Quelle unseres ganzen Lebens

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Das Bild Gottes ist essenziell und persönlich in allen Menschen vorhanden. Jeder besitzt es, ganz, vollständig und ungeteilt, und alle zusammen besitzen nicht mehr als einer allein. Auf dieser Weise sind wir alle Eins, innig vereint in unserem ewigen Bild, dem Bild Gottes, das die Quelle unseres ganzen Lebens in uns ist. Unser erschaffenes Wesen und unser Leben sind unmittelbar an diese Quelle gebunden, denn sie ist unsere ewige Ursache.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

In Wahrheit das Selbst

Ramana Maharshi | Bild: Archiv

Das persönliche Selbst ist nichts anderes als das Gemüt: als solches hat es seine Einheit mit dem wahren Selbst verloren und hat sich im eigenen Netz verstrickt. Daher ist sein Suchen nach dem Selbst als einem eigenen ewigen und ursprünglichen Wesen, wie wenn ein Schäfer ein Lamm sucht, das er verloren wähnt, und er trägt es dabei auf seinen Schultern.

Aber das Ich, das so sein Selbst vergessen hat, gelangt nicht gleich zur Befreiung, nämlich zum wirklichen Erlebnis des Selbst, wenn es das Selbst einmal gewahr wird; da stehen lang angesammelte Neigungen und Gewohnheiten des Gemütes hemmend im Wege, und häufig bringt es den Leib und das Selbst durcheinander und vergisst, dass es in Wahrheit das Selbst ist.

Ramana Maharshi (1879 – 1950) in: Heinrich Zimmer, Der Weg zum Selbst. Lehre und Leben des Shri Ramana Maharshi. Kreuzlingen/München 1975, S. 171

Fritz Stuckenberg: Golgatha

Fritz Stuckenberg (1881 – 1944) , Golgatha, um 1921, Öl auf Leinwand

„… Durch schwere Krankheit und ökonomische Not gezwungen, kehrte Fritz Stuckenberg 1921 nach Delmenhorst zurück. Hier, im ‚finsteren Delmenhorst‘ (Brief an den flämischen Dadaisten Paul van Ostaijen) unter zunehmend politisch und persönlich drückenderen Bedingungen entwickelte er das konstruktive und spirituelle Spätwerk. 1927 stellte er zusammen mit der Künstlergruppe ‚Der Fels‘ in der Städtischen Gemäldegalerie Bochum aus. …“ (wikipedia)

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

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Sind die Kirchenväter „Kommunisten“?

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Sind die Kirchenväter „Kommunisten“? Diese Frage lässt sich nicht mit ja oder nein beantworten. Auf jeden Fall aber stellen sie alle den Gemeinbesitz über den Privatbesitz, die Sozialethik über die Individualethik. … Sie sind Kommunisten aus prinzipiellen Gründen, indem sie das göttliche Naturrecht als kommunistisches Sozialrecht (paradiesischer Zustand) deklarieren, das Privateigentum hingegen als Zeichen des Sündenfalls, als bloß menschliches Recht, sogar als Usurpation. Es geht den Vätern in erster Linie um das Heil des Menschen; dieses Heil steht aber nicht als solches nur auf dem Altar, es ist nicht nur ein rein geistiges Heil, sondern es findet sich inmitten der Geschichte.

Konrad Farner (1903–1974) in „Worte der Kirchenväter – Gemeineigentum / Privateigentum“. Freiburg i. Ue, 1973, S. 71 – 73

Mehr zu ihm im „Historischen Lexikon der Schweiz“: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022745/2004-11-17/

Eine persönliche Ergänzung: Es ist viele Jahre her, dass ich mit einem jungen Jesuiten in der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt/M. durch die Bibliothek gestreift bin. Als wir bei den Regalen „Kirchenväter“ angekommen waren, da bemerkte er: „Hier steht unser Dynamit“…

Engagierte Solidarität mit den Armen

Statue des Franz von Assisi in Marienthal | Foto: © wak

Christliche Mystik hat einen Bezug zur Geschichte. Sie orientiert sich am historischen Jesus und besteht in der Nachfolge Jesu. Dann aber beinhaltet christliche Mystik engagierte Solidarität mit den Armen, weil auch Jesus sich ja zu den Armen gezählt und sich für Randexistenzen auf den Strassen des Lebens und auf den Plätzen der Städte persönlich entschieden hat. Christliche Mystik beinhaltet ein Ringen um Veränderung, wie sie in der Utopie Jesu vom Reich Gottes steckt; und das beginnt damit, dass den Armen und – von dort aus – auch allen Menschen und der ganzen Schöpfung Gerechtigkeit widerfährt.

Leonardo Boff (geb. 1938) In: Leonardo Boff / Frei Betto, Mystik der Strasse, Patmos Düsseldorf 1995

Kein Unterschied

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Zwischen dem gestaltlosen Urprinzip,
der überpersönlichen Gottheit
und dem persönlichen Gott
ist kein Unterschied.

Denkt man sich das allerhöchste Wesen untätig,
dann wird es die Gottheit oder das Absolute genannt.
Das gleiche Wesen tätig
– erschaffend, erhaltend und zerstörend –
ist Gott als persönliches Wesen.

Ramakrishna (1836 – 1886)

Heiden, Christen und die Armen

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1. In den ersten Jahrhunderten
des Christentums
die Hungrigen wurden gefüttert
unter persönlichen Opfern,
die Nackten waren bekleidet
unter persönlichen Opfern,
die Obdachlosen wurden beherbergt
unter persönlichen Opfern.

