ist viel heiliger als der, dessen Kirche
nur ein eintägiges Haus des Gebets ist.

Morris Abel Beer (*1887 – unbekannt)

Mit der ganzen Kraft des Geistes

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Warum dringt es bis zum Himmel, dieses kleine, kurze Gebet; bestehend aus nur einer Silbe? Sicher deshalb, weil es im ganzen, ungeteilten Geist, in seiner Höhe, Tiefe, Länge und Breite gebetet wird. In der Höhe des Geistes entsteht das Gebet, weil es mit der ganzen Kraft des Geistes geschieht; zugleich ist es aber auch in der Tiefe des Geistes, weil in dieser kleinen Silbe alle geistigen Sinne enthalten sind; in der Länge des Geistes ist es, denn was der Mensch auch sonst dabei empfindet, schreit er doch immer auf die eine, gleiche Weise; in der Breite des Geistes ist das Gebet, weil der Mensch für alle anderen das gleiche wie für sich selbst will.

Wolke des Nichtwissens (14. Jh.) – Kapitel 38

Fremd und urvertraut

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Wer gewöhnt ist, unreflex, doch aufmerksam zu achten auf die Weise seines Gebets und der im Gebet kommenden Antwort, der wird finden, dass viele dieser Antworten sein eigenes bewusstes Wissen sprengen, und als Neues, Größeres, bisher Unbekanntes sich zeigen. …
Nenne man es, wie man wolle. Jeder von uns macht die Erfahrung, dass zumindest bisweilen, in entscheidenden Lagen, eine „Stimme“ zu ihm spricht, die er als fremd und doch urvertraut erlebt.

Selma Polat in: Luise Rinsers Weg zur mystischen Religiosität

Der ganze Beitrag von Selma Polat kann hier gelesen werden:

XII. MAGISCHE BLÄTTER BUCH | WINTER
CIII. Jahrgang Winter 2022 / 2023 | Spuren (November | Heft 34)

EINZELBUCH, 364 Seiten, 20,00 € (zuzüglich Versandkosten)
ISBN-Nr. 978-3-948-5941-5 2

Herausgeber: Verlag Magische Blätter – Ronnenberg | Schriftleitung: Organisation zur Umwandlung des Kinos

Bestellungen hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu subject: BESTELLEN MAGISCHE BLÄTTER BUCH XII

Von seiner Liebe angerührt

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Wahrlich, gäbe es auf diesem Weg des Gebets nichts anderes zu gewinnen, als daß man gewahrt, mit welch besonderer Fürsorge Gott darum bemüht ist, sich uns mitzuteilen, und wie er wieder und wieder uns bittet – denn nichts anderes scheint es zu sein –, bei ihm zu bleiben, so schienen mir alle Mühen wohl angewandt, die man auf sich genommen hat, um dies zu genießen, daß man so sanft und so durchdringend von seiner Liebe angerührt wird.

Teresa von Avila (1515 – 1582) in: Die innere Burg. Siebte Wohung, Drittes Kapitel

Lindernde Salbe für innere Risse

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Wenn wir mit den brüchigen Instrumenten der Analyse in uns stochern und bohren, können wir uns schwersten Schaden zufügen. Einzig die Stimme innigen Gebets kann diesen ernsthaften inneren Rissen lindernde Salbe auftragen und ihnen die Gifte des Schmerzes entziehen. In Erfahrung zu bringen, was zum Zeitpunkt einer solchen Verletzung genau geschah, kann eine große Hilfe bedeuten; kennen wir ihre Ursachen, wird uns auch die innere Struktur der Wunde klarer. Echte Heilung aber ist eine ganz andere Sache. Wie alle großen Ereignisse der Seele, erreicht sie uns aus einer Richtung, die wir weder voraussehen noch ahnen können.

John O’Donohue ( 1954 – 2008)

An der Freude teilnehmen und sein wie man ist

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Es besteht kein Bedarf an geistigem Fortschritt, noch der Kontemplation, der Disputation oder der Diskussion, noch Meditation, Konzentration oder gar die Anstrengung des Gebets.

Bitte sagen Sie mir klar und deutlich: Was ist die höchste Wahrheit?

Höre: Weder verzichte auf etwas, noch besitze etwas, nimm teil an der Freude der totalen Wirklichkeit und sei wie du bist!

Abhinavagupta (950 – 1016)

Richtige Richtung

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Wenn du merkst, dass du, ohne dich zu bemühen, die Menschen ein bisschen mehr liebst, ihnen gegenüber mehr Geduld empfindest, wenn du merkst, dass dein Lebensgefühl ein bisschen positiver geworden ist, deine Toleranzgrenze in schwierigen Situationen sich geweitet hat, und wenn du merkst, dass du dich selbst mehr so nehmen kannst, wie du bist, ja, dann geht dein Gebet in die richtige Richtung.

Franz Jalics SJ (1927 – 2021)

Die Kerze anzuzünden ist das Gebet

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Allein eine Kerze anzuzünden ist eines meiner liebsten Gebete. Ich meine damit nicht das Lesen von Gebeten bei Kerzenlicht. Die Kerze anzuzünden ist das Gebet. Da gibt es den Klang des aufflammenden Streichholzes, den Geruch des Qualms, nachdem man es ausgeblasen hat, die Art und Weise, in der die Flamme aufleuchtet und dann absinkt, beinahe ausgeht, bis ein Tropfen schmelzenden Wachses ihr die Kraft gibt, zu ihrer richtigen Größe heranzuwachsen und gleichmäßig zu leuchten. All dies und die Dunkelheit um meinen kleinen Lichtkreis ist Gebet.

David Steindl-Rast (* 1926)