Mangel an Sein

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Der leidenschaftliche, fanatische Glaube an Ideen und Führer – gleich welche – ist Götzendienst. Er entsteht aus einem Mangel an Mitte, an innerer Aktivität, an Sein. Das gleiche gilt für die große Liebe: Sie wird zum Götzendienst, wenn jemand glaubt, daß der Besitz eines anderen Menschen ihm die Antwort auf sein Leben gibt, ihm Gewißheit schenkt, zu seinem Gott wird.

Erich Fromm (1900 – 1980)

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Hingerissen zu Gott

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Der Anfang des Gebetes
besteht darin,
beginnende Gedanken
mit einem Wort abzuschneiden.

Die Mitte
liegt in der Aufmerksamkeit
des Bewusstseins
auf die gesprochenen Worte.

Das Ende jedoch
ist das Hingerissensein
zu Gott.

Johannes Climacus (* vor 579 – um 649)

Den Ort des Herzens finden

Symeon | Bildquelle wikimedia/gemeinfrei

Richte deine leiblichen Augen mitsamt dem ganzen Geist auf die Mitte des Bauches, also auf den Nabel, und zwinge den Atem, der durch die Nase kommt, indem du nicht mehr atmest, wie es beliebt, und versuche im Geiste, in deinem Inneren den Ort des Herzens zu finden.

Symeon der Neue Theologe (966 – 1024)

Hingerissen zu Gott

Foto: privat

Der Anfang des Gebetes
besteht darin,
beginnende Gedanken
mit einem Wort abzuschneiden.

Die Mitte
liegt in der Aufmerksamkeit
des Bewusstseins
auf die gesprochenen Worte.

Das Ende jedoch
ist das Hingerissensein
zu Gott.

Johannes Klimakos (* vor 579; † um 649). Nach 40 Jahren als Eremit wählte man ihn zum Abt des Katharinenklosters auf dem Berg Sinai. Zitiert in: Willi Massa, Schweigen und Wort. Butzon & Bercker Kevelaer 1974, S. 62

Die Mitte des Selbst in Gott

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Das Selbst ist nicht seine eigene Mitte und dreht sich nicht um sich selbst; es hat seine Mitte in Gott, der die alleinige Mitte von allen und von allem ist, der „überall und nirgends“ ist, in dem sich alle finden, von dem alle ausgehen. So ist gleich von Anfang an dieses Bewusstsein bereit, „dem anderen“, mit dem es sowieso schon „in Gott“ vereinigt ist, zu begegnen.

Thomas Merton (1915 – 1968) in: „Weisheit der Stille. Die Geistigkeit des Zen und ihre Bedeutung für die moderne christliche Welt“. Bern/München/Wien 1975, S. 32