Zum Urgrund zurückkehren

Steinlabyrinth in Kevelaer / Foto: (c) wak

Spirituelle Gnade entspringt dem göttlichen Urgrund allen Seins und wird dem Menschen verliehen, damit er seine Bestimmung verwirklichen und aus der Zeit und dem Selbst zum Urgrund zurückkehren kann.

Aldous Huxley (1894 – 1963) in „Die ewige Philosophie – Philosophia Perennis“, Freiburg 2008, S. 213

In dich selbst kehre zurück

Darstellung des Augustinus in der römischen Lateranbasilika / wikimedia, gemeinfrei

Geh nicht nach außen,
in dich selbst kehre zurück,
denn im inneren Menschen
wohnt die Wahrheit.
Und wenn du deine Natur
als wandelbar empfindest,
übersteige dich selbst.

Augustinus (354 – 430)

Punkt des Nichts inmitten des Seins

Thomas Mertons Eremitage / Abbey of Gethsemani ~ wikimedia

Wüste und Leere. Das Unerschaffene ist für die Erschaffenen Trostlosigkeit und Leere. Nicht einmal Sand. Nicht einmal ein Stein. Nicht einmal bei Dunkelheit und Nacht. Eine brennende Wildnis wäre zumindest „etwas“. Es brennt und es ist wild. Aber das Ungeschaffene ist nichts. Brache. Die Leere. Die völlige Armut des Schöpfers. Doch alles entspringt dieser Armut. Die Einöde ist unerschöpflich. Unendliche Null. Alles stammt aus dieser Einöde. Alles will und kann dorthin zurückkehren. Denn wer kann schon ins Nichts zurückkehren? Doch jeder von uns ist ein Punkt des Nichts inmitten der Bewegung und ein Punkt des Nichts inmitten des Seins: der unvergleichliche Punkt, nicht durch Entdeckung. Wenn Sie sie suchen, werden Sie sie nicht finden. Wenn Sie nicht mehr suchen, ist sie da. Aber Sie sollten sich nicht darauf konzentrieren. Wenn Sie wissen, dass Sie ein Suchender sind, sind Sie verloren. Aber wenn Sie sich damit zufrieden geben, verloren zu gehen, werden Sie gefunden, ohne es zu wissen. Denn nur weil man sich verlaufen hat, ist man – endlich – nirgendwo.

Thomas Merton (1915 – 1968)

Eins mit dem Absoluten

Foto: © wak

Der Schatz den ich fand,
kann nicht mit Worten beschrieben werden.
Der Geist kann ihn nicht fassen.
Mein Geist fiel wie ein Hagelkorn
in die riesige Weite des Bewusstseins.
Als ich einen Tropfen davon berührte,
schmolz ich hinweg und wurde eins mit dem Absoluten.
Und selbst nun, da ich zum menschlichen Bewusstsein zurückkehre,
sehe ich nichts, höre ich nichts, das nicht göttlich ist.
Ich weiss, dass nichts von mir verschieden ist.

Shankaracharya / Adi Shankara (788-820)

Gefunden habe ich dieses Zitat hier:
https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Die Wahrheit offenbart sich in ihrer ewigen Ruhe

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Verweilend bei dem Nichtbesonderen,
das im Besonderen ist,
Weggehend oder zurückkehrend,
bleiben sie stets unbewegt.

Den Nichtgedanken erfassend,
der in den Gedanken liegt,
Hören sie die Stimme der Wahrheit
in jeder ihrer Taten.
Wie unbegrenzt ist der Himmel der Beschaulichkeit!
Wie durchsichtig das Mondlicht der vierfachen Weisheit!
Insofern die Wahrheit sich in ihrer ewigen Ruhe offenbart,
Ist diese selbe Erde das Lotosland der Reinheit
Und dieser Körper der Körper des Buddha.

Hakuin Ekaku (1685 – 1768)

Befreier der Menschheit

Diejenigen, die an der Quelle bleiben, sind weise; diejenigen, die wieder zur Welt zurückkehren, um das kostbare Elixier mit anderen zu teilen, sind die schöpferischen Geistesmenschen; aber diejenigen, welche selbst zu Gefäßen werden und sich der Welt opfern, sind die Mitleidsvollen, die Befreier der Menschheit, die Erleuchteten.

Lama Anagarika Govinda – Schöpferische Meditation und Multidimensionales Bewusstsein, 178 f., Aurum-Verlag, Breisgau, 1977

 

Jetzt aktuell nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Juni 2020, Heft 5, S. 162-163

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

Einen Platz finden…

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Zumindest einen Raum oder eine Ecke solltest Du für Dich haben, wo dich niemand findet, niemand stört, niemand beachtet. Dort solltest Du die Freiheit haben, dich von der Welt zu lösen und dich loszulassen, indem du alle feinen Saiten und Fasern der Spannung löst, die dein Schauen, dein Hören, dein Denken in der Gegenwart anderer Menschen bindet. Hast du einen solchen Platz gefunden, sei zufrieden damit und sei nicht verwirrt, wenn dich ein guter Grund davon wegruft. Liebe ihn und kehre zu ihm zurück, sobald du kannst.

Thomas Merton (1915 – 1968) in: Zeiten der Stille. Freiburg 1992, S. 27

Selbst ein Stück Welt

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Der Weg, den wir gehen müssen, um zur Gemeinschaft mit der Welt zu kommen, führt nicht nach außen, sondern nach innen. Es muss uns endlich wieder einfallen, dass wir ja nicht bloß Stücke der Welt wahrnehmen, sondern dass wir selbst ein Stück Welt sind. Wer die Blume ganz erfassen könnte, hätte die Welt erfasst. Nun denn: kehren wir ganz in uns selbst zurück, dann haben wir das Weltall leibhaftig gefunden.

Gustav Landauer ( 1870 – 1919) in „Skepsis und Mystik“

Zwiegespräch zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Das Gebet entspringt jener Schwelle, an der Seele und Leben ineinanderfließen; es ist das Zwiegespräch zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Dies beschränkt sich keineswegs auf die Gelegenheiten, da wir Gebete in Worte fassen. Das Gebet ist ein tieferer und Dialog, der sich in uns vollzieht. In diesem Sinne ist das innere Leben jedes Menschen ein fortwährendes Gebet, das mit der ersten Regung im Mutterleib einsetzt und mit dem letzten Atemzug endet, bevor wir in die unsichtbare Welt zurückkehren.

John O’Donohue (1956 – 2008) in: Echo der Seele. Von der Sehnsucht nach Geborgenheit. München 1999, S. 239 – 240