Lilli Vetter-Aschau: Der Tod Buddhas – Durch Liebe das All befreit

Bild: Archiv

Stickereien von Lilli Vetter – Aschau / Terstegen-Vetter (1889 – 1972)

von Hans Christoph Ade (1888 – 1981)

„Der Tod Buddhas“; man verliert das Bild nie wieder, wenn man es einmal auf sich wirken ließ. Die Legende erzählt, daß Buddha unter einem Baume starb und daß seine Seele in den Baum hinüberging, der nun sofort vom Geistigen des Heiligen berührt, in Blüten aufschimmerte. Diesen Augenblick hat die Künstlerin gestaltet. Purpurn leuchtet das Gewand des Heiligen unter dem breit und braun aufastenden Baume. Das bleiche Haupt ist eben zurückgesunken, die Hände schlaffen im brennenden Rot. Alle Linien zeigen das Ermatten des Vergänglichen. Aber darüber der Baum! Das sind nicht Blüten nur, die da rosig aufbrachen und niederschweben: das sind Sterne, aus Buddhas Geist unsäglich zart gebildet. In unermeßlicher Bewegung eilen Gläubige umher. So stürmisch sie sind: der Eindruck des Bildes ist unerhörte Gelassenheit. Im Hintergrunde wuchten Gebirge auf. Grüne, voll von Wäldern und Matten. Blaue, fernere dahinter. Und aufzungend in der Ferne, überragend, der heilige Gipfel des Himalaya. Aber das sind nicht Berge nur: auf einmal geht es uns auf: das sind Flammen, Flammen der Anbetung! Im Vordergrund geschieht das sanfte Blütenwunder, hinten, rings aber jubeln die Berge auf und preisen den todüberwindenden Geist, der durch die Liebe das All befreite. Es ist eine Größe, eine Ruhe, die unbeschreiblich sind.

Erschienen in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst und künstlerische Frauen-Arbeiten, 4. Ausgabe, 27. Jahrgang, S. 150-155, Darmstadt, April 1924

Aktuell nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Juni 2020, Heft 5, S. 175-176

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

(Biographische Ergänzungen: wak)

Die Farbe des Himmels

Foto: © wak

 

Je tiefer das Blau wird,
desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche,
weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem
und schließlich Übersinnlichem.
Es ist die Farbe des Himmels,
so wie wir ihn uns vorstellen
bei dem Klange des Wortes Himmel.

Wassily Kandinsky (1866 – 1944) in: Über das Geistige in der Kunst. 3. Auflage 1912, S.77

Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?

„Das Geistige im Film ist ein noch unentdeckter Kontinent, ein Kapitel der Filmgeschichte, das noch nicht wirklich aufgeschlagen wurde. Es sollte uns nicht genügen, immer wieder die gleiche Form des Kinos zu reproduzieren. Um etwas in unserem Leben wahr werden zu lassen, müssen wir es vorher gesehen haben. Es wäre verfehlt und unrealistisch, das derzeitige Filmsystem angreifen oder gar abschaffen zu wollen, aber es bedarf dringend der Ergänzung und des Ausgleichs. Was den meisten Filmen fehlt, ist nicht das technische Vermögen, sondern der emotionale und geistige Reichtum. Im Grunde wäre das Fernsehen ein ideales Medium, den Zuschauer Erfahrungen mit neuen Formen machen zu lassen, ihre Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erweitern. Bei einer so großen Anzahl von Fernsehkanälen sollte es sich unsere Gesellschaft zur Aufgabe stellen, zumindest einen „Leuchtturm“ zum Brennen zu bringen. Wenigstens einen Fernsehkanal zur Schutzzone zu erklären, auf dem sich der Zuschauer sicher fühlen könnte, weil der Fernsehdirektor und die Gremien bei der Auswahl des Programms die Verantwortung für die Seelen ihrer Zuschauer im Blick hätten. Keine Zerstreuung, sondern Sammlung. Gerade in Anbetracht der kollektiv erbrachten Rundfunkgebühren sollte ein solches Vorhaben umgesetzt werden. Lebendi­ges Leben eingebettet in einem zeitlos, geistigen Organismus.

Dort könnten die europäischen Pioniere Robert Bresson, Ingmar Bergman, Luis Buñuel geehrt werden, Pier Paolo Pasolinis „Das Evangelium nach Matthäus“ (1964) und Carl Theodor Dreyers „Das Wort“ (1955), „Der Himmel über Berlin“ (1987) von Wim Wenders oder der amerikanische Filmklassiker „Lost Horizon“ (1937) von Frank Capra gezeigt werden. Und aus dem asiatischen Kino bieten sich die Filmwerke von Akira Kurosawa und Yasujiro Ozu. In „Rashomon“ (1954), einem Klassiker des japanischen Kinos, stellt sich das Erleben eines scheinbar für alle Beteiligten gleichen Geschehens als subjektiv sehr verschieden dar und zieht da­mit die objektive ethische Urteilsfähigkeit des Menschen in Zweifel. Ebenso ist der Film „Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach“(1989) von Young-kyon Bae zu erwähnen. Und es sollten auf jeden Fall auch Filme aus der Bildenden Kunst gezeigt werden wie „Variations Of A Cellophane Wrapper“ (1970) von David Rimmer, „Pas des Deux“ (1968) von Norman McLaren und „Lapis“ (1966) von James Whit­ney, nicht zu vergessen die Arbeiten von Maya Deren und Jordan Belson.

… Filmkunst als Ausdruck und Weg unseres geistigen und seelischen Erwachens. Und als Mittel und Medium unserer Selbstgestaltung.“

Gefunden habe ich dieses Zitat Hier: http://www.organisationzurumwandlungdeskinos.de/ Er erschien unter dem Titel „Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?“ im ersten Heft der neu aufgelegten „Magischen Blätter“, Ronnenberg, Frühjahr 2020

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatszeitschrift

In einer heiligen Sphäre

Kurt Weinhold: Jona im Walfisch Foto: © wak

Mit seinem Bild ‚Jona‘ überträgt Kurt Weinhold (1896 – 1965) seine Erfahrung als Künstler aus der Zeit des Nationalsozialismus aber auch die Nachkriegszeit auf eine symbolische Ebene. Der Prophet, der in diesem Fall für den Künstler selbst steht, übt seine Kunst, Gebet und Gesang, nach der Erkenntnis des Geistigen unbeirrt aus. Seine Situation stellt die Gegenwelt zu der ihn umgebenden Gefahrenwelt dar, im Dialog mit dem Geistigen, dem Materiellen entzogen, befindet er sich in einer heiligen Sphäre… “

Dr. Hans Günter Golinski vom Kunstmuseum Bochum hat dies u.a. zu dem o.a. Bild geschrieben, das derzeit in der Evangelischen St. Georg-Kirche in Hattingen zu sehen ist.