Die gewöhnliche Welt mit neuen Bedeutungen versehen

Der Künstler, der Prophet, der Metaphysiker,
jeder baut aus dem Material,
das sich dem Zugriff anderer Seelen entzieht,
eine Welt auf,
in der diese anderen Seelen
leben und träumen können:
eine Welt, die zudem die gewöhnliche Welt
des täglichen Lebens
in neuen Proportionen zeigt
und mit neuen Bedeutungen versieht.

Evelyn Underhill (1875 – 1941) in: The Mystic As Creative Artist, 1920

Dem Heiligen Geist einen Platz geben

Bild: Archiv

Das sind die wahren Armen im Geist. Sie erfüllt der Heilige Geist; er stürmt in ihre Seelen, er gießt all seinen Reichtum über den Menschen aus, überschüttet ihn mit seinem Schatz, den inneren wie den äußeren Menschen, seine inneren und seine äußeren Kräfte, die oberen und die niederen. Und des Menschen Tun besteht hier darin, daß er sich bereiten lasse, und dem Heiligen Geist eine Stätte und einen Platz gebe, damit er sein Werk in ihm vollenden könne.

Johannes Tauler (1300 – 1361), Predigt 25

Allen zugeneigt

Foto: (c) wak

Mutter Jesu,                                                  A: bitte für uns

Mutter, allen zugeneigt,

Mutter nach unserem Herzen,

Mutter von Generation zu Generation,

Mutter unserer Mütter,

Mutter jeder Sehnsucht,

Mutter aller Tränen,

Mutter der Gerechtigkeit,

Mutter der Armen,

Mutter der Menschheit,

Mutter des Erlösers,

Mutter der Kirche,

liebliche Jungfrau,

offenherzige Jungfrau,

schwesterliche Jungfrau,

zärtliche Jungfrau,

heitere Jungfrau,

freieste Jungfrau,

Spiegel der Frauen,

Hort des Erbarmens,

Wurzel der Zärtlichkeit,

stets Gegenwärtige,

Stimme des Lobes,

Blüte der Hoffnung,

Quelle der Stärke,

Herz aus Gold,

Arche der Heimatlosen,

Hafen des Himmels,

Stern der Einsamen,

Zuflucht in Not,

Trost der Hinterbliebenen,

Hilfe der Unschuldigen

Dienerin des Heiligen Geistes,

Dienerin der Engel,

Dienerin deines Volkes,

Dienerin der Unterdrückten,

Dienerin der Märtyrer,

Dienerin der Behinderten,

Dienerin der Sterbenden,

Dienerin der verlorenen Seelen,

Dienerin der Versöhnung,

Dienerin des Friedens,

Dienerin deiner Diener,

Dienerin unseres Herrn Jesus Christus,

Dienerin Gottes,

Frère Léonard, Taizé

Die Reise geht weiter

Foto: (c) wak

Die Reise geht weiter, die Reise geht immer weiter. Und seit Anbeginn gab es Seelen, Männer und Frauen von jeder Herkunft, die von der Liebe angezogen auf diese Reise zurück zur Liebe gegangen sind, gerufen, das essenzielle Einssein von Liebenden und dem Geliebten, die Vereinigung mit der göttlichen Liebe wiederzuentdecken. Man nannte sie je nach Zeit und Gegend sehr unterschiedlich: sie sind Dienerinnen Gottes, Gottliebende, Mystikerinnen, Narren der göttlichen Liebe.

Aber das sind nur Worte für ein Geheimnis, welches zuerst tief im Herzen stattfindet und sich dann bis in jede Zelle des Körpers ausbreitet, in unsere Gedanken und Gefühle, in unsere Träume und die Weise, wie wir unsere Füße auf der Erde aufsetzen.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in: Rückkehr zur Liebe: ein paar einfache Worte für Mystiker*innen und Liebende (goldensufi.org)

Die befreite Seele trachtet nicht nach Gott

Eingangstext aus dem „Spiegel der einfachen Seelen“ | Archiv

 

Die befreite Seele trachtet nicht nach Gott,
weder durch Busse
noch durch irgend ein Sakrament der Heiligen Kirchen,
noch durch Gedanken, Worte und Werke,
noch durch ein Geschöpf von hier unten
noch durch ein Geschöpf von oben.

Marguerite Porete (1250/1260 – 1. Juni 1310)

Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?

