Es ist ein Ros entsprungen…

advent4Foto: © wak

 

Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaia sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie die reine Magd.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
wohl zu der halben Nacht.

Michael Praetorius (1609) /  Jesaja 11,1a

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Das Herz ist immer offen

In einem Gespräch mit Schülern berichtete Ramana Maharshi (1879-1950) von seinem Rat: Erkenne dich selbst.
Und er erzählte ihnen von einer Schrift über die „Quintessenz der achtgliedrigen Wissenschaft“, die er gefunden hat. Darin heißt es, dass die „Stätte der Lebenskraft“ auf der rechten Seite der Brust liegt. Dort sei die „Stätte des Bewusstseins, des Sichselbergewahrseins“.
Auf die Frage eines Schülers, ob es sicher sei, dass „die Alten diese Stätte als ‚Herz‘ bezeichneten“ antwortete Ramana:
„Ja, das taten sie. – Aber du solltest lieber versuchen, diese Erfahrung zu haben, als sie irgendwo mit deiner Vorstellung zu suchen. Niemand braucht zu suchen, wo seine Augen sitzen, wenn er sehen will. Das ‚Herz‘ ist immer offen, wenn du wirklich hinein willst; es trägt alle Regungen und Bewegungen in dir, ohne dass du dessen gewahr wirst. Vielleicht sollte man lieber sagen: das Selbst ist das ‚Herz‘ selber, als dass es ‚im Herzen‘ sei. Fürwahr, das Selbst ist die Stätte und Mitte selber. Es ist immerdar seiner selbst inne als ‚Herz‘, als Selbstgewahrsein.“

Der Geist des Herrn lässt sich nieder

Im Buch Jesaja (11,2) schreibt der Prophet bei seiner Ankündigung des messianischen Reiches:

„Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm:
der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“

Als Handeln Gottes folgt daraus:
„Er richtet die Hilflosen gerecht und entscheides für die Armen des Landes, … Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften… Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein…“
Fast beschwörend hat Hrabanus Maurus (776-856) diesen Geist hunderte Jahre später erneut angerufen:

„Veni, creator spiritus.“ – „Komm, Heil´ger Geist der Leben schafft …“