Achtsamkeit: Leben, Verständnis, Mitgefühl

Nur wenige Begriffe finden meines Erachtens gegenwärtig so viel missbräuchliche Verwendung wie „Achtsamkeit“. Dieses Wort ist in vielen Bereichen zu einem Modewort verkommen, das inhaltsleer zu werden droht. So ist es gut, sich an seine tiefere Bedeutung zu erinnern. Die „Sieben Wunder der Achtsamkeit“ von Thich Nhat Hanh können dazu einen hervorragenden Beitrag leisten. wak

Foto: © wak

Achtsamkeit besteht darin, unsere authentische Präsenz hervorzubringen, uns im Hier und Jetzt lebendig werden zu lassen und mit den Dingen in Berührung zu kommen.

Achtsamkeit lässt uns erkennen, dass das Leben bereits da ist. Wir können wirklich mit ihm in Kontakt sein und ihm Sinn und Tiefe geben.

Achtsamkeit schenkt dem Objekt unserer Betrachtung Lebenskraft, berührt und umarmt es. Das macht uns selbst lebendig und das Leben wird realer. Dies gibt uns Nahrung und Heilung.

Achtsamkeit vermittelt Sammlung und Konzentration. Wenn wir in unserem Alltag konzentriert sind, werden wir alles tiefer betrachten und besser verstehen können.

Achtsamkeit ermöglicht tiefes Schauen und lässt uns das Objekt unserer Betrachtung außerhalb und in uns selbst besser erkennen.

Achtsamkeit führt zu Verstehen, das tief aus unserem Inneren kommt. Wir erlangen Klarheit und so wird die Bereitschaft zur Akzeptanz gefördert.

Achtsamkeit führt zur Befreiung durch die so gewonnenen Einsichten. Wo immer wir Achtsamkeit praktizieren, ist Leben, Verständnis und Mitgefühl.

Thich Nhat Hanh (*1926)

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Zehn Gebote der Gelassenheit

Bildquelle: wikimedia/ gemeinfrei

 

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst.

3. Nur für heute werde ich in der Gewißheit glücklich sein, daß ich für das Glück geschaffen bin – nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, daß die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, daß es niemand merkt.

8. Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, daß die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte glauben.

10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Papst Johannes XXIII. / Angelo Giuseppe Roncalli  (1881 – 1963)

Meditation ist keine Flucht aus der Welt

Meditation ist keine Flucht aus der Welt. Es ist kein isolierendes, sich abkapselndes Tun, sondern vielmehr die Einsicht in die Welt und wie es auf ihr zugeht. Die Welt hat wenig zu bieten, abgesehen von Nahrung, Kleidung, Obdach und Vergnügen mit seinem grossen Kummer.

Meditation heisst wegwandern von dieser Welt; man muss ein totaler Aussenseiter sein. Dann hat die Welt eine Bedeutung, und die Schönheit von Himmel und Erde ist dauerhaft. Dann ist Liebe nicht Vergnügen. Von dort geht jedes Handeln aus, das nicht Ergebnis von Spannung, Widerspruch, Streben nach Selbstverwirklichung oder Machtdünkel ist

Jiddu Krishnamurti (1895-1986) in „Meditationen“. Zürich 1989

Transzendente Energie, deren Quell im Himmel entspringt

Wir bedürfen des Brotes. Wir sind Wesen, die ihre Energie fortwährend von aussen hernehmen, denn in dem Maße, wie wir sie empfangen, verbrauchen wir sie in unseren Anstrengungen. Wird unsere Energie nicht täglich erneuert, werden wir kraftlos und unfähig, uns zu regen.
Ausser der eigentlichen Nahrung, im buchstäblichen Sinn des Wortes, sind alle Anreize Energiequellen für uns. Das Geld, die Beförderung, das Ansehen, die Auszeichnungen, die Berühmtheit, die Macht, die Wesen, die wir lieben, alles, was uns zum Handeln befähigt, ist wie Brot.
Dringt eine dieser Verhaftungen tief genug in uns ein, bis zu den Lebenswurzeln unserer fleischlichen Existenz, so kann die Entbehrung uns zerbrechen und sogar den Tod herbeiführen. Man nennt dies: vor Kummer sterben. Das gleicht dem Hungertod.
All diese Gegenstände der Verhaftung stellen, zusammen mit der eigentlichen Nahrung, unser irdisches Brot dar. Es hängt völlig von den Umständen ab, ob es uns gewährt wird oder versagt bleibt.
Und was die Umstände betrifft, sollen wir nichts erbitten, ausser dass sie dem Willen Gottes gemäss seien. Wir sollen das irdische Brot nicht erbitten.
Es gibt eine transzendente Energie, deren Quell im Himmel entspringt, die in uns einströmt, sobald wir es begehren. Dies ist wirklich unsere Energie; sie vollbringt Taten durch unsere Seele und unseren Leib.
Diese Nahrung sollen wir erbitten.

Simone Weil  (1909 -1943),  Betrachtungen über das Vaterunser, 1941/42

 

Gefunden habe ich diesen Text hier:

http://blog.nootheater.de/2012/12/18/buch-der-freunde-vii/

Leben, Verständnis, Mitgefühl

Achtsamkeit besteht darin, unsere authentische Präsenz hervorzubringen, uns im Hier und Jetzt lebendig werden zu lassen und mit den Dingen in Berührung zu kommen.

Achtsamkeit lässt uns erkennen, dass das Leben bereits da ist. Wir können wirklich mit ihm in Kontakt sein und ihm Sinn und Tiefe geben.

Achtsamkeit schenkt dem Objekt unserer Betrachtung Lebenskraft, berührt und umarmt es. Das macht uns selbst lebendig und das Leben wird realer. Dies gibt uns Nahrung und Heilung.

Achtsamkeit vermittelt Sammlung und Konzentration. Wenn wir in unserem Alltag konzentriert sind, werden wir alles tiefer betrachten und besser verstehen können.

Achtsamkeit ermöglicht tiefes Schauen und lässt uns das Objekt unserer Betrachtung außerhalb und in uns selbst besser erkennen.

Achtsamkeit führt zu Verstehen, das tief aus unserem Inneren kommt. Wir erlangen Klarheit und so wird die Bereitschaft zur Akzeptanz gefördert.

Achtsamkeit führt zur Befreiung durch die so gewonnenen Einsichten. Wo immer wir Achtsamkeit praktizieren, ist Leben, Verständnis und Mitgefühl.

Thich Nhat Hanh (*1926)

http://www.intersein-zentrum.de/thich.html

Nähren und stützen

So wie die Erde
und die drei anderen Elemente,
zusammen mit dem Raum,
alle Wesen beständig nähren und stützen,
möge auch ich
zu einer solchen Quelle
der Nahrung und Stütze
für alle Wesen werden,
die den Raum ausfüllen,
solange noch nicht alle Wesen
den Frieden erlangt haben.

Shântideva ( 8. Jh.) im Bodhicaryâvatâra

Den vollständigen Text gibt es hier:

http://www.mb-schiekel.de/bodhi.htm#Shantideva

Nahrung und Stütze für alle Wesen

So wie die Erde und die drei anderen Elemente,
zusammen mit dem Raum, alle Wesen beständig nähren und stützen,
möge auch ich zu einer solchen Quelle der Nahrung und Stütze
für alle Wesen werden, die den Raum ausfüllen,
solange noch nicht alle Wesen den Frieden erlangt haben.

Shântideva ( 8. Jh.)