Nimm Gott ohne Eigenschaft

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Gott ist gut, Gott ist weise, Gott ist unendlich,
Gott ist gerecht – das alles ist so unsinnig,
als wenn ich das Schwarze weiß nennen würde.
Du bist es, was du über deinen Gott denkst,
und lästerst ihn, wenn du ihn damit behängst.
Nimm ihn ohne Eigenschaft als überseiendes Sein
und eine überseiende Nichtheit.

Meister Eckhart (1260-1328)

Erlösung durch das Liebesfeuer der Erkenntnis

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Alle echten Religionen in ihrem Reinheitszustande, alle wirklich Wissenden meinten geistige Erkenntnis. Taoismus meinte Erkenntnis durch selbstlos unbeschwerte Übereinstimmung mit dem Ganzen. Buddhismus meinte Erkenntnis durch Erbarmen und Loslösung. Christentum meinte Erkenntis durch das dank der Liebe in der Seele erwachte Himmelreich. Die Apolloniker Sokrates und Platon meinten Erkenntnis durch Schönheit und Güte. Die Kabbalisten und Chassidim meinten Erkenntnis durch Betrachtung und anbetende Bewunderung der Hypostasen oder Eigenschaften Gottes. Bo Yin Ra lehrte liebende Erkenntis durch richtige Vorstellungen, Selbstvertrauen und entsprechende Lebensführung. So machte er dem Erdenmenschen den eigenen Lebensgrund erfahrbar, als Religion an sich. Alle meinen das gleiche: Erlösung durch das Liebesfeuer der Erkenntnis.

Rudolf Schott in seinem Vortrag Symbolform und Wirklichkeit in den Bildern des Malers Bo yin Ra, gehalten am 6. Juli 1957 in Darmstadt

Teilhaben an der Stille

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Fragt mich jemand, wo er wohl nach der Buddha-Natur suchen solle, so begegne ich ihm mit meiner Buddha-Natur. Fragt mich jemand nach Bodhisattvas, so zeige ich ihm echtes Mitgefühl, die Eigenschaft jedes Bodhisattvas. Fragt mich jemand nach der Erleuchtung, dann antworte ich ihm durch Nicht-Antworten und zeige ihm somit Unaussprechlichkeit. Fragt mich schließlich jemand nach Nirvana, dann lasse ich ihn teilhaben an der Stille, der Funktion des Nirvana.

Rinzai Gigen Zenji alias Lin-chi (um 850)

Die Wurzel unseres Leidens

Die dualistische Eigenschaft des Denkens ist die Wurzel unseres Leidens. Wann immer wir uns als getrennt definieren, entstehen Angst und Abhängigkeit, und wir werden verkrampft, abwehrend und ehrgeizig und verteidigen unser Hoheitsgebiet. Um dieses abgetrennte Selbst zu schützen, scheuchen wir weg, was uns nicht passt, und an anderem krallen wir uns leidenschaftlich fest.

Jack Kornfield (*1945) in: Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens. Berlin 2004, S. 68-69

Ursprung, der keine Eigenschaft hat

Ein  Zen-Meister  wurde einmal von einem Schüler gefragt:

„Ich habe gehört, dass ein Sutra sagt:
‚Aus dem Ursprung, der keine Eigenschaft hat,
entspringt jedes einzelne Ding.’
Was ist dieser Ursprung, der keine Eigenschaft hat?“

Der Meister  antwortete dem Schüler darauf:
„Form entspringt aus Nicht-Form.
Name kommt aus Nicht-Name.“

Das Unaussprechliche zeigen

Fragt mich jemand, wo er wohl nach der Buddha-Natur suchen solle,
so begegne ich ihm mit meiner Buddha-Natur.

Fragt mich jemand nach Bodhisattvas,
so zeige ich ihm echtes Mitgefühl,
die Eigenschaft jedes Bodhisattvas.

Fragt mich jemand nach der Erleuchtung,
dann antworte ich ihm durch Nicht-Antworten
und zeige ihm somit Unaussprechlichkeit.

Fragt mich schließlich jemand nach Nirvana,
dann lasse ich ihn teilhaben an der Stille, der Funktion des Nirvana.

Rinzai Gigen Zenji alias Lin-chi (um 850)