Das Herz ist kein einsamer Ort

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Im Innersten unseres Herzens finden wir uns in einem Bereich, in dem wir nicht nur auf das Innigste mit uns selbst, sondern ebenso mit anderen vereint sind, mit allen anderen. Das Herz ist kein einsamer Ort. Es ist der Bereich, in dem Alleinsein und Beisammensein zusammentreffen. Ist es nicht so, dass unsere ureigenste Erfahrung uns das lehrt? Kann man jemals sagen „Jetzt bin ich wirklich bei mir, obwohl ich anderen entfremdet bin“? Oder: „Ich bin wirklich eins mit anderen, oder auch nur mit einer anderen Peson, die ich liebe, und doch bin ich mir entfremdet“? Undenkbar! Im selben Moment, da wir eins sind mit uns selbst, sind wir mit allen anderen eins. Dann haben wir die Entfremdung überwunden. Und das Herz steht für jenen Kern des Seins, wo lange vor der Entfremdung ursprüngliche Zusammengehörigkeit herrschte.

David Steindl-Rast (*1926) in: Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik. 1968, S. 29

Menschsein und wirkliches Leben…

Diese Textgraphik mit einem Gedanken des österreichischen Priesters Martin Gutl  (1942 – 1994) fand ich hier: https://www.johanneum.ch/das-johanneum/fachbereiche/seelsorge/

Rainer Maria Rilke: Herbst

 

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Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke, 11.9.1902, Paris

Doing Nothing und Engel – / Macht euch mit den Engeln vertraut / 16. Februar 2020 – Erste Information

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Macht euch mit den Engeln vertraut
und nehmt sie so oft wie möglich in eurem Innern wahr;
denn wenn ihr sie auch nicht sehen könnt,
so sind sie doch stets bei euch.

Franz von Sales (1567 – 1622)

 

Um Engel wird es am nächsten Mystik-Sonntag gehen, der am 16. Februar 2020 sein wird.

Auch dieses Mal wird es so sein, dass es ab 10.00 h Doing Nothing gibt;

nach einem kleinen Mittagsimbiss geht es dann ab 13.00 h um Engel.

Nähere Informationen folgen noch.

Giordano Bruno: Ursache, Grund und Ewig Eines

In: Giordano Bruno ((1548–1600) in: Von der Ursache, dem Anfangsgrund und dem Einen. Verdeutscht und erläutert von Ludwig Kuhlenbeck, 1906, S. 18

 

Die Woge ist das Meer selbst

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Die Woge ist das Meer selbst.
Und doch, wenn es in Form einer Woge
sich erhebt, so ist es die Woge.
Betrachtest du sie aber
als einen Teil des Ganzen,
so ist sie doch das Meer.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Mehr zur Mystik der Sufis am 27. Oktober im Kölner Mystikkreis: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/09/26/sufi-mystik-des-islam-und-doing-nothing-herzliche-einladung-zum-mystik-sonntag-am-27-oktober/

 

Überall ist Mittelpunkt und Wende und im Nu die Ewigkeit

Weder Anfang hat die Welt noch Ende,
Nicht im Raum noch in der Zeit;
Überall ist Mittelpunkt und Wende,
Und im Nu die Ewigkeit.

Wie du lebst von einem Nu zum andern,
Ewig eines lebest du;
Laß die Welt vorüber ruhlos wandern,
Und sieh‘ aus der Ruh‘ ihr zu.

Nicht mit unzulänglichen Gedanken
Machst du das Geheimnis klar,
Doch in schwanken Schranken, Wortes Ranken,
Stellt es dir sich bildlich dar.

Friedrich Rückert (1788-1866) in: Gesammelte poetische Werke, Band VII, 1868, S. 468-469