Die Gedanken leeren – das eine Sein erkennen

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Wenn ihr euch danach sehnt,
die donnernde Stimme des Dharma zu hören,
gebt eure Worte auf,
entleert eure Gedanken,
dann kommt ihr so weit
das eine Sein zu erkennen.

Daio Kokushi / Nanpo Shomyo (1235 – 1309)

Das Diesseits besiegen ohne ins Jenseits zu flüchten

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Wenn wir aufgehört haben, unser inneres Leben auf Gott zu beziehen, dann können wir uns zu ebenso wirksamen Ekstasen erheben wie die Mystiker und wie diese das Diesseits besiegen, aber ohne in das Jenseits zu flüchten. Sollte uns dennoch die Obsession einer anderen Welt verfolgen, dann würden wir uns eine konstruieren dürfen, uns eine Gelegenheitswelt entwerfen, und sei es nur, um unser Bedürfnis nach dem Unsichtbaren zu befriedigen. Was zählt, sind einzig unsere Erlebnisse, ihre Intensität und ihre Kräfte, die uns zum Beispiel instandsetzen, uns in eine nichtsakrale Tollheit zu stürzen.

Emil M. Cioran (1911 – 1995) in: Dasein als Versuchung. Stuttgart 1983, S. 181

Der Wille der Weisheit

 

Wenn ich betrachte, was Gott ist, so sage ich: Er ist das Eine gegenüber der Kreatur, wie ein ewig Nichts; er hat weder Grund, Anfang noch Stätte und besitzet nichts, als nur sich selber: er ist der Wille des Ungrundes, er ist in sich selber nur Eines: er bedarf keines Raums noch Orts: er gebäret von Ewigkeit zu Ewigkeit sich selber in sich. Er ist keinem Dinge gleich oder ähnlich, und hat keinen sonderlichen Ort, da er wohne: die ewige Weisheit oder Verstand ist seine Wohne: er ist der Wille der Weisheit, die Weisheit ist seine Offenbarung.

Jakob Böhme (1575 – 1624) in: Mysterium Magnum

Es ist in dir…

Der Jünger sprach zum Meister:
Wie mag ich kommen zu dem übersinnlichen Leben, dass ich Gott sehe und höre reden?
Der Meister sprach:
Wenn du dich magst einen Augenblick in das schwingen, da keine Kreatur wohnet, so hörest du, was Gott redet.

Der Jünger sprach:
Ist das nahe oder ferne?
Der Meister sprach:
Es ist in dir, und so du magst eine Stunde schweigen von allem deinem Wollen und Sinnen, so wirst du unaussprechliche Worte Gottes hören…

Jakob Böhme (1621) in: De Vita Mentali oder Vom übersinnlichen Leben

Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2020/09/30/jacob-boehme-vom-uebersinnlichen-leben-hoerstueck-von-ronald-steckel/

Dieser eine Moment ist die Welt

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Dieser eine Moment ist die Welt.
Ob wir diesen einen Moment
noch viele Jahre haben
oder ob wir diesen einen Moment
nur jetzt, diesen einen Moment haben,
ist ganz gleichgültig.
Das ist das Leben:
dieser eine Moment.

Ayya Khema (1923 – 1997)

Flut und Welle als Wasser betrachten

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Der Fluss und seine Wellen sind eine Flut; was ist der Unterschied zwischen dem Fluss und seinen Wellen? Wenn eine Welle sich erhebt, ist sie das Wasser, und wenn sie fällt, ist sie wieder das gleiche Wasser.
So sagen sie mir, mein Herr, wo ist der Unterschied? Nur, weil sie Welle genannt wird, soll ich sie nicht mehr als Wasser betrachten?

Kabir (1440-1518)

Gefunden habe ich dieses Zitat in dem Buch von Vincenzo Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude. Ein beschenktes Leben. Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Dynamik der Liebe

Die Eine untrennbare Wirklichkeit ist namenlos und enthält in sich alle Namen zugleich – immanent und transzendent. Absolut gesehen ist sie eigenschaftslos. Drückt sich die Eine Wirklichkeit in Klang, Farbe und Form aus, vibriert sie in Milliarden von unterschiedlichen Eigenschaften, in untrennbarer Einheit. Die Natur der einen Wirklichkeit ist grundsätzlich egolos. Universen, Galaxien, Sonne und Mond, alle Planeten und Wesen, alle Pflanzen und Tiere sowie alle Menschen sind untrennbar Teil dieser einen Wirklichkeit. Es ist allein die Dynamik der Liebe, die den Tanz aller Frequenzen ermöglicht. Die ganze Welt, alle Universen – vom Größten bis zum Allerkleinsten – vibrieren in absoluter Stille in und durch sie als die eine untrennbare Wirklichkeit.

Annette Kaiser (*1948)

Das Eine Wahre Selbst wahrnehmen

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Rede, so viel du willst, über Philosophie,
verehre so viele Götter, wie du willst,
nimm an allen Riten teil,
singe Lieder der Hingabe
an alle möglichen göttlichen Wesen
– solange du das Eine Wahre Selbst nicht wahrnimmst,
wirst du in hundert Äonen nicht befreit.

Shankara (ca. 788-820)

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

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Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es ist nicht zwei, nicht drei, nicht Tausende,
es ist Eins und Alles;
es ist nicht Körper und Geist geschieden,
daß das eine der Zeit,
das andere der Ewigkeit angehöre,
es ist Eins, gehört sich selbst,
und ist Zeit und Ewigkeit zugleich,
und sichtbar, und unsichtbar,
bleibend im Wandel, ein unendliches Leben.

Caroline von Günderrode (1780-1806) in: Ein apokaliptisches Fragment, Nr. 15