Ein Mystiker entmystifiziert die politische Macht

Lao Tzu, ein Mystiker, entmystifiziert die politische Macht. Autokratie und Oligarchie fördern den Glauben, dass Macht auf magische Weise erlangt und durch Opfer erhalten wird, und dass die Mächtigen den Machtlosen wirklich überlegen sind.

Lao Tzu sieht politische Macht nicht als Magie an. Er sieht rechtmäßige Macht als verdient und unrechtmäßige Macht als usurpiert. Er sieht Macht nicht als Tugend, sondern als das Ergebnis von Tugend. Die Demokratien beruhen auf dieser Sichtweise.

Er sieht die Aufopferung von sich selbst oder von anderen als Korruption der Macht an, und dass die Macht jedem zur Verfügung steht, der dem Weg folgt. Dies ist eine radikal subversive Haltung. Kein Wunder, dass Anarchisten und Taoisten gute Freunde sind.

Ursula K. Le Guin (1929 – 2018) in: Lao Tzu: Tao Te Ching. A Book about the Way and the Power of the Way. A New English Version bei Ursula K. Le Guin with the Collaboration of J.P. Seaton, Professor of Chinese, Shambala Boston & London, 2011

Heilig ist Gott der Vater des Alls…

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Heilig ist Gott, der Vater des Alls.
Heilig ist Gott, dessen Wille durch seine eigenen Kräfte erfüllt wird.
Heilig ist Gott, der erkannt werden will und von den Seinen erkannt wird.
Heilig bist du, der du durch das Wort das Seiende hast entstehen lassen.

Heilig bist du, dessen Abbild die gesamte Natur ist.
Heilig bist du, dem nicht die Natur seine Gestalt gegeben hat.
Heilig bist du, der du jeder Kraft überlegen bist.
Heilig bist du, der du erhabener als alles Erhabene bist.
Heilig bist du, der du alles Lob übersteigst.

Nimm in heiligen Worten dargebrachte Opfer an
von meiner Seele und meinem Herzen, das sich dir zuwendet.
Du Unaussprechlicher, Unsagbarer, in Schweigen Angerufener.

Aus dem Corpus Hermeticum (2. – 3. Jh. u.Z.) / A. Hermes Trismegistos: Poimandres

Beginen: Inmitten des Volkes ein einsiedlerisch-abgeschlossenes Leben

Detail der Abteikirche in Heisterbach  Foto: © wak

„Wir wissen, dass solche Frauen … in weltlicher Weise unter Weltlichen leben, vielen in Klöstern Eingeschlossenen sind sie dennoch an Liebeswerken überlegen: Unter Weltleuten Geistliche, unter Prunksüchtigen enthaltsam, führen sie inmitten des Volkes ein einsiedlerisch-abgeschlossenes Leben“.

Caesarius Heisterbach (ca. 1180 – 1240) über die Beginen

Mehr über ihn hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Caesarius_von_Heisterbach

Mehr zu Beginen und Beginenmystik hier:
https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/08/13/beginen-mystische-autonomie-und-radikale-liebe-mystikkreis-koeln-am-2-september-2018/

Ein Geschenk – keine Last

Wenn wir den Guru als jemanden sehen, der höheres, überlegenes Wissen besitzt, der größer ist als wir, der so außerordentlich mitfühlend ist, uns wirklich seine Aufmerksamkeit zu schenken, dann wird die Übertragung verhindert.
Wenn wir das Gefühl haben, ein mickriges kleines Wesen zu sein, dem ein goldener Becher gereicht wird, dann werden wir von dem Geschenk überwältigt und wissen nicht, was wir damit anfangen sollen. Unser Geschenk wird zu einer Last, weil unsere Beziehung misslich und bedrückend ist.

Chögyam Trungpa (1940 -1987)