Überall ist Mittelpunkt und Wende und im Nu die Ewigkeit

Weder Anfang hat die Welt noch Ende,
Nicht im Raum noch in der Zeit;
Überall ist Mittelpunkt und Wende,
Und im Nu die Ewigkeit.

Wie du lebst von einem Nu zum andern,
Ewig eines lebest du;
Laß die Welt vorüber ruhlos wandern,
Und sieh‘ aus der Ruh‘ ihr zu.

Nicht mit unzulänglichen Gedanken
Machst du das Geheimnis klar,
Doch in schwanken Schranken, Wortes Ranken,
Stellt es dir sich bildlich dar.

Friedrich Rückert (1788-1866) in: Gesammelte poetische Werke, Band VII, 1868, S. 468-469

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Süchtig nach Krieg

Foto: © wak

Der Mensch ist
wie ein Alkoholiker,
der weiss, dass das Trinken
ihn zerstören wird,
der aber trotzdem stets
einen Anlass zum Trinken findet…

Man kann daraus nur einen Schluss ziehen:
der Mensch ist so süchtig nach Krieg,
dass er mit seiner Sucht
nicht fertig werden kann.

Doch wenn er nicht lernt,
sie zu meistern,
wird diese Sucht
sein Untergang sein.

Thomas Merton (1915 – 1968)