2. Und weil die Armen
gefüttert, bekleidet und beherbergt wurden
unter persönlichen Opfern,
sagten die Heiden früher
über die Christen
„Sehen Sie, wie sie sich lieben.“

3. In unseren Tagen
sind die Armen  nicht mehr
gefüttert, bekleidet, beherbergt
unter persönlichen Opfern,
aber auf Kosten
der Steuerzahler.

4. Und weil die Armen
sind nicht mehr
gefüttert, bekleidet und beherbergt
sagen die Heiden über die Christen
„Sehen Sie, wie sie den Schwarzen Peter weitergeben.“

Peter Maurin (1877 – 1949) „Feeding the Poor at a Sacrifice“ in „Easy Essays“. Maurin hat 1933 zusammen mit Dorothy Day die Bewegung „Catholic Worker“ gegründet

 

Alle eins im ewigen Bild

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Das Bild Gottes
ist in allen Menschen
wesentlich und persönlich
vorhanden.
Jeder besitzt es
ganz, vollständig und ungeteilt
und alle zusammen besitzen
doch nur ein Bild.
Auf diese Weise
sind wir alle eins,
innig vereint
in unserem ewigen Bilde,
welches das Bild Gottes
und der Quell all unseres Lebens
in uns ist.

Jan van Ruusbroec (1293 – 1381)

Die Gesellschaft und uns heilen

Foto: © wak

 

Wenn der Mensch seine Verbindung zur Natur, zu Himmel und Erde verliert, dann weiß er seine Umwelt nicht mehr pfleglich zu behandeln und die Welt nicht mehr zu regieren – was letztlich dasselbe ist. Was Menschen ihrer Umwelt zufügen, geht Hand in Hand mit dem, was sie einander zufügen. So betrachtet, ist die Heilung der Gesellschaft nur zugleich mit der Heilung unserer persönlichen, elementaren Beziehung zu unserer Umwelt möglich.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987)

Mystik lesen – Pfade zum Selbst | work in progress…

Es gibt so viele Definitionen von Mystik, wie es Menschen gibt, die sich damit beschäftigen. Denn in der Mystik geht es um den Sinn des Lebens. Und deshalb bringt jeder seine persönliche Lebenshaltung mit ein.

Friedrich Heiler (1892 – 1967)

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Sehen mit dem Dritten Auge ist die Sichtweise der Mystiker. Sie lehnen das Erste Auge nicht ab. Die sinnlichen Wahrnehmungen bedeuten ihnen etwas. Aber sie wissen, es gibt mehr. Sie lehnen auch das Zweite Auge nicht ab. Aber sie verwechseln Wissen nicht mit Tiefe und bloße korrekte Information nicht mit der Transformation des Bewusstseins selbst. Der mystische Blick baut auf das Erste und Zweite Auge auf – aber er reicht weiter. Er ereignet sich immer dann, wenn aufgrund eines wunderbaren „Zufalls“ der Raum unseres Herzens, der Raum unseres Verstandes sowie unsere Körperwahrnehmung gleichzeitig geöffnet und nicht-resistens sind. Ich nenne dies gern Präsenz. Präsenz wird als ein Moment tiefer innerer Verbundenheit erfahren und sie zieht uns unweigerlich in das nackte und ungeschützte Hier und Jetzt hinein.

Richard Rohr (*1943) in: Pure Präsenz. Sehen lernen wie die Mystiker. München, 2010

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Der Fromme von morgen wird ein ‚Mystiker‘ sein, einer, der etwas ‚erfahren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein, weil die Frömmigkeit von morgen nicht mehr durch die im Voraus zu einer personalen Erfahrung und Entscheidung einstimmige, selbstverständliche öffentliche Überzeugung und religiöse Sitte aller mitgetragen wird, die bisher übliche religiöse Erziehung also nur noch eine sehr sekundäre Dressur für das religiöse Institutionelle sein kann. Die Mystagogie muss von der angenommenen Erfahrung der Verwiesenheit des Menschen auf Gott hin das richtige ‚Gottesbild‘ vermitteln, die Erfahrung, dass des Menschen Grund der Abgrund ist: dass Gott wesentlich der Unbegreifliche ist; dass seine Unbegreiflichkeit wächst und nicht abnimmt, je richtiger Gott verstanden wird, je näher uns seine ihn selbst mitteilende Liebe kommt.“

Karl Rahner: Frömmigkeit früher und heute. In: Schriften zur Theologie VII, Einsiedeln 1971, S. 22-23

 

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Die Mystiker haben immer wieder betont, dass höhere Erkenntnis und das gelebte höhere Wissen die große Befreiung bewirken. Befreiung wovon? Es ist die Befreiung von den zahllosen Fesseln, die unser Ich davon abhalten, dem Selbst entgegenzugehen, um mit diesem eins zu werden. Höhere Erkenntnis, das heißt Erkenntnis der Existenz einer absoluten Wirklichkeit, ist das sicherste Mittel für eine solche Befreiung.

René Bütler (1923 – 2016)

 

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Ein Buch aufschlagen
und die Worte finden,
die mich be/treffen.

w.a.k.

 

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Mystik lesen – Pfade zum Selbst. Überschrift über einen Text, der für jede und jeden mit anderem Inhalt gefüllt wird.
w.a.k.