„Das Geistige im Film ist ein noch unentdeckter Kontinent, ein Kapitel der Filmgeschichte, das noch nicht wirklich aufgeschlagen wurde. Es sollte uns nicht genügen, immer wieder die gleiche Form des Kinos zu reproduzieren. Um etwas in unserem Leben wahr werden zu lassen, müssen wir es vorher gesehen haben. Es wäre verfehlt und unrealistisch, das derzeitige Filmsystem angreifen oder gar abschaffen zu wollen, aber es bedarf dringend der Ergänzung und des Ausgleichs. Was den meisten Filmen fehlt, ist nicht das technische Vermögen, sondern der emotionale und geistige Reichtum. Im Grunde wäre das Fernsehen ein ideales Medium, den Zuschauer Erfahrungen mit neuen Formen machen zu lassen, ihre Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erweitern. Bei einer so großen Anzahl von Fernsehkanälen sollte es sich unsere Gesellschaft zur Aufgabe stellen, zumindest einen „Leuchtturm“ zum Brennen zu bringen. Wenigstens einen Fernsehkanal zur Schutzzone zu erklären, auf dem sich der Zuschauer sicher fühlen könnte, weil der Fernsehdirektor und die Gremien bei der Auswahl des Programms die Verantwortung für die Seelen ihrer Zuschauer im Blick hätten. Keine Zerstreuung, sondern Sammlung. Gerade in Anbetracht der kollektiv erbrachten Rundfunkgebühren sollte ein solches Vorhaben umgesetzt werden. Lebendi­ges Leben eingebettet in einem zeitlos, geistigen Organismus.

Dort könnten die europäischen Pioniere Robert Bresson, Ingmar Bergman, Luis Buñuel geehrt werden, Pier Paolo Pasolinis „Das Evangelium nach Matthäus“ (1964) und Carl Theodor Dreyers „Das Wort“ (1955), „Der Himmel über Berlin“ (1987) von Wim Wenders oder der amerikanische Filmklassiker „Lost Horizon“ (1937) von Frank Capra gezeigt werden. Und aus dem asiatischen Kino bieten sich die Filmwerke von Akira Kurosawa und Yasujiro Ozu. In „Rashomon“ (1954), einem Klassiker des japanischen Kinos, stellt sich das Erleben eines scheinbar für alle Beteiligten gleichen Geschehens als subjektiv sehr verschieden dar und zieht da­mit die objektive ethische Urteilsfähigkeit des Menschen in Zweifel. Ebenso ist der Film „Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach“(1989) von Young-kyon Bae zu erwähnen. Und es sollten auf jeden Fall auch Filme aus der Bildenden Kunst gezeigt werden wie „Variations Of A Cellophane Wrapper“ (1970) von David Rimmer, „Pas des Deux“ (1968) von Norman McLaren und „Lapis“ (1966) von James Whit­ney, nicht zu vergessen die Arbeiten von Maya Deren und Jordan Belson.

… Filmkunst als Ausdruck und Weg unseres geistigen und seelischen Erwachens. Und als Mittel und Medium unserer Selbstgestaltung.“

Gefunden habe ich dieses Zitat Hier: http://www.organisationzurumwandlungdeskinos.de/ Er erschien unter dem Titel „Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?“ im ersten Heft der neu aufgelegten „Magischen Blätter“, Ronnenberg, Frühjahr 2020

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatszeitschrift

Zu Gott und anderen Seelen erweitert

Foto: © wak

Das spirituelle Leben eines Individuums
muss vertikal zu Gott erweitert werden
und horizontal zu anderen Seelen.

Und je mehr es in beiden Richtungen wächst,
desto weniger wird es individuell
und damit wahrhaft persönlich werden.

Evelyn Underhill (1875-1941)

Suchet Ihn in allen Seelen

Foto: © wak

Suchet Ihn in allen Seelen,
gut oder schlecht,
weise und töricht,
attraktiv und unattraktiv;
In den Tiefen eines jeden ist Gott.

Hazrat Inayat Khan (1882 -1927)

Gefunden habe ich diesen Gedanken hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Im Hunger der Seelen anfangen

Gedenktafel am Böhme-Haus im heute polnischen Zgorcelec (Görlitz) Foto: © wak

Denn nicht durch unsere scharfe Vernunft und Forschen erlangen wir den wahren Grund göttlicher Erkenntnis. Die Forschung muss von innen im Hunger der Seelen anfangen. Denn das Vernunftforschen gehet nur bis in sein Astrum der äußern Welt, daraus die Vernunft urständet. Aber die Seele forschet in ihrem Astro, als in der innern geistlichen Welt, daraus die sichtbare Welt entstanden oder ausgeflossen ist, darinnen sie mit ihrem Grunde stehet.

Jakob Böhme (1575 – 1624)

Geister und Seelen befruchtet und befrachtet

heer_eckhart

Im November 1956 erschien eine von Friedrich Heer herausgegebene Sammlung von Texten Meister Eckharts. In seiner Einleitung schreibt Heer unter anderem:

Was Meister Eckhart von der „Wallung“, vom  „Ausfluß“ und vom „Überkochen“ der Gottheit sagt, erfährt er an sich selbst. Die Gottheit „kocht über“ wie ein Gefäß, das übervoll ist; und ihr gleichend, weil zutiefst verwandt, weil ihr „Sohn“, kocht der Meister Eckhart über und befruchtet und zerstört mit seinen Lavamassen die Gefilde der Menschen. Eckhart, ein Vulkan. Eckhart, ein großer Zerstörer. Eckhart, ein Quell, der durch die Jahrhunderte hindurch Geister und Seelen befruchtet und befrachtet.

Friedrich Heer (1916 – 1983) über Meister Eckhart

Mehr hier:
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp